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Auf ins Umland? Warum sich der Umzug nicht nur wirtschaftlich lohnt

07.08.2019, 09:00  |  230   |   |   

Von Gastautor Rico Kallies, Regionsleiter Berlin von Bonava Deutschland

Unsere Großstädte stehen vor einem Platzproblem. Infolge des anhaltenden Zuzugs, wie er insbesondere in Berlin zu beobachten ist, verstärkt sich die räumliche Verdichtung. So beginnt eine intensive Diskussion darüber, wie die noch freien Flächen optimal genutzt werden sollten. In diesem Zusammenhang übt die Politik gerne ihr Mitspracherecht aus und bevorzugt den Bau von Mehrfamilienhäusern. Doch ist das wirklich im Interesse aller Beteiligten?

Einerseits wirkt das nachvollziehbar, weil Mehrfamilienhäuser Wohnraum für möglichst viele Menschen bereitstellen. Andererseits haben vor allem Familien den Wunsch nach einem Reihenhaus oder Einfamilienhaus mit eigenem Garten. In Berlin finden sie immer seltener einen Bauplatz dafür. Die Entscheidung, ins Umland zu ziehen, kommt deshalb für junge Menschen, Paare und Senioren immer häufiger infrage. Es ergeben sich zwei entscheidende Vorteile: Bauland ist im Umland oft günstiger als in der Stadt. Und es kann schneller gebaut werden.

Eine Studie des Analysehauses bulwiengesa benennt ausgerechnet bei Wohnungsneubauten im städtischen Raum akute zeitliche Probleme. Die Dauer der Verfahren sind demnach in jüngster Vergangenheit immer länger geworden - und das trotz steigender Nachfrage nach Wohnraum. Die Stadt Berlin benötigt bulwiengesa zufolge bis zu zwölf Jahre für Bebauungspläne. Menschen, die sich stärker auf das Umland und den ländlichen Raum konzentrieren, finden deutlich schneller in die eigenen vier Wände.

Ein Beispiel dafür ist ein Bebauungsplan für eine Siedlung aus Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Mehrfamilienhäusern in Berlins Vorort Bernau. Er benötigte nur drei Jahre. In anderen Umlandgemeinden wie in Bestensee zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Die Strukturen laufen dort gebündelter, vor allem dann, wenn sich die Gemeinde für ein Projekt einsetzt. Selbst begehrte Grundstücke in Bahnhofsnähe werden in kleineren Ortschaften von der Politik zügig für den Wohnungsbau freigegeben.

Wie die Menschen profitieren können - und was sie beachten sollten
Der kürzere Zeitraum beim Neubau im Umland ist also ein klarer Vorteil für all diejenigen, die zeitnah Wohneigentum suchen. Zudem sind dort die Grundstückspreise und somit die Gesamtkosten für eine Wohnung oder ein Eigenheim oft deutlich günstiger. Gerade für Familien sind das relevante Bausteine, allerdings nicht das einzige Argument fürs Umland.

Wichtig ist etwa die Frage nach der Umgebung. Die Menschen wünschen sich ideale Anschlussmöglichkeiten an Schnellstraßen sowie an den öffentlichen Nahverkehr - sei es ein möglichst kurzer Zeittakt der nahegelegenen S-Bahn oder eine Direktverbindung der Regionalbahn in die Innenstadt. Über die Jahre gesehen hat sich eine Faustformel für Umzugswillige herauskristallisiert: Wird eine Fahrtzeit von 60 Minuten nicht überschritten, ist ein Großteil dazu bereit, ins Umland zu ziehen. Schließlich erhalten die Käufer dort auch einen fairen Preis für mehr Platz - und das nicht nur im Mehrfamilienhaus.

Letztlich sollte die Infrastruktur soziale Wünsche bedienen. Dazu gehört neben verschiedenen Bildungseinrichtungen die Möglichkeit, für die Kleinen einen Kitaplatz zu bekommen. Als Vorteil empfinden es viele, wenn sich ein Supermarkt, eine Apotheke und ein Ärztezentrum in der Ortschaft befinden. Insofern sollten sich die Bedürfnisse, die die Menschen bisher aus der Stadt kannten, auch in Grundzügen vor den Toren der Stadt wiederfinden. Kurze Wege zum ÖPNV, der direkt in die Metropole führt, erleichtern die Entscheidung. Und diese treffen offensichtlich immer mehr Berliner: Brandenburg verzeichnet aktuell ein Bevölkerungsplus - 75 Prozent davon stammen aus der Hauptstadt.

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