DAX-0,57 % EUR/USD+0,23 % Gold+1,13 % Öl (Brent)-2,91 %

Interview Sahra Wagenknecht zu Kevin Kühnert: "Zum Teil Heuchelei"

Gastautor: w:o Gastbeitrag
22.05.2019, 09:33  |  1755   |   |   

Im Interview mit DER WESTEN, siehe hier, spricht Sahra Wagenknecht über Widerstand und ihre Vision von Europa - und verrät, was sie für die Zeit plant, wenn sie nicht mehr Linken-Fraktionschefin ist.

DER WESTEN: Juso-Chef Kevin Kühnert hat eine Kollektivierung von Konzernen und eine Enteignung von Immobilienbesitzern vorgeschlagen. Ist er in der falschen Partei? Müsste er nicht in der Linkspartei sein?

Sahra Wagenknecht: Es ist doch gut, wenn auch in der SPD mal wieder darüber diskutiert wird, dass sich Dinge auch grundlegend ändern müssen. Und die Aufregung um Kühnerts Aussagen ist zum Teil Heuchelei. Erstens geht es nicht um die Enteignung privater Immobilienbesitzer, sondern um große Immobilienkonzerne, die mit steigenden Mieten Traumrenditen machen.

Und zweitens: Warum gab es nicht die gleiche Aufregung, als die Politik der letzten Jahre Enteignungen durchgesetzt hat. Die Agenda2010-Reformen, die in Deutschland einen großen Niedriglohnsektor geschaffen haben, waren eine Enteignung von Millionen Arbeitnehmern. Hartz IV enteignet Arbeitslose, egal wie lange sie vorher gearbeitet und eingezahlt haben. Oder wenn die Mieten sich in zehn Jahren verdoppeln, was ist das anderes als eine Enteignung der Mieter? Jetzt geht es darum, die Fortsetzung solcher Enteignungen zu verhindern. Und da bekommen einige plötzlich Schnappatmung.

Warum gab es Ihrer Meinung nach diese Entrüstung auch innerhalb der SPD?

Sahra Wagenknecht: Ach, früher war das normal, dass von den Jusos auch Grundsätzliches gefordert wurde. Und natürlich ist es eine berechtigte Frage, ob Wohnen ein Geschäftsmodell sein sollte, mit dem man dicke Profite machen kann, oder ob die Bereitstellung von Wohnraum nicht eher die Aufgabe öffentlicher oder gemeinnütziger Träger ist. Die Aufregung hängt auch damit zusammen, dass die SPD sich immer weniger traut, große Fragen zu stellen und auch mal große Antworten zu geben.

Hat denn die Linke die große Antwort geliefert? Die Wähler scheinen das jedenfalls noch nicht zu sehen, in Umfragen liegt die Linke vor der Europawahl zum Beispiel hinter der AfD.

Sahra Wagenknecht: Auf jeden Fall haben wir immer schon lange darauf hingewiesen, dass es ein Fehler ist, wenn existienzielle Bereiche des öffentlichen Lebens dem Markt überlassen werden. Das betrifft auch Krankenhäuser und Pflegeheime.

Es ist doch pervers, dass sich heute Hedge Fonds in Pflegeheime einkaufen, um mit der Pflege hilfsbedürftiger Menschen Reibach zu machen. Diese Fehlentwicklung hat leider auch viel mit der EU zu tun. Denn die EU hat immer Druck in Richtung Privatisierung ausgeübt.

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Einigen Punkte kann man der Sahra zustimmen. Aber eine Eteignung von großen Immobilienkonzernen trifft nicht die Konzerne sondern deren Aktionäre. Das können Menschen sein, welche direkt Aktien dieser Firmen erworben haben um für die Rente vorzusorgen. Oder Sparer die über ihre Lebensversicherung zum Beispiel Anteile an den Konzernen halten. Di Immobilienkonzerne haben marode znd in die Jahre gekommenen Wohnungen der öffentlichen Hand erworben. Diese Wohnungen wurden mit viel Geld (was nicht vom Himmel gefallen ist) modernisiert. Natürlich kosten die Wohnungen danach mehr als vorher.
100% Zustimmung---wenn man sich den Zustand in den sogenannten "Privatisierten Bereichen" anschaut

dann grauts den Hund mit samt der Hütte.!!!

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel