Gesunkene Erwartungen lassen sogar sinkende Gewinne erwarten

Gastautor: Sven Weisenhaus
29.06.2019, 09:55  |  1630   |   |   

Vorgestern hatte ich geschrieben, dass die Erwartungen von DWS Investments für das Wachstum der Unternehmensgewinne im S&P 500 im 3. Quartal 2019 auf +2 % und im 4. Quartal auf +4 % gesunken sind. Da aber zunächst noch die Berichtssaison zum 2. Quartal ansteht, stellt sich natürlich die Frage, wie die Gewinnerwartungen für diesen Zeitraum aussehen.

Es wird mit gesunkenen Gewinnen im 2. Quartal gerechnet

Kurze Antwort: noch schlechter. FactSet berichtet zum Beispiel von einem erwarteten Gewinnrückgang in Höhe von -2,6 % aus. Laut den Zahlen von FactSet ist allerdings auch für das 3. Quartal von sinkenden Gewinnen auszugehen. Das Minus soll dann bei 0,3 % liegen, womit diese Prognose noch pessimistischer als die von DWS Investments ist (+2 %).

S&P 500: Gewinnerwartungen 3. Quartal 2019

Für das 4. Quartal ist die Gewinnerwartung mit einem Wachstum von 6,7 % dagegen etwas optimistischer als bei DWS. Unter dem Strich gleichen sich die Differenzen der beiden Institutionen aber nahezu aus.

Für diese Gewinnentwicklung ist die Bewertung zu hoch

Und mit den negativen Erwartungen für das 2. Quartal bleibt es dabei, dass die Aktienmärkte derzeit nicht nur relativ hoch bewertet sind, sondern diese Bewertung angesichts der schwachen Gewinnwachstumsaussichten auch eigentlich nicht gerechtfertigt ist. Dass die Kurse dennoch so hoch stehen, kann man sicherlich mit der Geldpolitik und der Zinsentwicklung begründen. Denn insbesondere die gesunkenen Renditen am Anleihemarkt haben Aktien und deren Dividenden wieder deutlich attraktiver erscheinen lassen.

Inflation in der Eurozone weiterhin zu niedrig

Und daran wird sich wohl so schnell auch nichts ändern. Wie gestern bekanntgegeben wurde, wird die jährliche Inflationsrate der Eurozone laut einer ersten Schnellschätzung von Eurostat auch im Juni nur bei 1,2 % und damit wie schon im Vormonat relativ weit vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von ca. 2 % entfernt liegen. Da hilft es auch wenig, dass immerhin die Kernrate voraussichtlich von 0,8 % auf 1,1 % angestiegen ist.

Entwicklung der Inflation in der Eurozone

Zumal laut ebenfalls heute bekanntgegebenen Zahlen in den USA der PCE-Gesamtdeflator bei +1,5 % gegenüber dem Vorjahr liegt, nach revidiert +1,6 %, und der PCE-Kerndeflator eine Jahresrate von unverändert +1,6 % aufweist. Damit verweilt der für die US-Notenbank relevante PCE-Kerndeflator unterhalb des Fed-Ziels von ebenfalls 2 %. Die Zinssenkungserwartungen dürften daher erhalten bleiben – und damit der Vorteil für Aktien.

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