Marktkommentar: Franck Dixmier (Allianz GI): Zur EZB-Sitzung am 25. Juli 2019
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Marktkommentar Franck Dixmier (Allianz GI): Zur EZB-Sitzung am 25. Juli 2019

Nachrichtenquelle: Asset Standard
24.07.2019, 08:05  |  1166   |   |   

Die Zentralbank ist bereit, alle Maßnahmen zur Unterstützung des Wachstums zu ergreifen und sich dem Inflationsziel anzunähern.

Die EZB geht in Position

  • Auf der Sitzung am 25. Juli wird die Bestätigung der Aussagen von Mario Draghi in Sintra erwartet: Die Zentralbank ist bereit, alle Maßnahmen zur Unterstützung des Wachstums zu ergreifen und sich dem Inflationsziel anzunähern. Sie wird voraussichtlich weitere Forward Guidance geben
  • Konkrete Maßnahmen dürften erst im September angekündigt werden. Wir erwarten Zinssenkungen und ein neues Asset-Kaufprogramm Ende des Jahres
  • Die Märkte dürften die neue Forward Guidance begrüßen und die Zinsen weiter auf extrem niedrigem Niveau verankern
  • Die EZB befindet sich in einen subtilen Währungskrieg

Die Rede von Mario Draghi auf dem Forum der Europäischen Zentralbank in Sintra, Portugal, am 18. Juni war ein wichtiger Wendepunkt in der Geldpolitik der Eurozone. Der Präsident der EZB erklärte deutlich, dass die Bank bereit ist, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Wachstum zu stützen und sich dem Inflationsziel von 2% anzunähern. Diese Aussagen hatten eine Erholung der Märkte, einer Abflachung der Zinskurve und einer Verengung der Peripherie- und Credit-Spreads zur Folge.

Der Kontext hat sich kaum geändert:

  • Die wirtschaftlichen Spannungen nehmen weiter zu
  • Das Risiko eines harten Brexits wird immer wahrscheinlicher
  • Die Inflation bleibt niedrig: Trotz einer leichten Erholung der Kerninflation im Juni auf 1,1% yoy gegenüber einem Tiefpunkt im Mai sollte sie sich in den kommenden Monaten um 1% bewegen
  • Das Wachstum verlangsamte sich im zweiten Quartal
  • Die Inflationserwartungen bleiben niedrig

Mit der erwarteten Bestätigung der EZB wird die Sitzung vom 25. Juli wichtig zur Vorbereitung konkreter Maßnahmen: In unserem Szenario gehen wir von einer Zinssenkung um 10 Basispunkte im September und einem neuen Wertpapierkaufprogramm zum Jahresende aus. Die Anfang des Jahres diskutierte Einführung einer mehrstufigen Einlagenfazilität könnte wieder auf die Agenda kommen. Da die Rentabilität der Banken der Eurozone durch eine tatsächliche Steuer auf ihre überschüssigen Reserven beeinträchtigt wird, könnte eine mehrstufige Einlagefazilität ähnlich wie in der Schweiz, Japan, Dänemark und Schweden eine praktikable Option sein. Im Rahmen dieses Systems würde die Besteuerung der Überschussreserven ab einem für jedes Institut definierten Schwellenwert ausgelöst.

Interessant ist auch die Frage, ob die neuen Maßnahmen im EZB-Rat einstimmig beschlossen werden. Mögliche Meinungsverschiedenheiten könnten die Deutlichkeit der Botschaft  schmälern. Der angekündigte Führungswechsels in der EZB mit der Ernennung von Christine Lagarde an der Spitze beeinträchtigt den eingeschlagenen Weg sicherlich nicht.

Wir gehen davon aus, dass das Treffen am 25. Juli wenig Einfluss auf die Investoren haben wird. Auch wenn fast die Hälfte der Marktteilnehmer Zinssenkungen um 10 Basispunkte im Juli und um 15 Basispunkte bis zum Jahresende erwartet - und daher von der Beibehaltung des Status quo durch die EZB enttäuscht sein könnte -, sollte die offizielle Bestätigung einer noch expansiveren Geldpolitik positiv aufgenommen werden und die Zinsen auf extrem niedrigem Niveau verankern.

Allerdings bleibt zu erwähnen, dass sich die EZB in einem subtilen Währungskrieg befindet. Mario Draghi hat zwar in Sintra bestritten, dass die Auswirkungen der erwarteten US-Zinssenkungen auf den US-Dollar die Entscheidung beeinflussen, da die EZB keine Wechselkursziele verfolgt. Aber in einer Phase der Konjunkturabschwächung und sinkender Inflation wäre eine Aufwertung des Euro nicht förderlich. Zweifellos werden die Entwicklungen der europäischen Geldpolitik die Anschuldigungen von US-Präsident Donald Trump verstärken, dass die EZB den Euro absichtlich manipuliert, um das Wachstum in der Eurozone zu unterstützen. Weitere Streitigkeiten sind damit vorprogrammiert.

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