Anstieg der Aktienkurse ist fundamental begründet, aber ausgereizt - Seite 2
Der Euro STOXX 50 stand Anfang September mit einem KGV von 13,0 bei rund 3.300 Punkten. Jetzt sind es rund 3.500 Zähler und das KGV liegt bei 13,5. Schaut man auf die Entwicklung der Auftragseingänge und der Produktion in der Eurozone, dann ist auch dieser Kurs-und Bewertungsaufschlag nicht gerechtfertigt. Das weitere Wachstums- und damit das Kurspotential dürften daher begrenzt sein.
Aktienindizes haben ein kritisches Kursniveau erreicht
Noch kritischer ist die Situation in den USA. Denn dort haben wir es aktuell ja mit Blick auf die laufende Bilanzsaison sogar unter dem Strich mit sinkenden Unternehmensgewinnen zu tun. Für das Gesamtjahr 2019 wird zwar ein leichtes Gewinnwachstum erwartet, doch dürfte sich dieses im einstelligen Bereich bewegen.
Angesichts der 2018 besonders stark gestiegenen Unternehmensgewinne (die der Steuerreform in den USA zu verdanken waren), ist ein prozentual einstelliges Gewinnwachstum in 2019 immer noch ein gutes Ergebnis. Doch auch das KGV des S&P 500 liegt mit aktuell 16,9 leicht oberhalb des Niveaus von Anfang September 2018. Und damals hatte der S&P 500 nur wenig später – am 21.09.2018 (siehe vertikale Linie im folgenden Chart) – bei 2.941 Punkten ein Allzeithoch markiert und war dann um 20 % auf 2.346 Punkte eingebrochen. Keine guten Aussichten also, wenn man bedenkt, dass der S&P 500 gerade wieder exakt das Kursniveau von damals erreicht hat (gelber Kreis).
Vorgestern hat der S&P 500 nach dem Nasdaq 100 ebenfalls ein neues Allzeithoch erreicht. Obwohl dies für die Bullen natürlich grundsätzlich eine positive Entwicklung ist, sehe ich darin keineswegs einen Grund, in Jubelstürme auszubrechen. Denn das neue historische Verlaufshoch liegt mit 2949,52 Punkten lediglich um 8,61 Zählern über dem bisherigen Allzeithoch. Und am Sitzungsende konnte der Index mit 2943,03 Punkten nur ganz knapp einen neuen Schlussrekord aufstellen.
Aufwärtstrend scheint weiterhin zu ermüden
Obwohl der S&P 500 in den Tagen zuvor auch schon die abgeflachte Aufwärtslinie (blau) überwinden konnte, ist dadurch also nicht gerade mehr Dynamik aufgekommen. Und so bleibt die aktuelle Situation angesichts der längst deutlich überkauften Lage fragil. Es ist einfach zu erwarten, dass das ehemalige Allzeithoch aus den oben genannten Gründen nicht schon im aktuellen Anlauf nachhaltig überwunden werden kann.

