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Darum ist die Charttechnik der Fundamentalanalyse meilenweit voraus

Gastautor: Sven Weisenhaus
12.07.2019, 09:32  |  1058   |   |   

Es ist manchmal verblüffend, wie oft fundamentale Entwicklungen bereits früh in den Charts zu erkennen ist. Nachdem ich in der Börse-Intern vom Dienstag erst über die trüben Gewinnaussichten von BASF, der Deutschen Bank und Deutz geschrieben habe, folgten vorgestern Abend (MESZ) der Abfüllanlagenbauer Krones und der Elektro-Maschinenbauer Aumann mit den nächsten Gewinnwarnungen. Blickt man auf die Charts, lässt sich erkennen, dass diese Entwicklungen von den Anlegern teilweise schon eingepreist wurden.

Gewinnwarnung und Kurseinbruch bei Aumann und Krones

Das Bild bei Aumann ähnelt schon sehr den Kursverläufen von BASF und der Deutschen Bank, die ich in der Börse-Intern von Dienstag präsentiert hatte – insbesondere beim Kurseinbruch nach der aktuellen Unternehmensmeldung (siehe rote Ellipse im folgenden Chart).

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Aumann - Kurseinbruch nach Gewinnwarnung

Aber auch Krones kann da locker mithalten:

Krones - Kurseinbruch nach Gewinnwarnung

Die Kurseinbrüche sind nach den aktuellen Gewinnwarnungen völlig plausibel. Doch dabei muss man wohl die folgende Frage stellen:

Warum kamen die Gewinnwarnungen erst jetzt?

Wenn doch die Frühindikatoren (Einkaufsmanagerindizes, ifo Geschäftsklima, Auftragseingänge, etc.) schon längst einen Einbruch in der Nachfrage und in der Produktion angedeutet hatten und einige Anleger der hier genannten Unternehmen eine solche Entwicklung bereits erwartet und die Aktie daher bereits verkauften hatten, warum kamen die Gewinnwarnungen dann erst jetzt auf den Tisch?

Haben die Unternehmenslenker etwa erst vorgestern die aktuellen Zahlen erhalten und die ganze Zeit nichts geahnt? Das würde nicht für ihre Qualifikation sprechen. Oder sind plötzlich große Aufträge weggebrochen? Dann hätte man das bereits zeitnah kommunizieren können. Bei Krones wurde die Gewinnprognose um 50 % gekürzt. Ein derartiger Einschnitt kann kaum von einem auf den anderen Tag offensichtlich geworden sein. Ebenso die plötzliche Erkenntnis von Aumann, wo man nun von einem Umsatzeinbruch in Höhe 17 % ausgeht, während bis vorgestern noch ein leichter Anstieg erwartet wurde.

Sind also einige Aktionäre besser informiert als die Firmenlenker? Schließlich konnten sie die Unternehmensentwicklung längst korrekt einschätzen, sogar ohne einen direkten Einblick in nicht öffentliche Dokumente gehabt zu haben.

Der Kapitalmarkt muss früher informiert werden!

Die Dummen sind diejenigen Aktionäre, die sich auf die bisherigen Prognosen von Unternehmensseite verlassen hatten und jetzt plötzlich kalt erwischt wurden. Ich bin zwar von den gestern genannten Gewinnwarnungen nicht betroffen, aber sie ärgern mich dennoch. Und ich halte eine Reform der Investors Relations-Kommunikation für dringend nötig. Denn in der heutigen, schnellen und digitalen Welt muss ein Anleger frühzeitigere Information über den Geschäftsverlauf erhalten können. Das Vertrauen in den Aktienmarkt ist hierzulande sowieso schon nicht gerade hoch. Und solche Entwicklungen, wie sie sich in den Charts oben zeigen, zerstören noch mehr der bereits kaum vorhandenen Aktienkultur in Deutschland.

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