DAX-0,65 % EUR/USD+0,25 % Gold+1,45 % Öl (Brent)-1,81 %
Marktkommentar: Stephan Rieke (Oddo BHF): Taugen Chinas Währungsreserven als Waffe?
Foto: www.assetstandard.de

Marktkommentar Stephan Rieke (Oddo BHF): Taugen Chinas Währungsreserven als Waffe?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
20.05.2019, 10:35  |  687   |   |   

China verfügt über einen immensen Schatz an Währungsreserven und – darin eingeschlossen –an amerikanischen Staatsschuldtiteln.

China: Währungsreserven als Waffen im Handelskonflikt mit den USA?

China verfügt über einen immensen Schatz an Währungsreserven und – darin eingeschlossen – beeindruckende Bestände an amerikanischen Staatsschuldtiteln. Von den derzeit rund 3,1 Bio. US$ an Währungsreserven werden mehr als ein Drittel, etwa 1,12 Billionen US$, in Form von US-Treasuries gehalten. Das sind gut 5% der gesamten Staatsverschuldung der USA (22,03 Bio US$) und gut 7% der marktfähigen Schulden (15,9 Bio. US$).

Wenn China und die USA säbelrasselnd aufeinandertreffen, wird immer wieder sorgenvoll gefragt, ob die chinesische Seite ihren Hort von Reserven möglicherweise als Waffe einsetzen könnte, ob also Treasuries und Dollar auf den Markt geworfen werden könnten. Derzeit erhält die Überlegung zusätzliche Aktualität durch die Zahlen des US-Finanzministeriums. Diese zeigen, dass China in den vergangenen Monaten in großem Umfang US-Staatsschuldtitel verkauft hat: Im März waren es über 20 Mrd. US$, der höchste monatliche Betrag seit rund drei Jahren. Insgesamt wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres Anleihen im Wert von rund 31 Mrd. US$ abgestoßen, seit Mitte letzten Jahres kumulieren sich die Nettoverkäufe auf 75 Mrd. US$.

Sieht man einmal davon ab, dass die Daten des US Treasury nur den Zeitraum bis März abdecken, also zeitlich vor der jüngsten Eskalation des Handelskonflikts (Erhöhung der US-Importzölle auf chinesische Waren im Wert von rund 200 Mrd. US$, Androhung weiterer „Strafzölle“ auf alle weiteren Warenimporte, Waren im Wert von rund 300 Mrd. US$) liegt, ist der Abverkauf von Treasuries durch China eine zumindest zweischneidige Waffe. Derartige Verkäufe würden zunächst den Treasury-Markt und, parallel dazu, den gesamten USD-Anleihemarkt unter Druck bringen, die Renditen würden anziehen. Vermutlich würde diese Entwicklung weltweit abstrahlen und zu einer Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen beitragen.

Dabei würde China aber eigenes Vermögen vernichten und zwar umso mehr, je mehr auch die US-Währung durch nachfolgende Dollarverkäufe der chinesischen Währungsbehörden absacken würde.

Wir können allerdings ziemlich sicher sein, dass eine solche Aktion die US-Notenbank auf den Plan rufen würde. Und ihre Taschen sind im Zweifelsfall wesentlich tiefer als die der Chinesen – wie die Finanzkrise eindrücklich bewiesen hat. Die Fed würde als Lender of Last Resort einspringend, die verschleuderten Anleihen vom Markt nehmen und Liquidität zuführen. Im Endeffekt würde wohl ein Gläubigertausch stattfinden, wobei die US-Notenbank für China als Gläubiger einspringt. China würde damit viel Geld verlieren, die USA würden ihre Schulden billig zurückkaufen können.

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Jetzt Fonds ohne Ausgabeaufschlag handeln und dauerhaft Depotgebühren bei comdirect sparen!

  • über 13.000 Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag
  • kostenlose Depotführung
  • über 450 Fonds für Sparpläne ohne Ausgabeaufschlag
  • Sonderkonditionen für Transaktionen

Sie haben bereits ein Depot bei comdirect?

Kein Problem. Ein einfacher kostenloser Vermittlerwechsel genügt und Sie können auch von den günstigen Konditionen profitieren.

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel