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Vermögensverwalter Stefan Wallrich: Leerverkäufe – Fluch oder Segen?

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
12.04.2019, 08:27  |  660   |   |   
Mit den jüngsten Spekulationen gegen Wirecard steht der Leerverkauf von Wertpapieren wieder verstärkt in der Diskussion. Vermögensverwalter Stefan Wallrich von Wallrich Wolf Asset Management hält ein Verbot jedoch für falsch.


Technisch betrachtet handelt es sich bei Leerverkäufen um einen relativ einfachen Vorgang. Ein Anleger leiht sich gegen eine Gebühr bei einem Counterpart - meist über seine Bank oder seinen Broker - Aktien eines bestimmten Unternehmens und verkauft diese über die offiziellen Börsen oder sogenannte Dark Pools, also bank- oder börseninterne Handelsplattformen, die nicht den Regeln der europäischen Börsenaufsicht unterliegen, weiter. Dies geschieht in der Hoffnung beziehungsweise Erwartung, dass der Kurs der besagten Wertpapiere fällt, und eine spätere Eindeckung zu günstigeren Preisen möglich ist. Gelingt dies, ist die Spekulation aufgegangen.

Neben diesen gedeckten sind auch ungedeckte Leerverkäufe möglich. In diesem Fall hat sich der Investor noch nicht einmal die Papiere geliehen. Im Extremfall könnten negativ gestimmte Anleger damit eine große Menge an Aktien auf den Markt werfen und mangels hinreichender Aufnahmebereitschaft des Marktes den Preis dadurch nach unten drücken. Dabei macht sich der Verkäufer den Umstand zunutze, dass ihm zur Lieferung der Aktien eine gewisse Frist eingeräumt wird.
An den deutschen Wertpapierbörsen sind dies beispielsweise zwei Tage, auf nicht regulierten Handelsplattformen sind aber auch längere Zeiträume möglich. Zumindest hierzulande finden größere Leerverkäufe übrigens keineswegs im Verborgenen statt. So müssen alle Nettoleerverkaufspositionen, die mehr als 0,5 Prozent des ausstehenden Aktienvolumens eines Unternehmens ausmachen, im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.

Kein Unterschied zwischen Long- und Shortpositionen
Vollkommen legitime Motive für Leerverkäufe können unter anderem schlechte Unternehmensmeldungen, eine aufkommende Abwärtsdynamik bei einzelnen Aktien oder dem Gesamtmarkt oder auch einfach die Einschätzung sein, dass die Aktienkurse dem tatsächlichen angemessenen Bewertungsniveau nach oben enteilt sind. Hier lohnt sich die intensive Auseinandersetzung mit Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen, aus denen sich oft schon vor der offiziellen Bekanntgabe durch das Management eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation einer Aktiengesellschaft ablesen lässt.
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