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Südkoreas Kapitalismus-Kontroverse Freie Marktwirtschaft oder Wohlfahrtsstaat?

Gastautor: Rainer Zitelmann
04.06.2019, 09:39  |  1472   |   |   

Beim diesjährigen Filmfestival in Cannes bekam der Südkoreaner Bong Joon-ho die begehrte „Goldene Palme“ für seine Satire „Parasite“. Der Film ist eine Anklage gegen den Kapitalismus: Eine Familie aus prekären Verhältnissen nistet sich im Anwesen einer reichen Familie ein. Doch haftet den Eindringlingen unverkennbar der Geruch von Leuten aus den unteren sozialen Schichten an. Eine Botschaft des Filmes: Die Schere zwischen Reich und Arm ist kaum zu überbrücken.

 

Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber wurde gleich als erstes in einem Interview mit dem Kulturredakteur einer angesehenen koreanischen Tageszeitung darauf angesprochen. Der Film, so meinte er, zeige, dass Arme wie Reiche durch den Kapitalismus psychisch deformiert würden. In dem Interview konfrontierte er mich mit all jenen antikapitalistischen Stereotypen, die auch in westlichen Ländern populär sind. Eines ist klar: Auch im kapitalistischen Südkorea ist die Antikapitalismus-Kritik angekommen. Namen wie den des französischen Kapitalismus-Kritikers Thomas Piketty, kennt man auch hier.

 

Im Unterschied zu Europa gibt es jedoch eine starke prokapitalistische Gegenbewegung. Daher ist das Interesse an der soeben erschienenen koreanischen Ausgabe meines Buches „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, groß. Vor allem in den sozialen Medien – und hier vor allem auf Youtube – sind die südkoreanischen Prokapitalisten aktiv. Kanäle wie „Pen & Mike“ (462.000 Abonnenten), Go-Sung-Gook TV (350.000 Abonnenten) und Sihn Ui Han Soo (733.000 Abonnenten) sind sehr populär. Manche dieser Youtube-Sendungen sind fast wie professionelle Fernsehkanäle aufgebaut.

 

Dem seit Mai 2017 regierenden Präsidenten Moon Jae-in von der Demokratischen Partei werfen die Kritiker einen antiamerikanischen Kurs vor und ein Schweigen zu den Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea. Aus Sicht von Sung-No Choi, Präsident des marktwirtschaftlichen Center for Free Enterprise, ist die regierende Demokratische Partei weit linker als die deutschen Sozialdemokraten und die britische Labour Party. Sie verfolge eindeutig eine sozialistische Politik. Allein seit 2017 seien die Sozialausgaben um 30 Prozent gestiegen.

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Das "marktwirtschaftliche" Center for Free Enterprise wird von den "Chaebols" unterstuetzt. also den grossen industriellen Konglomeraten, die ueblicherweise von Familien kontrolliert werden.

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