Osram: Spannende Konstellation! - Dt. Bank: Wie geht es nach dem Paukenschlag weiter?

Gastautor: Armin Brack M.A.
08.07.2019, 19:13  |  2049   |   |   

Die Finanzinvestoren Bain und Carlyle bieten mehr als drei Milliarden Euro für den Lichtkonzern. Eine entsprechende Investorenvereinbarung wurde bereits ausgehandelt. Aufsichtsrat und Management sprachen sich für eine Annahme des Angebots aus. Das verwundert auch deshalb nicht, weil die Finanzinvestoren mit dem bestehenden Management weiter arbeiten möchten.

Nun müssen "nur" noch die Aktionäre nachziehen. 70 Prozent der Eigentümer müssen das Angebot in Höhe von 35 Euro je Aktie annehmen. Das Wirtschaftsmagazin Capital geht hart mit Osram ins Gericht und spricht von einem Managementversagen, von einer toxischen Mischung aus überhöhten Erwartungen, vermeidbaren Fehlern und zu vielen Umbauten in zu kurzer Zeit. Dabei hatte Capital den Osram-CEO Olaf Berlien damals selbst noch mit der Titelstory "Der Mann, der Osram anknipste" gefeiert.

Der Kurs war seither von in der Spitze knapp 80 Euro auf unter 25 Euro im Tief zusammengesackt. Durch das Übernahmeangebot zu 35 Euro macht der Kurs nun zumindest die Verluste seit Jahresanfang wieder wett. Aber ist hier noch mehr drin? Die aktuelle Notierung von 33,15 Euro zeugt eher vom Gegenteil.

Das liegt daran, dass bisher unsicher ist, ob das Angebot wirklich angenommen werden wird. Rund zwei Drittel Aktien befinden sich im Streubesitz, sind also unter sehr vielen kleinen Aktionären verteilt. Diese werden überwiegend auf hohen Verlusten sitzen und daher eventuell zögern das Angebot anzunehmen.

Die Finanzinvestoren selber haben versprochen, "wesentliche Unternehmensbereiche zu erhalten" und "bestehende Vertriebsvereinbarungen, Tarifverträge und ähnliche Vereinbarungen ebenso wie die bestehenden Pensionspläne" unverändert zu lassen. Deshalb werden sich auch die Gewerkschaften nicht gegen die Übernahme stemmen.

Die Konstellation ist durchaus spannend. Leerverkäufer haben am Tag des Bekanntwerdens der Übernahme ihre Positionen sogar noch ausgebaut. Offenbar zweifeln auch diese am Zustandekommen des Deals. Gegebenenfalls würde dann ein Rücksetzer in Richtung 29 Euro drohen, dem Kursniveau vor Übernahme. Das würde dann immerhin Kursverlusten von 12 Prozent entsprechen, während nach oben bis 35 Euro nur sechs Prozent drin sind. Ein schlechter Deal also?

Ich bin mir da nicht so sicher. Osram ist in Teilbereichen Weltmarktführer für Lichtquellen und -systeme für Front-, Rück-, Signal- und Innenbeleuchtung sowie Sensorik. Bei LED-Chips ist man immerhin die Nummer zwei hinter den Japanern Nichia. Im Herbst 2017 haben die Münchener eine hochmoderne Produktionsstätte für diese LED-Chips in Malaysia eröffnet. Der Markt ist hier hochzyklisch. Sobald die Nachfrage wieder anspricht kann Osram seine exzellente Positionierung nutzen. Umgekehrt wurde das klassische Lampengeschäft nach China verkauft und die defizitäre Leuchtensparte Siteco an Finanzinvestoren.

Das war grundsätzlich die richtige Vorgehensweise, nur bei der Ausgestaltung der Neuausrichtung haperte es eben. Osram war selber erst vor sechs Jahren von Siemens abgespalten worden. Teilweise hatte Osram einfach auch Pech beim Timing. Rund die Hälfte aller Umsätze werden mit der Automobilindustrie erzielt und dort läuft es momentan branchenweit miserabel. Zuletzt hatte ja Daimler gewarnt.

*Dieser Text ist ein Auszug aus meinem kostenfreien Geldanlage-Report.*

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Ihr
Armin Brack
Chefredakteur Geldanlage-Report
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Disclaimer

Osram: Spannende Konstellation! - Dt. Bank: Wie geht es nach dem Paukenschlag weiter? Lieber Geldanleger, Bayer könnte möglicherweise in naher Zukunft aufgespalten werden in eine Pharma- und eine Agrochemie-Sparte. Für uns als Anleger ist natürlich interessant, welchen Unternehmen bzw. Aktien es noch so gehen könnte. Ein Kandidat ist die Deutsche Bank, die sich jetzt quasi selber zerschlagen will. Bei Osram wird ebenfalls eine "Filetierung" befürchtet. Auf den ersten Blick scheint die Messe dort kursmäßig bereits gelesen. Auf den zweiten Blick aber könnte sich eine Einstiegschance ergeben.