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Buchtipp Sozialismus – die gescheiterte Idee, die niemals stirbt*

Gastautor: Rainer Zitelmann
05.04.2019, 07:25  |  1421   |   |   

Warum entfalten sozialistische Ideen wieder eine so große Attraktivität, obwohl ausnahmslos alle sozialistischen Experimente in den vergangenen 100 Jahren gescheitert sind? Das soeben erschienene Buch von Kristian Niemietz „Socialism. The Failed Idea That Never Dies“ gibt überzeugende Antworten.

 

Was würden Sie zu einer Hausfrau sagen, die einen Kuchen nach einem bestimmten Rezept backt, aber feststellen muss, dass die Gäste sich danach übergeben? Sie backt den Kuchen das nächste Mal wieder nach diesem Rezept, freilich ein wenig modifiziert. Doch das Resultat ist wieder das Gleiche – die Gäste übergeben sich. Die Hausfrau wiederholt dies mehr als zwei Dutzend Mal, wandelt dabei das Rezept zwar immer ein wenig ab, aber in den Grundbestandteilen bleibt es ähnlich, obwohl die Gäste sich jedes Mal übergeben müssen. Natürlich ist so etwas nicht vorstellbar. Die Frau würde schon viel eher erkennen, dass das ganze Rezept nichts taugt.

 

Mehr als zwei Dutzend gescheiterte Experimente

Aber die Sozialisten sind genau so vorgegangen: „Over the past hundred years, there have been more than two dozen attempts to build a socialist society. It has been tried in the Soviet Union, Yugoslavia, Albania, Poland, Vietnam, Bulgaria, Romania, Czechoslovakia, North Korea, Hungary, China, East Germany, Cuba, Tanzania, Benin, Laos, Algeria, South Yemen, Somalia, the Congo, Ethiopia, Cambodia, Mozambique, Angola, Nicaragua and Venezuela, among others countries. All of these attempts have ended in varying degrees of failure. How can an idea, which has failed so many times, in so many different variants and so many radically different settings, still be so popular?” (S. 21).

Dies ist die zentrale Fragestellung dieses überaus wichtigen Buches, geschrieben von dem Ökonomen Kristian Niemietz, der am Londoner Institut für Economic Affairs arbeitet. In einem Satz lautet die Antwort auf seine Frage: „It is because socialists have successfully managed to distance themselves from those examples.” (S. 55) Wenn man Sozialisten mit Beispielen für die gescheiterten Experimente konfrontiert, dann entgegen sie stets: Diese Beispiele bewiesen gar nichts, da es sich in Wahrheit dabei nicht um sozialistische Modelle gehandelt habe. Intellektuelle sahen jedoch genau dies in der „Blütezeit“, die die meisten sozialistischen Experimente erlebten, ganz anders, wie Niemietz an vielen Beispielen verdeutlicht.

 

Venezuela – „Sozialismus im 21. Jahrhundert“

Jüngstes Beispiel ist Venezuela, das noch vor wenigen Jahren von führenden Intellektuellen und linken Politikern als Modell für den „Sozialismus im 21. Jahrhundert“ gefeiert wurde. Auf einer Demonstration für Hugo Chávez in London im März 2013 erklärte beispielsweise der heutige britische Labour-Führer Jeremy Corbyn: „Chávez… showed us that there is a different, and a better way of doing things. It’s called socialism… In his death, we will march on, to that better, just, peaceful and hopeful world.“ (S.239). Und selbst im Juni 2015, als das Scheitern des sozialistischen Experiments in Venezuela schon offensichtlich war, wiederholte Corbyn: „When we celebrate – and it is a cause for celebration – the achievements of Venezuela, in jobs, in housing, in health, in education, but above all, its role in the whole world as a completely different place, then we do that because we recognise what they have achieved, and how they’re trying to achieve it.” (S. 246) Wenige Wochen später erklärte er begeistert, “the Bolivarian revolution is in full swing and is providing inspiration across a whole continent”. Venezuela sei ein gelungenes Gegenmodell zu “neo liberal policies” (S. 247).

 

Lobgesänge auf Stalin

Niemietz zeigt, dass sogar Massenmörder wie Josef Stalin und Mao Zedong in gleicher Weise von führenden Intellektuellen ihrer Zeit begeistert gefeiert wurden. Diese Intellektuellen waren keine Außenseiter, sondern renommierte Schriftsteller und Wissenschaftler, wie Niemietz an zahlreichen Beispielen belegt. Selbst die Konzentrationslager in der Sowjetunion, die Gulags, wurden bewundert. „They were presented as places of rehabilitation, not punishment, where inmates were given a chance to engage in useful activities, while reflecting upon their mistakes.“ Eine damals bekannte amerikanische Schrifstellerin erklärte: “The labor camps have won high reputation throughout the Soviet union as places where tens of thousands of men have been reclaimed.” (S.72)

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