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Pflegeimmobilien Deutschland als Emerging Market?

20.06.2019, 15:59  |  312   |   |   

Von Yenna Haack, Vorstand der AviaRent Invest AG

Pflege- und Seniorenimmobilien, wie etwa Einrichtungen des betreuten Wohnens - die Immobilienwirtschaft hierzulande spricht längst von etablierten Assetklassen. Im europäischen Ausland gibt es in den entsprechenden Segmenten aber eine Sättigung, die uns zeigt: Aller Dynamik zum Trotz stehen wir immer noch vergleichsweise am Anfang. Meiner Meinung nach ist das gut.

So haben die Niederlande und Belgien beispielsweise - in Relation zur Anzahl der über 80-Jährigen dort- sehr hohe Bettenkapazitäten in Pflegeheimen. Und Frankreich ist unserer Entwicklung derart voraus, dass in den kommenden Jahren ungefähr die gleiche Zahl an bestehenden Raumeinheiten bereits renoviert werden muss, die bei uns erst einmal neu zu bauen ist, um den steigenden Bedarf zu decken. Der Vorsprung drückt sich selbstverständlich auch in den Ankaufsrenditen aus: Sie liegen in Frankreich oft nur noch bei wenig mehr als vier Prozent. In Deutschland sind 5,5 Prozent durchaus noch realisierbar. Ich spreche hierbei von den risikoärmeren Zweigen der spezifischen Investmentlandschaft mit guten Standorten und solventen Betreibern.

Natürlich haben auch die heimischen Märkte für Pflegeimmobilien eine Kompression erfahren - vor zehn Jahren lagen die Ankaufsrenditen noch eher über sieben Prozent, und vor allem war das Investmentangebot damals lange nicht so knapp wie heute. Pflegeimmobilien bleiben aber ausdrücklich ein Segment, in dem Deutschland in Sachen Marktreife von vielen ausländischen institutionellen Investoren noch ein Stück weit als Emerging Market gesehen wird - und hiermit sind Chancen verbunden. Denn nach meiner Beobachtung gehen gerade besonders viele französische Anleger den Weg über die Grenze. Aber auch aus anderen kontinentaleuropäischen Ländern fließt Kapital und somit weitere Akzeptanz in die deutsche Pflegeimmobilie.

Dabei sind Investments in bereits bestehende Objekte der bevorzugte Weg. Hier ist die Bandbreite groß: Das aktuelle Angebot im Pflege- und Seniorenimmobiliensegment wird von deutschen Playern als ähnlich differenziert eingeschätzt wie beispielsweise im Hotelmarkt. Aber: Meiner Meinung nach können wir die gegenwärtige Situation nutzen, um auch Investments in Projektentwicklungen zu forcieren, sofern die regulatorischen und immobilienökonomischen Rahmenbedingungen dies zulassen. Der Überlauf an Kapital aus den Nachbarländern muss sich nicht auf bestehende Objekte beschränken. Er kann auch genutzt werden, um die Bedarfslücke zu verringern.

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