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    taz  398  0 Kommentare Bayer bricht Transparenzversprechen zu "schwarzen Listen" von Monsanto

    Berlin (ots) - Der Pestizidhersteller Bayer hat entgegen seinen
    Versprechen nicht alle Personen informiert, die auf der "schwarzen
    Liste" mit Glyphosat-Gegnern und -Befürwortern seiner heutigen
    US-Tochterfirma Monsanto standen. Das zeigt eine Recherche der
    Tageszeitung "taz" (Freitagausgabe) bei Journalisten und Politikern,
    die nachweislich auf der französischen Variante der Liste genannt
    sind. Insgesamt 8 Betroffene teilten der taz auf Anfrage mit, dass
    sie bis Mitte der Woche keine Post zum Thema von Bayer oder einer vom
    Konzern beauftragten Anwaltskanzlei erhalten hätten.

    Zudem hat eine Umfrage der taz in Deutschland ergeben, dass
    hierzulande führende Glyphosat-Befürworter wie Ex-Agrarminister
    Christian Schmidt (CSU) und auch relevante Gegner des Pestizids
    ebenfalls keinen Hinweis von Bayer erhalten haben - obwohl es sehr
    wahrscheinlich ist, dass sie auf der Liste standen.

    Bayer hatte behauptet, bis 14. Juni seien alle rund 600
    Betroffenen in Deutschland und Frankreich per Post angeschrieben
    worden. Zuvor hatte der Konzern eingeräumt, dass die PR-Agentur
    FleishmanHillard im Auftrag von Monsanto Listen etwa über Industrie-
    und Verbandsvertreter, Politiker, Lobbyisten und Journalisten in
    Frankreich und anderen EU-Ländern angelegt habe. In Frankreich waren
    dortigen Medien zufolge 2016 rund 200 Namen teils mit Privatadresse
    und Hobbys aufgeführt. Dazu Noten von 0 bis 5, je nach Grad der
    Unterstützung für Monsanto. Das könnte gegen Datenschutzrecht und das
    französische Verbot verstoßen haben, Register oder Listen über
    Personen nach "religiöser, weltanschaulicher oder politischer
    Meinungen" anzulegen. Die Staatsanwaltschaft in Paris ermittelt.

    Ziel war es offenbar, die 2017 tatsächlich erfolgte
    Wiederzulassung von Glyphosat in der EU zu erreichen - obwohl die
    Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation den weltweit
    meistverkauften Pestizidwirkstoff 2015 als "wahrscheinlich
    krebserregend" eingestuft hatte.

    Frankreich ist das einzige betroffene Land, dessen Monsanto-Liste
    Journalisten vorliegt. Die Zeitung Le Monde schickte der taz einen
    Auszug, auf dem neben anderen die französischen Grünen-PolitikerInnen
    Michèle Rivasi, José Bové und Karima Delli genannt sind. Laut
    Stéphane Foucart, Umweltredakteur des Blattes, stehen außer ihm vier
    weitere Le-Monde-Journalisten auf der Liste.

    "Ich bin nicht kontaktiert worden", sagte Foucart am Donnerstag
    der taz. Und auch nicht seine vier Kollegen. Ähnlich äußerten sich im
    Gespräch mit der taz die Politiker Bové, Rivasi und Delli.

    Die deutsche Monsanto-Liste ist nicht öffentlich. Aber es sind
    zahlreiche Personen bekannt, die im Zulassungsverfahren für Glyphosat
    eine wichtige Rolle spielten. Doch sogar CSU-Politiker Schmidt, von
    Februar 2014 bis März 2018 Bundesagrarminister, ließ der taz am
    Donnerstag mitteilen: "Mir ist davon nichts bekannt und ich bin auch
    nicht darüber informiert worden, ob ich auf irgendwelchen Listen von
    Monsanto stehe."

    Auch der für Glyphosat zuständige Grünen-Bundestagsabgeordnete
    Harald Ebner und der agrarpolitische Sprecher der Grünen im
    EU-Parlament, Martin Häusling, erklärten, sie hätten keine positive
    Antwort von Bayer erhalten. Ähnlich der Naturschutzbund, der Bund für
    Umwelt und Naturschutz, Greenpeace, der WWF, das Umweltinstitut
    München sowie der Deutsche Bauernverband.

    Der einzige Treffer, den die taz landete, ist Matthias Miersch,
    der unter anderem für Umwelt und Landwirtschaft zuständige
    Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Die von Bayer
    beauftragte Rechtsanwaltskanzlei Sidley Austin habe ihm geschrieben,
    dass "sein Name auf der Stakeholder-Liste steht", teilte Miersch mit.
    Er habe daraufhin um eine Kopie der Informationen über ihn gebeten.
    "Bis jetzt liegt noch keine Antwort vor", so Mierschs Büro. "Ich
    finde den Vorgang bemerkenswert und bin gespannt auf weitere
    Informationen", sagte der SPD-Politiker.

    "Das angekündigte transparente Verfahren der Benachrichtigung
    funktioniert offensichtlich nicht, das ist mindestens peinlich für
    Bayer", sagte BUND-Pressesprecherin Daniela Wannemacher.

    Ein Bayer-Sprecher antwortete auf die Frage der taz, ob der
    Konzern gelogen habe: "Viele der Adressaten haben sich bereits bei
    der Kanzlei zurückgemeldet und damit den Empfang bestätigt. Sollte
    jemand wissen oder vermuten, auf den Listen zu stehen, aber noch
    keine Nachricht erhalten haben, steht es ihm/ihr frei, sich kurz bei
    uns zu melden." Man werde die Nachricht dann an Sidley Austin
    weiterleiten und eine kurzfristige Rückmeldung sicherstellen.

    jma/ksc

    Geben Sie bitte, wenn möglich, den Link zum Originaltext an:

    https://taz.de/Monsantos-Liste-mit-Glyphosat-Feinden/!5607306/

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