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Interview Max Otte: "Irgendwann muss das explosive Gemisch hochgehen"

17.04.2019, 12:04  |  25373   |   |   

Anlässlich seiner Webkonferenz am 25. April (Anmeldung läuft) befragte die wallstreet:online-Redaktion den Investor und Fondsmanager Max Otte zu den heißen Börsenthemen: zu Crash- und Dividenden-Prognosen, zur Fusion Deutsche Bank und Commerzbank, zur Börsensteuer und nicht zuletzt zur laufenden Enteignungsdebatte.

wallstreet:online: Herr Otte, wir blicken auf einen Bullenmarkt seit der Finanzkrise in 2009. Dow Jones und Nasdaq zum Beispiel haben kräftig zugelegt. Doch mit den Argumenten inverse Zinskurve, Warnsignale im Tech-Sektor, schwache Wirtschaftsdaten, Zollkrieg, Wachstumsschwäche in China und Brexit wird das Gemurmel über einen baldigen Crash lauter. Was meinen Sie?

Max Otte: Keiner weiß genau, wann der nächste Crash kommt, auch ich nicht. Aber die Risiken steigen und die Warnsignale werden sehr viel deutlicher. Schon im Januar 2018 habe ich mich positioniert und gesagt, dass ich den nächsten Crash noch in der (ersten) Amtszeit von Donald Trump erwarte.

Zwar befindet sich der Aktienmarkt größtenteils nicht in einer Blase, aber die Weltwirtschaft selbst ist es. Durch die Niedrigzinsen haben wir das Wachstum künstlich verlängert. Nun gibt es allenthalben erste Warnsignale: viele Emerging Markets, die in Dollar verschuldet sind, bekommen Probleme, die Staatsschulden der USA explodieren, die Krise der Eurozone ist nicht gelöst und China steht ebenfalls vor einer deutlichen Abkühlung. Irgendwann muss das explosive Gemisch hochgehen.

wallstreet:online: Laut einer EY-Studie können sich Aktionäre mit DAX-Papieren in diesem Jahr über Rekord-Dividenden freuen. Gleichzeitig kämen die Unternehmensgewinne aber immer mehr unter Druck. Inwieweit kann man daraus schließen, dass das vielleicht vorerst die letzte Dividenden-Party gewesen sein könnte?

Max Otte: Das ist eine durchaus plausible Überlegung. Nehmen Sie die deutschen Autofirmen - die müssen in den nächsten Jahren sehr viel investieren, was sich mindernd auf die Dividenden auswirken wird. Wir setzen daher im Fonds eher auf robuste Wachstumsunternehmen.

wallstreet:online: Zur aktuellen Nachrichtenlage: Die mögliche Fusion von Commerzbank und Deutsche Bank nimmt Formen an. Was würde eine "Deutsche Commerz" für die Aktionäre der beiden Banken bedeuten. Wie sollte man sich als Aktionär jetzt verhalten?

Max Otte: Ich habe es irgendwann aufgegeben, in die deutschen Großbanken zu investieren, obwohl ich es als Patriot gerne gemacht hätte. Der Druck der US-Politik, die Regulierung, der Krieg gegen das europäische Wirtschaftssystem, das im Gegensatz zum amerikanischen mehr auf Kredite und weniger auf Börsen setzt, sowie natürlich auch eigene Fehler der Banken machen das zu einem ganz heißen Eisen. Das ist hoch spekulativ. Wer berechenbare Renditen will, kann nicht in die Papiere der beiden Institute investieren.

wallstreet:online: Stichwort Börsensteuer. Könnten Sie bitte unseren Lesern anschaulich darstellen, welche Auswirkungen eine Umsetzung der Börsensteuerpläne von Finanzminister Olaf Scholz haben könnten?

Max Otte: Ich bin als Investor nicht unbedingt gegen eine Börsenumsatz- oder Finanztransaktionssteuer, wenn sie gut gemacht ist. Ich habe auf Einladung der SPD dazu einmal vor einem Bundestagsausschuss ausgesagt. Wenn es richtig gemacht wird, werden lang- und mittelfristige Investments kaum belastet, wohl aber Nanotrading, Leverage und Derivate. Es wäre also ein Beitrag zur Stabilität des Finanzsystems.

wallstreet:online: In Berlin wurde eine Debatte über Enteignungen von Wohnungsbaugesellschaften gestartet. Auch in unserer Community wurde heftig diskutiert. Inwieweit können Sie die Debatte nachvollziehen?

Max Otte: Die Ungleichheit ist in den letzten Jahrzehnten explodiert. Wir hatten auch aufgrund der Niedrigzinsen eine massive Asset Price Inflation, während die Löhne und Gehälter stagnierten und die Mieten in den Städten explodieren. Mit einem normalen Einkommen kann man es sich fast nicht mehr leisten, in der Stadt zu leben. Es ist verständlich, dass die Leute da rebellieren. HIER gehts weiter zur nächsten Seite des Interviews - Seite 2

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