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Interview Jim Cielinski: "Wir stehen an einem geldpolitischen Wendepunkt"

Gastautor: w:o Gastbeitrag
23.07.2019, 12:02  |  2100   |   |   

Jim Cielinski, Global Head of Fixed Income bei Janus Henderson Investors, erläutert, wie er die jüngste Abschwächung des globalen Wachstums sieht, und erörtert mögliche nächste Schritte der Notenbanken.

 

Zeugt die jüngste Abschwächung der Weltwirtschaft davon, dass die Globalisierung an Dynamik verliert?

 

Zum Teil spiegelt sich in dem schwächeren globalen Wachstum ein abnehmendes Tempo der Globalisierung wider. Wir sollten uns jedoch vergegenwärtigen, dass diese Entwicklung schon deutlich zu erkennen war, noch bevor der Handelsstreit voll entbrannte. In den vergangenen 18 Monaten ging es außerhalb der USA die meiste Zeit wirtschaftlich abwärts – in China, Europa, aber auch in den Schwellenländern zeichneten die Konjunkturdaten durchweg ein trübes Bild. Ein Abschwung ist sicher nichts Neues, und man sollte auch den zusätzlichen Bremseffekt durch den Handelsstreit als Grund nicht überbewerten.

 

Meiner Ansicht nach werden die kurzfristigen Folgen des Außenhandels für die Konjunkturentwicklung überschätzt. Zweitrundeneffekte wie steigende Kosten, Investitionsausfälle und langfristige Unterbrechungen von Lieferketten, die besonders bei einer weiteren Verschärfung der Handelsspannungen an Bedeutung gewinnen würden, werden dagegen unterbewertet. Ein regelrechter Handelskrieg stellt ein erhebliches Risiko dar, doch wichtig ist auch, dass

Globalisierung ein viel breiteres Phänomen ist, das weit über bloße Handelsbeziehungen hinausgeht. Die demografische Entwicklung, eine niedrige Produktivität und der technologische Wandel sind alles Faktoren, die maßgeblichen Einfluss auf das wirtschaftliche Umfeld haben. Durch diese langfristigen Trends sind die Bedingungen entstanden – insbesondere ein wachstumsschwaches Umfeld mit geringer Inflation –, an denen sich die Zinsmärkte und die Geldpolitik nun zu orientieren haben.

 

Gesteht die US-Notenbank mit dem Umschwenken auf einen expansiveren Kurs eigene Fehler ein?

 

Die Federal Reserve (Fed) hat wie andere internationale Notenbanken ihren Kurs geändert und verfolgt nun wieder eine lockerere Geldpolitik. Vorangegangen war eine Zinserhöhungsphase im letzten Teil des Jahres 2018. Gemessen an den wirtschaftlichen Fundamentaldaten haben sich die Erwartungen an die Geldpolitik in den letzten sechs Monaten so dramatisch verändert wie selten zuvor. Um aber die Frage zu beantworten: Nein, ich glaube nicht, dass die Fed demnächst eingestehen wird, einen Fehler begangen zu haben. Aus Sicht der Mitglieder des Offenmarktausschusses gab es angesichts der Vollbeschäftigung in den USA gute Gründe, über den Inflationsdruck besorgt zu sein – nun ließe sich argumentieren, der Handelsstreit sei eben dazwischengekommen. Dies mag zutreffen oder auch nicht, die Fed hat damit jedenfalls einen guten Vorwand, um schnell wieder von ihrem restriktiven Kurs abzurücken.

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