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Viel Lärm um (fast) nichts

Gastautor: Dr. Ulrich Kater
09.04.2019, 13:00  |  1353   |   |   

Als ob das ganze Gezerre rund um den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie um den anstehenden Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union die Märkte und die Anleger hierzulande nicht schon genug in Atem halten würde. Nein, jetzt kommt auch noch hinzu, dass der Euroland-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im März vollends in den Schrumpfungsbereich abgerutscht ist. Harte Zahlen wie die deutschen Februardaten zu Auftragseingängen und Produktion machen ebenfalls wenig Freude. Wen wundert es da, dass viele sich aus Angst vor einer Rezession in sichere Geldanlagen, namentlich in deutsche Staatsanleihen flüchten? Die Folge: 10-jährige Bundesanleihen rentieren derzeit nahe Null.

 

Die großen Notenbanken, allen voran die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB), haben ebenfalls mit ihren jüngsten vorsichtigeren Formulierungen zu anstehenden weiteren Straffungsmaßnahmen zumindest kurzfristig die Skepsis an den Märkten gefördert. Die Fed will nun keine nennenswerten weiteren Leitzinserhöhungen mehr vornehmen, und ob die EZB in absehbarer Zeit überhaupt noch ihre Leitzinsen erhöhen wird, steht in den Sternen.

 

An den Aktienmärkten siegte dann jedoch der Optimismus. Wesentliche Gründe sind Fortschritte beim Aushandeln eines Handelsabkommens zwischen den USA und China, die weiterhin kräftigen Wirtschaftsdaten aus den USA und die Erwartung, dass auch in China die Konjunktur im Jahresverlauf wieder nach oben drehen wird. Nicht zuletzt stützt die vorsichtigere Haltung der großen Notenbanken risikobehaftete Anlageklassen wie Aktien.

 

Noch ist es nicht entschieden, ob im Lauf dieses oder des kommenden Jahren eine ausgeprägte globale Schwächephase ansteht oder die gegenwärtigen Risiko-Diskussionen - wie so oft - nur viel Lärm um nichts sind. Aus unserer Sicht ist die aktuelle Entwicklung - auch in Europa - für ein baldiges Abrutschen in eine globale Rezession einfach zu stabil. Und die Befürchtungen des vergangenen Jahres, dass die Notenbanken zu stark an der Zinsschraube drehen würden und damit der Konjunktur noch mehr die Luft ausgeht, bestehen nicht mehr. So sind die Notenbanken schnell wieder vom Schurken zum Retter geworden.

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1 Kommentare

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Kommentare

"So sind die Notenbanken schnell wieder vom Schurken zum Retter geworden."

Mitnichten!
Die Notenbanken, vor allem die EZB haben sich in eine Sackgasse manövriert und stecken seit geraumer Zeit am hintersten Ende fest.
Es ist wie mit dem Henker, der das Beil nicht senkt, weil er weiß, dass er dann erschossen wird.
In dem Moment, in dem die EZB die Zinsen erhöht, implodiert das gesamte fragile System.
Wir werden also in den nächsten Jahren keine wesentlichen Zinserhöhungen erleben. Draghi und Konsorten sind keine Menschen, die dem Suizid zuneigen.
Dass dabei allerdings das Privatvermögen der Bürger jedes Jahr um Milliarden reduziert wird, betrachtet die EZB als Kollateralschaden.
Und wenn der Bürger kein Vermögen mehr besitzt, ist er dem Staat hilflos ausgeliefert. Somit ist das Ziel unserer Politiker auch erreicht!

Disclaimer

Gastautor

Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt, DekaBank

Der promovierte Volkswirt war von 1995 bis 1999 im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Seit 1999 hat er maßgeblich zum Aufbau der Volkswirtschaftlichen Abteilung der DekaBank beigetragen, ist seit 2004 Chefvolkswirt der DekaBank und übernahm 2006 den Vorsitz der Kommission Wirtschaft und Finanzen im Verband Öffentlicher Banken, den er bis heute innehat.

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