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Alibaba und Tencent – jetzt noch einsteigen?

Gastautor: Daniel Saurenz
18.04.2019, 10:28  |  446   |   |   

asien_emergingmarketsIn den 80er Jahren pilgerten westliche Industriemanager nach Japan, um dort das vermeintliche Konjunkturwunder zu bestaunen und es dann in den Heimatländern zu kopieren. Doch basierte Japans Wirtschaftssause nur auf einem zinsgünstigen Schneeballsystem. Ende der 80er Jahre platzte die Seifenblase und das Land zahlt bis heute für seinen Super-GAU mit den drei Übers: Überschuldung, Überteuerung und Überalterung. Aus dem früheren Mythos Japan ist heute ein mahnendes Beispiel geworden. Wir stellen den spannenden Beitrag von Robert Halver für die Südseiten der Börse München vor. 

China ist weiterhin sehr spannend und die Märkte bieten große Chancen, aber natürlich auch Risiken. Nicht zuletzt deshalb weisen wir stets auf die Angebote im Derivatebereich auf Tencent (Turbo Bull WKN MF8329 von Morgan Stanley) und Alibaba (Turbo Bull DC1DZK der Deutschen Bank) hin.

Das Reich der Mitte ist zu schnell gewachsen

Anfang der 90er Jahre hat alles angefangen. Zuerst wurde China zur billigsten Drehbank der Welt, dann zur Export- und anschließend so dynamisch wie kein anderes Land zuvor zum Industrie- und Hightech-Land. Aber ist in China tatsächlich alles Gold, was wirtschaftlich glänzt? Kann eine Volkswirtschaft wirklich 30 Jahre lang zwischen sechs und über 10 Prozent wachsen, ohne dafür einen hohen Preis zu bezahlen. Nicht umsonst sprach der deutsche Wirtschaftsminister Ludwig Erhard vom „Maßhalten“, damit sich die deutsche Nachkriegswirtschaft nicht überhitzt.Für seine Geschwindigkeit beim Aufschwung bezahlt China zunächst mit einer unglaublichen Umweltverschmutzung und Städten im Dauersmog, nicht im Nebel wie San Francisco. Hinzu kommt Chinas Gesamtverschuldung, der gegenüber Japan schon fast als Hort der Finanzstabilität gilt. Daneben gibt es viele Schattenbanken und Zombie-Staatsunternehmen, die künstlich am Leben gehalten werden, um Menschen in Lohn und Brot zu halten. Denn nichts fürchtet Peking mehr als soziale Unruhen von massenhaft Desillusionierten. Vor diesem Hintergrund kann sich Marktwirtschaft, bei der produktives Sterben verlustbringender Firmen oder ganzer Branchen stattfindet, nur verhalten entwickeln. 

China ist in der schnöden Wirtschaftsrealität eines Industrielandes angekommen

Ohnehin zeigen sich auf der Straße des chinesischen Aufschwungs mittlerweile Schlaglöcher. Die Wunderjahre der wirtschaftlich problemlosen Kinderzeit sind vorbei. China befindet sich in der Pubertät. Die Produktion im asiatischen Hinterland ist inzwischen vielfach günstiger als in China. Viele Industriefirmen haben rübergemacht. Als Schwellenland ist es eben einfach, über Billiglöhne Exportweltmeister zu werden. Als Industrieland jedoch eine stabile Binnenkonjunktur bei Beschäftigungsproblemen und zuschlagender Inflation zu erhalten, ist viel schwieriger. Dieses Schicksal ist nicht spezifisch chinesisch, sondern alle früheren Schwellenländer haben es erlitten.Und so wundert es nicht, dass die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe auf eine Schrumpfung der chinesischen Industrie hindeutet. Auch die Dienstleistungsbranche glänzt weniger.. 
Grafik 1: Chinesische Frühindikatoren in Industrie- und Dienstleistungsgewerbe
 

Trump hat Chinas Wirtschaftsschwäche gewittert wie ein Fuchs seine Beute

In diese Kerbe der wirtschaftlichen „Verwundbarkeit“ schlägt US-Präsident „Thor“ Trump mit Freude und Schmackes, konkret mit dem Zollhammer. Die US-Importzölle haben Export-China nicht nur direkt, sondern über die handelsseitig eingetrübte Weltwirtschaftsstimmung ebenfalls indirekt zugesetzt. Die Gegenzölle haben zwar auch den Absatz von amerikanischen Smartphones und Autos sowie von Weizen, Mais und Soja aus dem Mittleren Westen geschwächt. Doch im Vergleich hat der Exportweltmeister China gegenüber dem handelsdefizitären Amerika mehr zu verlieren.Sicherlich ist zu erwarten, dass in den nächsten Wochen ein Handels-Deal zwischen den USA und China zustande kommt. Doch wird China den USA u.a. in puncto Marktöffnung, Beteiligungen an chinesischen Unternehmen und deutlichen Importerleichterungen weit entgegenkommen müssen. 

Auf dem Mist des transatlantischen Handelsstreits erblüht auch nicht automatisch eine eurasische Freundschaft. Zwar leidet Brüssel unter den abgekühlten Handelsbeziehungen zu Amerika. Doch weiß Europa umgekehrt auch, dass China bei der Verteidigung seiner Handelsinteressen nicht immer nur ein freundlicher Pandabär ist. Insgeheim freut sich Europa über die harte Gangart Trumps gegenüber China. Denn was Amerika über ein Handelsabkommen mit China erreicht, dürfte auch früher oder später zum Standard im Handel zwischen Europa und China werden. Insgesamt steht Europa für ein reines Bratkartoffelverhältnis mit China wohl kaum zur Verfügung.

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