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Auf die Party folgt der Kater

Gastautor: Klaus Singer
23.06.2019, 10:36  |  3573   |   |   

EZB-Chef Draghi hat am zurückliegenden Dienstag auf einem Notenbankforum in portugiesischen Sintra gesagt, er erwarte für die kommenden Quartale eine anhaltende Wirtschaftsschwäche. Sollte sich der Wirtschaftsausblick dann nicht aufhellen, sei eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik nötig.


Ein noch tieferer Einlagenzinssatz für Banken (aktuell -0,4%) würde die ohnehin schwache Profitabilität der Euro-Banken zusätzlich belasten. Und so betonte Draghi besonders, dass es noch erheblichen Spielraum für Anleihenkäufe durch die Notenbank gibt (und dachte dabei wohl v.a. an diejenigen seines Heimatlandes Italien…). Was Wunder, dass auf die Wiederaufnahme des Anleihenaufprogramms gesetzt wird. Die Renditen von Staatsanleihen sind weltweit im Sinkflug, in einigen Ländern Europas liegen sie auf historischen Tiefs (Chartquelle).

Daraufhin trieb die Hoffnung auf weitere Liquiditätsflut die Aktienkurse aufwärts. Da konnte auch die „Konjunkturprognose Sommer 2019“ des ifo nicht mehr schocken. Darin hieß es, die deutsche Wirtschaft habe sich bereits seit Anfang letzten Jahres merklich abgekühlt, das exportorientierte verarbeitende Gewerbe befinde sich mittlerweile in einer Rezession, lediglich binnenorientierte Branchen, wie auch das Dienstleistungsgewerbe, hielten noch die Konjunkturfahne hoch. Für das laufende Jahr wird mit einer Zunahme des preisbereinigten BIP um 0,6% gerechnet. In dieselbe Kerbe schlug die Meldung hinsichtlich der ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland. Der Wert ist im Juni mit -21,1 Punkten stark eingebrochen, nach -2,1 im Vormonat. Die Konsensschätzung war mit -5,6 deutlich weniger pessimistisch.

Charttechnisch hat Draghi im DAX alles richtig gemacht. Seine Wortmeldung kam zur rechten Zeit und verhinderte, dass sich bärische Ansätze weiter entwickeln konnten. Mit einem Gewinn von zwei Prozent, dem drittbesten Tagesergebnis im laufenden Jahr, sprang er nach der Draghi-Meldung am zurückliegenden Dienstag über den Widerstand bei etwa 12300 Punkten. Der S&P 500 folgte am Nachmittag und stieg nach der Eröffnung um ein Prozent.

Einen Tag später verkündete die Fed, sie werde die Leitzinsen im Bereich von 2,25 bis 2,50% unverändert lassen. Das war auch so erwartet worden. Aber sie deutete künftige Zinssenkungen an und verwies auf Unsicherheiten im wirtschaftlichen Ausblick, sowie zunehmende Spannungen im Handelsstreit mit China. Sie werde in geeigneter Form reagieren und die hereinkommenden Informationen genau analysieren, hieß es. Das war insofern eine Änderung gegenüber früheren Statements, als dass jetzt nicht mehr von „geduldig“ beim Abwägen des künftigen geldpolitischen Kurses die Rede war. Die Fed hatte in den Wochen zuvor schon unter Dauerfeuer von US-Präsident Trump gestanden, der wiederholt zwitscherte, sie habe keine Ahnung, die Zinsen seien viel zu hoch, die Inflation sei „wunderbar“ niedrig.

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