Altersrente aus Aktien -Sparen, wenn sich der Staat am Kursrisiko beteiligt

Gastautor: Dr. Viktor Heese
06.05.2019, 11:13  |  4611   |   |   

Auch bei einer DAX-Rendite von 8% ungenutzte Chancen der Aktienanlage

Trotz vieler Baissen erzielte der DAX in 1988-2018 etwa 8% Jahresrendite. Ein Anleger, der monatlich 100€ in Aktien investiert hätte, könnte heute auf 140.000 € zurückblicken. Verteilt er dieses Kapital auf 15 Jahre seiner Restlebenszeit, könnte er sein Altersruhegeld um 800 € monatlich aufbessern. Das sind die Zahlen.

Quelle: onvista, Heese

Während Amerikaner, Briten, Schweizer oder Japaner mit einer Aktienquote von über 20% die Börse als "Einkommensquelle" nutzen, sind die Deutschen mit 6% sture "Aktienmuffel". Die Teutonen investieren gerne in phantasielose renditeschwache Anlagen, wie ETFs, Lebensversicherungen, Sparbücher oder Bausparverträge. Damit sparen sie sich aber „arm“. Nicht nur die Michels sind risikoscheu. Auch deutsche Lebensversicherer weisen einstellige Aktienquoten aus und sind (waren) britischen Konkurrenten haushoch unterlegen. Als die kapitalstarke Assekuranz 2000-2002 wagte die Aktienquoten aufzustocken, geriet sie in eine weltweite Börsenbaisse. Nur dank Abschreibungstricks und "stillen Lasten" gelang es, sie zu retten. 

Gründe der Aktienaversion seit Jahrzehnten bekannt – es passiert nichts

Das Assekuranz-Beispiel zeigt, dass die Aktienaversion in mangelnder Aktienerfahrung liegt. Diese beginnt mit fehlendem Wissen über Kapitalmärkte und der Funktionsweise der Börse. Das Unwissen fand seine Bestätigung im Crash des Neuen Marktes (2000-2002) und endet heute im Flopp der Riester-Aktienpläne. 

Zum Unwissen gesellt sich das Misstrauen in die Banken. Die Institute verkaufen lieber gebührenträchtige, aber renditeschwache Produkte als Aktien an denen sie kaum verdienen. So bekommt der deutsche Säugling, anders als sein amerikanisches Pendant, von glücklichen Eltern statt Aktien ein Sparbuch oder ein Zertifikat in die Wiege gelegt. Auch unterlassene Risiko-Aufklärung stört. Die Einstufung der Kunden in Risikoklassen und die Verfassung von Gesprächsprotokollen helfen wenig, so wie bei den ETFs, die verschwiegen, dass es sich hier, - wie bei den Lehman-Zertifikaten, - nicht um körperliche DAX-Aktien, sondern um ein Versprechen der Emissionsbank handelt.

Zusammengefasst bleiben Aktien für den Durchschnittdeutschen zu spekulativ, zu riskant und zu kompliziert. So bleibt der Privatanleger lieber bei altbewährten Anlageverhalten und vergleicht die Top-Listen für Festgeldzinsen, die bei Jahresgeldern aktuell kaum über 1% liegen.

Totalversagen der staatlichen Aktienförderung, auch für die private Altersvorsorge

An Förderversuchen mangelte es nicht. Andauernd wurde betont, Vermögensaufbau habe für den Lebensabend allerhöchste Priorität. Vermögenswirksame Leistungen, Arbeitnehmersparzulage, Riester-Förderung, Altersvorsorgesparen oder Sparerfreibeträge sind nur wenige Beispiele. Leider erwiesen sich diese wechselnden, intransparenten Bemühungen als unwirksam. Einerseits wurde nicht richtig Geld in die Hand genommen, andererseits bevorzugten Bürger die renditeschwachen Anlagen. Im Resultat blieben die „Weltsparweltmeister“ beim Vergleich des Geldvermögens mit knapp 50.000 € (2016) auf Platz 18 weit abgeschlagen. Die Schweizer konnten mit 175.000 € mehr als das Dreifache, die Schweden noch das Doppelte erreichen. Beim Wohneigentum halfen die Fördermaßnahmen noch weniger.

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