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Kurzzeit-Kredite Russland: Leben auf Pump

05.08.2019, 10:11  |  3305   |   |   

Seit 2014 hat sich die Privatverschuldung der Russen etwa verdoppelt und erreicht im Durchschnitt 3.300 US-Dollar pro Person, so berichtet es Andrew E. Kramer für die "NYT". In erster Linie entstehen die Schulden durch Konsum, denn das monatliche Einkommen reicht oftmals nur für Miete, Essen und das Notwendigste.

Einige Ökonomen berichten, dass die Privatkredit-Industrie eine der aufstrebenden Bereiche der Finanzbranche sei. Es gibt auch warnende Stimmen, die der Meinung sind, dass die Expansion dieses Sektors nicht nachhaltig sei.

Vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerung vor der kapitalistischen Ära fast schuldenfrei war, haben viele Kreditnehmer wenig Erfahrung im Umgang mit Schulden. Zuletzt beliefen sich die Verbraucherkredite bei Banken auf 13,4 Mrd. US-Dollar - in den USA stiegen allein im April 2019 die Verbraucherkredite um 17,5 Milliarden US-Dollar. Zur Einordnung: Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt in Russland bei 9.43 US-Dollar und in den USA bei knapp 60.000 US-Dollar, siehe hier.

Elwira S. Nabiullina, die Vorsitzende der russischen Zentralbank, spielt das Problem herunter und hat doch einige regulatorische Beschränkungen für die Verlangsamung der Konsumkredite eingeführt. Die Zentralbank versucht den Markt abzukühlen, indem sie die Eigenkapitalanforderungen anhob, die vorschreiben, wie viel Geld eine Bank zurücklegen müssen, um sich gegen mögliche Ausfälle abzusichern. Darüber hinaus hat sie den Zinsbetrag, den ein Kreditgeber verlangen kann, auf ein Prozent pro Tag begrenzt - immer noch 30 Prozent pro Monat.

"Es ist völlig falsch zu denken, dass wir bereits jetzt Risiken für die Finanzstabilität oder das Risiko einer Blase haben", sagte Nabiullina letzten Monat auf einer Wirtschaftskonferenz in St. Petersburg. Es gab aber auch andere Meinungen: Andrei Beloussow, ein Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir Putin, sagte, dass der Schuldenmarkt "überhitzt" sei. Maxim Oreschkin, Wirtschaftsminister der Russischen Föderation, warnte, dass der Anstieg der kurzfristigen Verbraucherkredite innerhalb von zwei Jahren zu einer Rezession führen könnte.

Ende 2018 gab es in Russland 2.002 Kreditgesellschaften deren Geschäftsmodell auf Kredite mit kurzen Laufzeiten beruht - so genannte Kurzzeit-Kredite. Die Laufzeit beträgt nur ein Monat und die Zinssätze ändern sich täglich. Diese Kreditform breitete sich von den Kleinstädten auf die großen Banken in den Metropolen aus. Heute bieten etablierte Banken Kredite und Kreditkarten mit schnellen Genehmigungen an. So geraten arme Russen in die Schuldenfalle: "Die Ärmsten werden die Kredite nicht zurückzahlen können", sagte Igor Kostikow, Vorsitzender der Vereinigung zum finanziellen Schutz der Konsumenten.

Haushalte mit niedrigem Einkommen geben laut Zentralbank durchschnittlich acht Prozent ihres Monatseinkommens für Schuldentilgung aus. Umfragen zeigen, dass die meisten Kreditnehmer 25 bis 35 Jahre alt sind. Die jungen Menschen haben oftmals mehr als drei Kredite bei verschiedenen Banken, so Vladimir Tikhomirov, Chefökonom bei BCS Global Markets.

Im ersten Quartal 2019 sank das Realeinkommen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent. In den drei Monaten stieg der Betrag der neu ausgegebenen unbesicherten Verbraucherkredite um 22 Prozent. Generell kommen die Verbraucherkredite in Russland der Wirtschaft zugute, da sie die Nachfrage stützen.

 

 

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