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Interview Wolfgang Bläsi: "Mit dem Emissionserlös aus der neuen Anleihe werden wir unseren Wettbewerbsvorsprung weiter ausbauen"

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Gastautor: IR-Nachrichten
03.07.2019, 07:38  |  1168   |   

Bei der Ekosem-Agrar AG, größter Rohmilchproduzent Russlands und Europas, ist Ende letzter Woche die Zeichnungsfrist für ihre mittlerweile dritte Anleihe im Volumen von bis zu 100 Mio. Euro inklusive Umtauschangebot für die erste Ekosem-Anleihe 2012/2021 (50 Mio. Euro) gestartet. Mit Wolfgang Bläsi, CFO der Ekosem-Agrar AG, sprechen wir über die Transaktion und die Entwicklung des Unternehmens seit Begebung der ersten Unternehmensanleihe im Jahr 2012.

Stellen Sie doch bitte zunächst kurz das Geschäftsmodell der Ekosem-Agrar AG vor.
Wolfgang Bläsi: Wir sind heute der größte Rohmilchproduzent in Russland und Europa und eines der größten russischen Agrarunternehmen; bei Rohmilch gehören wir zu den TOP 5 weltweit. Unser vertikal integriertes Geschäftsmodell ermöglicht es uns, auf über 550.000 Hektar das Futter für unsere Herde, die mittlerweile aus mehr als 160.000 Rindern, davon ca. 80.000 Milchkühen besteht, selbst zu produzieren. Seit mittlerweile drei Jahren beschäftigen wir uns auch intensiver mit der Verarbeitung unserer eigenen Rohmilch. Ende letzten Jahres haben wir dann unsere eigene Marke für Milchprodukte, EkoNiva, im russischen Markt eingeführt, die mittlerweile in vielen namhaften großen Supermarktketten verfügbar ist.

Welche Besonderheiten kennzeichnen den Milchmarkt in Russland?
Wolfgang Bläsi: Die Milchwirtschaft ist einer der Schlüsselsektoren und wird von der russischen Regierung mit dem Ziel der Selbstversorgung seit einigen Jahren verstärkt unterstützt. Das gilt insbesondere für große Agroholdings wie Ekosem-Agrar. Dennoch ist der heimische Milchmarkt weiterhin strukturell unterversorgt, sodass im letzten Jahr noch mehr als 6 Mio. Tonnen Rohmilchäquivalent importiert werden mussten. Von diesen positiven Rahmenbedingungen profitieren wir als größter Hersteller im Land besonders stark.

Inwiefern hat sich die Ekosem-Agrar im Vergleich zur ersten Anleiheemission im Jahr 2012 weiterentwickelt?
Wolfgang Bläsi: Als wir vor 7 Jahren mit unserer ersten Anleihe an der Börse Stuttgart gestartet sind, waren wir noch ein unbekannter mittelständischer Milchproduzent und haben am Tag knapp 90.000 Euro Umsatz mit unserer Milch gemacht. Heute erwirtschaften wir bald 1 Mio. Euro mit Rohmilch pro Tag – konnten unseren Milchumsatz also verzehnfachen. Um unsere stark wachsende Herde weiterhin selbst zu ernähren, haben wir auch unsere Nutzfläche weiter ausgebaut, auf mittlerweile über 550.000 Hektar. Zum Vergleich, das ist eine Fläche von mehr als der doppelten Größe des Saarlands (257.000 Hektar).

Warum möchten Sie nun eine weitere Anleihe begeben?
Wolfgang Bläsi: Mit der neuen Unternehmensanleihe sichern wir uns weiterhin den Zugang zum deutschen Kapitalmarkt. Hier haben wir uns als verlässlicher Akteur etabliert und eine starke Investorenbasis aufgebaut. Die frischen Mittel fließen in Investitionen insbesondere zum Aufbau der Agrarflächen. Darüber hinaus bieten wir – auch in Verbindung mit dem Umtauschangebot für die Anleihe 2012/2021 – unseren Investoren weiterhin eine attraktive Verzinsung, verbessern unser Laufzeitenprofil und kümmern uns frühzeitig um die Refinanzierung unserer ersten Anleihe.

Mit welchen Konditionen ist die neue Anleihe der Ekosem-Agrar AG versehen?
Wolfgang Bläsi: Unsere Anleihe 2019/2024 hat eine Laufzeit von 5 Jahren und ist mit einem festen jährlichen Zinssatz von 7,5 % ausgestattet. Insgesamt wollen wir bis zu 100 Mio. Euro – davon maximal 50 Mio. Euro aus dem Umtausch der alten Anleihe 2012/2021 – einnehmen.

Wo und bis wann kann Ihre Anleihe gezeichnet und Umtauschangebote abgegeben werden?
Wolfgang Bläsi: Das öffentliche Angebot in Deutschland und Luxemburg für die neue Anleihe 2019/2024 ebenso wie die Frist für das Umtauschangebot der Anleihe 2012/2021 läuft voraussichtlich noch bis zum 26. Juli 2019. Für die Zeichnung müssen Anleger innerhalb dieses Zeitraums ein Kaufangebot bei ihrer Depotbank abgeben. Für den Umtausch werden alle bestehenden Investoren der Anleihe 2012/2021 von ihrer Depotbank angeschrieben und erhalten so die Unterlagen, die für den Umtausch benötigt werden.

Wie werden Sie den Emissionserlös einsetzen?
Wolfgang Bläsi: Die Finanzmittel aus der Anleiheemission werden wir für die Finanzierung landwirtschaftlicher Flächen und von Agrarbetrieben verwenden. Damit bauen wir unseren Wettbewerbsvorsprung unter den derzeit positiven Rahmenbedingungen weiter aus.

Was ist Ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr? Und welche Ziele verfolgen Sie in den kommenden Jahren?
Wolfgang Bläsi: Wir befinden uns derzeit weiterhin auf einem starken Wachstumskurs und profitieren beim Bau neuer Milchviehanlagen von den Zuschüssen und Subventionen der russischen Regierung. Für das laufende Jahr gehen wir daher davon aus, dass unsere Milchkuhherde die Marke von 100.000 Tieren zum Jahresende überschreiten wird und wir eine Milchleistung von 800.000 Tonnen erreichen werden. Auf Basis dieser Entwicklung erwarten wir einen Umsatz in Höhe von 380 bis 410 Mio. Euro.
Unter der Voraussetzung, dass die branchenseitigen Rahmenbedingungen stabil und die staatliche Förderung bestehen bleiben, werden wir unser Wachstum auch in den nächsten Jahren weiter fortsetzen – mit dem mittelfristigen Ziel, der weltweit größte Milchproduzent zu werden. Außerdem wollen wir parallel insbesondere auch in der Milchverarbeitung zu den beiden Marktführern in Russland aufschließen. Hierbei arbeiten wir intensiv an der Erschließung von Exportmärkten in Asien, allen voran China.

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