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Börsianer-Sorgen Krisenstab der Analysten: Wie es wirklich um Italien steht

12.08.2019, 13:49  |  9767   |   |   

Seit dem Ausbruch der Regierungskrise in Italien wächst die Angst der Marktteilnehmer vor einer neuen Krise in der Eurozone. Kapitalmarkt-Experten geben Antwort auf die Frage, inwiefern die Italien-Krise die Märkte ins Wanken bringen könnte.

Der italienische Vizepremier Matteo Salvini (Lega) stellte in der letzten Woche die Regierungskoalition in Frage. Prompt legte die Rendite für zehnjährige, italienische Staatsanleihen zu. Der italienische Bankenindex (FTSE Italia Banche) und der Index für Banken in der Eurozone (STXE 600 Banken) gaben nach. Wie gefährlich ist die Lage?

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, sagte: "Im Vergleich zur Eurozonenkrise 2011/2012 verlangen Anleger für italienische Staatsanleihen lediglich die Hälfte des damaligen Risikoaufschlags. Hintergrund sind die relativ starke Verschuldungsdynamik Frankreichs, die für eine zukünftig weniger harte Haltung der EU im Budgetstreit mit Italien spricht, sowie Signale der EZB, die schwache Eurozonenkonjunktur über eine erneute Lockerung der Geldpolitik und eine potenzielle Ausweitung der Staatsanleihekäufe stützen zu wollen".

Die Finanzmarktstabilität sei zurzeit für Marco Wagner, Senior Economist der Commerzbank, nicht in Gefahr. Wagner verweist auf die verbesserte Situation der italienischen Banken: "Die italienischen Banken haben die faulen Kredite in ihren Büchern nahezu halbiert – während die ausfallgefährdeten Kredite Anfang 2017 noch 16 Prozent aller Kredite ausmachte, liegt diese Quote mittlerweile gerade noch bei 8,9 Prozent".

Der aktuell hohe Stand der italienischen Staatsschulden sei laut Jürgen Matthes, Leiter des Kompetenzfelds Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), noch finanzierbar: "Die italienischen Staatsschulden liegen zwar schon seit 2014 über 130 Prozent der Wirtschaftsleistung und sind zuletzt noch leicht weiter in Richtung 134 Prozent des BIP gestiegen. Doch angesichts der sehr niedrigen Zinsen auf die gesamte Staatsschuld von nur 2,8 Prozent erscheint den Finanzmärkten auch dieses hohe Niveau noch tragfähig", meint Jürgen Matthes.

Für Stefan Mütze, Analyst für die Eurozone der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), gibt es kaum Anzeichen dafür, dass der europäische Finanzmarkt durch die politische Krise in Italien in Gefahr sei: "Der Schutzschirm, den die EZB durch ihre umfangreichen Käufe von Euro-Staatsanleihen gespannt hat, funktioniert offenbar. Einen ersten Italien-Test im vergangenen Jahr hatte er erfolgreich bestanden. Hinzu kommt die Erwartung, dass die EZB die Geldpolitik weiter lockert und die Nettokäufe von Anleihen wieder aufnimmt.  Verbessern sich die allgemeinen Konjunkturperspektiven, so dürften die Gefahren für die Finanzstabilität der Eurozone überschaubar bleiben".

Fazit: Die Experten vermuten, dass der europäische Finanzmarkt durch das Sorgenkind Italien zumindest in der Dauerniedrigzinsphase nicht so schnell ins Schlingern kommt. "Die Wendung in der EZB-Politik und die Festigung des ESM haben einen stabilen Rahmen geschaffen, um eine Finanzmarktkrise in Europa zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund erwarten wir wieder rückläufige Spreads für Italien", schließt sich Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), der Meinung seiner Analysten-Kollegen an.

Autor: Christoph Morisse

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