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Reiche spenden für Notre-Dame – und Häme im Netz

Gastautor: Rainer Zitelmann
17.04.2019, 07:22  |  2867   |   |   

Keine 24 Stunden, nachdem der Brand in Notre-Dame ausgebrochen war, hatten reiche Franzosen und Unternehmen über 750 Millionen Euro Spenden für den Wiederaufbau zugesagt. Doch im Netz gibt es viel Häme dazu.

 

Die französische Milliardärsfamilie Pinault erklärte zuerst, sie wolle 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau zur Verfügung stellen. Das gab in der Nacht nach dem Brand François-Henri Pinault bekannt, der Chef des Luxusmodekonzerns Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga). „Diese Tragödie trifft alle Franzosen“, erklärte die Familie. In solch einer Situation wolle jeder mithelfen, "schnellstmöglich diesem Juwel unseres nationalen Kulturerbes wieder Leben einzuhauchen".

Am Dienstag morgen zog dann LVMH (Moët Hennessy - Louis Vuitton) nach: Die Unternehmensgruppe versprach eine Spende von 200 Millionen Euro für den Wiederaufbaufonds.

Es folgte die Familie Bettencourt, mit 200 Millionen Euro, der Milliardär Marx Ladreit mit zehn Millionen Euro und der Bauriese Bouygues ebenfalls mit zehn Mio. Euro. Auch der Zusammenschluss der französischen Profifußballclubs versprach finanzielle Unterstützung. Aber auch viele einfache, nicht-reiche Bürger zeigten eine enorme Spendenbereitschaft.

 

Reichen werden egoistische Motive unterstellt
 

Ich hatte einen Bericht des „Spiegel“ dazu auf Facebook gepostet. Hier einige Kommentare von Lesern dazu:

 

- „Ist schon ok und eine schöne Geste. Aber wenn man 90% der Spende von dem zu versteuernden Einkommen abziehen kann, dann schrumpft die Summe schon ganz schön zusammen. Die Differenz bezahlt der Staat und somit der Steuerzahler....oder liege ich da falsch?“

 

- „Was sind 100 Millionen im Verhältnis zu der Public Relation ? Peanuts !“

 

- „Bei allem Wohlwollen den Spendern gegenüber frage ich mich immer, wie die an ihre Milliarden gekommen sind.“

 

Diese Reaktionen sind typisch. Die meisten Menschen denken so. Während man bei nicht-reichen Menschen Spenden positiv beurteilt, werden sie bei Reichen überwiegend negativ gesehen.  Bei einer im vergangenen Jahr durchgeführten repräsentativen Befragung des Allensbacher Institutes für Demoskopie im Rahmen der Studie „Die Gesellschaft und ihre Reichen“ erklärte die Hälfte der Bundesbürger (in Ostdeutschland sogar 57 Prozent), Reiche wollten mit ihren Spenden vor allem sich selbst etwas Gutes tun, also beispielsweise ihr Image aufbessern oder Steuern sparen. Nur 14 Prozent vertraten die Ansicht, die Reichen wollten mit ihren Spenden vor allem anderen etwas Gutes tun. Insbesondere Anhänger der Linkspartei (65 Prozent) und der AfD (58 Prozent) unterstellen reichen Spendern eigennützige Motive. Auch in Frankreich glauben nach dieser Umfrage doppelt so viele Menschen, Reiche wollten mit Spenden vor allem sich selbst etwas Gutes tun als dass sie ihnen zugestehen, anderen etwas Gutes tun zu wollen.

Ist das Motiv wirklich wichtig?

Wäre es also besser, die Milliardäre hätten nicht für den Wiederaufbau gespendet und das Geld anderweitig ausgegeben? Wäre das den Kritikern lieber gewesen? Ich finde, dass die Motive, warum jemand spendet, ziemlich unwichtig sind. Wenn jemand eine gute Tat tut, sollte man diese nicht danach beurteilen, ob er das beispielsweise auch aus Imagegründen tut oder ob andere Motive eine wichtigere Rolle spielen. Man kann aus wunderbaren, altruistischen Gründen spenden, aber das Geld fließt in sinnlose Projekte und man kann umgekehrt aus ganz eigennützigen Gründen spenden und das Geld fließt in sehr hilfreiche Projekte. Ich glaube nicht, dass denjenigen, denen das Geld zugute kommt, der Grund wichtig ist, sondern die Wirkung.

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