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Zinsentscheid EZB heizt Stimmung an

07.06.2019, 08:21  |  4383   |   |   

EZB-Chef Mario Draghi wird Ende Oktober seinen Schreibtisch räumen und bis zum Jahresende werden weitere acht der 19 nationalen Zentralbank-Gouverneure zurückgetreten sein. Vor dem Stühlerücken bleibt die EZB sich treu, denn bis Mitte 2020 sollen die Leitzinsen auf ihrem jetzigen Niveau verharren.

Ihre Entscheidung, die Zinsen auf dem aktuellen Niveau zu belassen, begründet die EZB mit einer durch Handelsstreit und Brexit erhöhten makroökonomischen Unsicherheit. Beim Blick in die Zukunft kommt der EZB folgende Vision: Das Wachstum für 2020 wird etwas skeptischer gesehen und die Inflation wird auch 2021 nicht das Ziel der EZB erreichen.

David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton, erklärt: "Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass die EZB nach wie vor eine inflationszielorientierte Zentralbank ist". Zahn weiter: "Tatsächlich liegt die fünfjährige Inflationserwartung unter dem Niveau, das sie bei der Einführung des quantitativen Lockerungsprogramms durch die EZB im März 2015 erreicht hat".

Sein Ausblick lautet: "Eine Zinserhöhung im Euroraum erwarten wir nicht vor 2022". Und weiter: "Aber solange die EZB ein inflationszielorientiertes Organ bleibt, glauben wir, dass sie weiterhin eine akkommodierende Geldpolitik verfolgen wird".

Andrew Mulliner, Portfoliomanager im  Fixed Income Team bei der  Vermögensverwaltungsgesellschaft Janus Henderson Investors, sagte: "Die heutige Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde von Investoren mit unterschiedlichen Erwartungen auf dem gesamten Markt erwartet, von hoffnungsvoll bis pessimistisch".

Und weiter: "Bei bereits negativen Zinsen und abgeschlossener QE scheint der Werkzeugkasten der EZB nahezu leer zu sein". Mulliner konstatiert: "Das heutige Treffen markiert jedoch effektiv den Beginn des Endes von Draghi's Herrschaft. Die tatsächlichen politischen Maßnahmen der EZB waren bescheiden, und die Prognosen der EZB basieren mehr auf Hoffnung als auf Erfahrung".

"Zugegeben, die Aussicht auf Zinserhöhungen in der Eurozone wurde weiter nach hinten verschoben, womit Zinsen in der Eurozone bis mindestens Mitte 2020 auf dem gegenwärtigen ultra-niedrigen Niveau verharren werden", sagte Dr. Wolfgang Bauer, Fondsmanager im Anleiheteam bei M&G Investments.

Bauer weiter: "Aber, um ehrlich zu sein, diese Ankündigung kam wenig überraschend. Der Kollaps der Rendite auf deutsche Staatsanleihen in den vergangenen Wochen signalisierte ja, dass sich die Märkte nicht um mögliche Zinserhöhungen sorgen, sondern ganz im Gegenteil eine weitere Zinssenkung als wahrscheinlicher erachten".

Johannes Müller, Head Macro-Research bei DWS, meint: "Die wichtigste Botschaft unserer Meinung nach war jedoch die Aussage, dass die EZB bereit stünde, mit allen möglichen Instrumenten zu agieren, wenn sich die Rahmenbedingungen verschlechtern sollten". Und weiter: "Von Normalisierung bleibt die EZB also weit entfernt. Im Gegenteil, die Zeichen stehen weiterhin auf Expansion".

Ausblick:

Die EZB versicherte den Märkten, dass die Zinsen mindestens 12 Monate nicht steigen würden. Einige Marktbeobachter befassen sich nun verstärkt mit der Wahrscheinlichkeit, dass die EZB die Zinsen in diesem Zeitraum senkt. Ähnliche Spekulationen gibt es über die nächsten Schritte der Fed.



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Kommentare

Da werden sich aber alle freuen!

Die Banken über die kleine Kreditmarge.
Die Sparer über die hohen Zinsen.


Und vor allem die Italiener und Co.

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