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Bahntechnikduell: die neue Stadler-Aktie im Vergleich mit Vossloh

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
16.04.2019, 09:14  |  766   |   |   

Kennst du auch Leute, die sich vorgenommen haben, weniger zu fliegen? Das liegt scheinbar im Trend. Trotzdem will sich kaum jemand das Reisen verbieten lassen. Die vielleicht beste Alternative stellt die Bahn dar und der Ausbau der Schienennetze steht weltweit ganz oben auf der Agenda.

Zwei Unternehmen, die davon profitieren, sind die deutsche Vossloh (WKN:766710) und die gerade an die Börse gegangene Stadler Rail (WKN:A2ACPS) aus der Schweiz. Lies hier, was du zu den beiden wissen musst und welche Aktie letztlich die besseren Aussichten hat.

Eine neue Ära beginnt für 2 geschichtsträchtige Bahntechniker

Weder Stadler noch Vossloh gehören zu den dominanten Spielern in der Bahntechnikbranche. Beide können jedoch auf eine stolze Wachstumsgeschichte zurückblicken. Vossloh geht auf die Gründung eines Schmiedewerks durch Eduard Vossloh im Jahr 1888 zurück. Ganz so viel Tradition kann Stadler nicht bieten. Das Unternehmen war ursprünglich ein Ingenieursbüro, das 1942 von Ernst Stadler gegründet wurde und sich mit Fahrzeugumrüstung beschäftigte.

Bei Stadler ging die Erfolgsgeschichte jedoch erst so richtig los, als Peter Spuhler 1989 den Betrieb übernahm. Seither wurden zahlreiche historische Fertigungsstandorte übernommen, zunächst in der Schweiz und später auch international, einschließlich des Adtranz-Werks in Berlin-Pankow. 2016 schließlich verleibten sich die Schweizer den Lokomotivbauer von Vossloh in Valencia (Spanien) ein. Aktuell wird auch noch Vosslohs letzte Diesellokfabrik in Kiel verkauft. Vossloh und Stadler gehen sich also weitgehend aus dem Weg.

Auch Vossloh hat eine starke Expansionsphase seit den 1980er-Jahren hinter sich. Regelmäßig wurde über Zukäufe das Leistungsspektrum erweitert und die Internationalisierung vorangetrieben. Heute dreht sich alles um Schieneninfrastruktur, einschließlich Logistik-Dienstleistungen, zugehöriger Signaltechnik und der Instandhaltung. In Nischen wie Schienenbefestigungen und Weichensysteme gehört Vossloh zu den weltweit größten Anbietern.

Über die letzten zehn Jahre konnte Vossloh jedoch nicht mehr wachsen. Im Zuge der Finanzkrise hat der Konzern an Kraft verloren. Die späte Folge war ein massiver Verlust 2014, dem eine Restrukturierung mit weiteren Verkäufen von Unternehmensteilen folgte. 2017 hat Andreas Busemann den Chefsessel übernommen. Er will unter anderem mit smarten Gleisen, die mit Sensorik ausgestattet digital überwacht und kostenschonend vorbeugend gewartet werden, bei Kunden punkten.

Auch Stadler meldete für 2018 einen Umsatzrückgang, allerdings primär aus buchhalterischen Gründen. Beide Unternehmen wollen zukünftig wieder wachsen.

Die Zahlen im Detail: Vossloh versus Stadler

Bevor wir uns jedoch genauer mit den Zukunftsaussichten beschäftigen, wollen wir uns erst einmal die Zahlen der Vergangenheit ansehen.

in Mio. EUR 2017 2018 Wachstum
1 CHF in EUR 0,900 0,866
Umsatz Stadler 2.184,3 1.732,5 -21 %
Umsatz Vossloh 918,3 865,0 -6 %
Verhältnis 2,38 2,00
Operativer Gewinn (EBIT) Stadler 171,7 130,7 -24 %
Operativer Gewinn (EBIT) Vossloh 70,3 54,2 -23 %
Verhältnis 2,44 2,41
Eigenkapital Stadler 681,9 691,2 1 %
Eigenkapital Vossloh 532,4 523,3 -2 %
Verhältnis 1,28 1,32

Zahlen auf Basis der Angaben der Geschäftsberichte 2018, Schweizer Franken umgerechnet in Euro

Aus den Zahlen ist ersichtlich, dass Stadler im vergangenen Jahr fast doppelt so viel Umsatz gemacht hat und dabei eine etwas höhere betriebliche Marge erwirtschaften konnte. Dafür steht Vossloh bei der Eigenkapitalausstattung im Vergleich besser da.

in Mio. EUR Stadler Vossloh
Auftragsbestand Ende 2018 11.411,6 595,0
Langfristige Finanzschulden Ende 2018 70,7 267,9
Kurs 12.04. (Stadler in CHF) 43,10 42,15
Anzahl Aktien in Mio. 100,0 16,0
Marktkapitalisierung in Mio. EUR 3.877,4 673,0
Kurs-Gewinn-Verhältnis 2018 36,5 37,0

Zahlen auf Basis der Angaben der Geschäftsberichte 2018 sowie eigene Kalkulationen

Was die Schuldenlast angeht, wirkt Stadler wesentlich solider – zumindest zum Stichtag Ende 2018. Wenn Vossloh einen guten Preis für das Lokgeschäft erlöst, können die Verbindlichkeiten vermutlich signifikant zurückgefahren werden. Keinen Zweifel gibt es jedoch beim Auftragsbestand, wo Stadler auf Jahre hinaus ausgelastet sein wird.

Beim KGV liegen die beiden derzeit fast gleichauf, sodass wir uns darauf konzentrieren können, welches Unternehmen mehr zu bieten hat.

Darum ist Vossloh jetzt die bessere Aktie

Ich sehe hier zwei gut positionierte Konzerne in einem langfristig kontinuierlich wachsenden Markt. Beiden sollte es gelingen, über die kommenden Jahre deutlich höhere Gewinne auszuweisen. Vossloh war in früheren Jahren mal für Nettoerträge im Bereich von 100 Mio. Euro gut, also mehr als viermal so viel wie 2018. Auf Sicht von fünf Jahren könnte ein solches Niveau durchaus wieder erreichbar sein.

Die Strategie, stärker auf Technologie und Dienstleistungen zu setzen, scheint aufzugehen. Die Reichweite des Auftragsbestands liegt allerdings nur bei acht Monaten, sodass die Auslastung der Werke schnell einbrechen kann. Insgesamt erkenne ich diesbezüglich daher bei Vossloh ein etwas höheres Risiko, obwohl beide Unternehmen von einer relativ geringen Anzahl an Großkunden abhängig sind.

Für Vossloh spricht auf der anderen Seite die starke Wettbewerbsposition. Vossloh ist zwar kleiner, aber im Kerngeschäft ein Champion, der zudem in den letzten Jahren eine Menge in seine Zukunftsfähigkeit investiert hat. Stadler hingegen sieht sich scheinbar übermächtiger Konkurrenz unter anderem aus Deutschland, Frankreich und China gegenüber und muss sich immer wieder behaupten. Bei der Signaltechnik sind die Schweizer zum Teil auf Wettbewerber angewiesen.

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