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Didier Saint-Georges: Neuer Merkantilismus bremst das Weltwirtschaftswachstum

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
14.06.2019, 09:43  |  766   |   |   
Schlaglicht auf die aktuelle Weltwirtschaftslage aus Investorensicht: Zum ersten Mal seit dreißig Jahren könnte die Geopolitik den Welthandel massiv beeinträchtigen, befürchtet Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac. Auch Europa sei momentan gleich von mehreren Seiten verwundbar.

Wie ein Drahtseilartist setzten die Aktienmärkte bis Ende April ihre Gratwanderung zwischen einer sich erholenden Wirtschaft und einer unschlüssigen geldpolitischen Unterstützung fort. Ab Mai wurden Anleger duch die Auswirkungen der immer härter werdenden Haltung der Trump-Administration in ihren Handelsgesprächen mit China wieder daran erinnert, wie zerbrechlich dieses Gleichgewicht ist.
So sind die Aktienmärkte nach einigem Hin und Her mittlerweile wieder auf die Niveaus von Ende März zurückgefallen. Die Anleihemärkte senden hingegen weiterhin das eindeutige Signal einer sich auf dem falschen Kurs befindlichen und deflationären Weltwirtschaft.
Im Moment stellt sich für die Märkte folgende, zentrale Frage: Wird ein erneutes Anziehen des weltweiten Wachstums, gestützt durch das chinesische Konjunkturprogramm, günstige Basiseffekte nach dem Einbruch von 2018, weltweit akkommodierende Geldpolitiken und die robuste amerikanische Wirtschaft, die Oberhand über die Konjunkturabschwächung in den USA gewinnen? Diese Abschwächung ist eine verspätete Folge der übermäßigen geldpolitischen Straffung im Jahr 2018, des natürlichen Fortschreitens eines lange andauernden Konjunkturzykluses und der Boomerang-Effekte einer unverkennbar merkantilistischen Handelspolitik, die jeglichen Aufschwung der Weltwirtschaft verhindert.
Unsere heutige Einschätzung ist unverändert: Der Erhalt des Gleichgewichts zwischen diesen beiden Kräften ist fragil und das Potenzial für einen eventuellen Aufschwung wird weitgehend von sowohl strukturellen (Überschuldung, geldpolitische Beschränkungen) als auch konjunkturellen (Handelsspannungen) Einschränkungen gebremst. Auf längere Sicht muss man sich fragen, welche globalen Auswirkungen die zunehmende Rivalität zwischen den USA und China haben könnte. Zum ersten Mal seit dreißig Jahren könnte die Geopolitik den Welthandel massiv beeinträchtigen.
USA gegen China: Ist Platz für zwei merkantilistische Mächte?
Es sieht so aus, als hätten die Märkte einige Zeit gebraucht, um einzuräumen, dass die jüngsten Spannungen zwischen den USA und China eher eine strategische Rivalität als einen Handelskonflikt widerspiegeln. Das Buch Death by China von Peter Navarro, einem engen Berater von Donald Trump, stammt aus dem Jahr 2011 und bringt ganz eindeutig den berühmten "Thukydides-Komplex" zum Ausdruck, den die USA heute gegenüber China empfinden (analog zur Rivalität, die Sparta im antiken Griechenland gegenüber dem zunehmenden Imperialismus Athens empfand und die zum Peloponnesischen Krieg führte).
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