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Börsen-Zeitung Überdeutliche Krisensignale / Kommentar zu Rezessionsindikatoren am Anleihemarkt von Kai Johannsen

Nachrichtenagentur: news aktuell
14.08.2019, 21:10  |  346   |   |   
Frankfurt (ots) - Wer derzeit auf der Suche nach ein paar
Argumenten ist für seine These, dass eine konjunkturelle Krise oder
gar Rezession im Anmarsch ist, kann am Anleihemarkt aus dem Vollen
schöpfen: Die zehnjährige Bund-Rendite bei minus 0,657% auf
Rekordtief, die 30-jährige Bund-Rendite bei minus 0,195% auf
Rekordtief, bei der zweijährigen Bund-Rendite ist mit minus 0,88%
die noch nie da gewesene Marke von minus 1% zum Greifen nah, und die
Zinskurve in den USA zwischen drei Monaten und zehn Jahren ist
invertiert. Seit gestern ist - erstmals seit 2007 - ebenfalls die
Inversion der Kurve zwischen zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen
Realität. Auch die britische Zinskurve ist gestern erstmals seit 2008
invertiert. Aufgrund der Flucht in Sicherheit sind die kompletten
Zinskurven Dänemarks, der Schweiz, Deutschlands und der Niederlande
ins Minus abgetaucht. Unternehmensbonds profitieren auch von der
Flucht in Qualität, auch hier gibt es negative Bondrenditen, selbst
High-Yielder sind schon Angehörige der "Negativzinsgemeinde".

Das sind überdeutliche Signale für eine aufziehende
Konjunkturschwäche, wenn nicht gar für eine Rezession. Arg in
Mitleidenschaft gezogen wird die Wirtschaft durch den
US-Handelskonflikt, der unterbrochen von kleinen Pausen immer neue
Eskalationsstufen erreicht. Gestern kam aus Deutschland die nächste
Hiobsbotschaft: Das Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal um
0,1%. Stimmungsindikatoren liefern das gleiche Bild: Tags zuvor war
der ZEW-Index eingebrochen.

Das wird von Seiten der Zentralbanken nicht unbeantwortet bleiben.
Die Fed wird im September den Leitzins weiter senken. Macht sie es
nicht, wird der Markt völlig durcheinandergewirbelt. Die Fed wird im
Oktober und Dezember mit weiteren Zinsschritten nachlegen. Darauf
sollte man sich einstellen. Und die Europäische Zentralbank wird
ebenfalls auf den Plan treten und im September das nächste Kapitel in
Sachen lockerer Geldpolitik aufschlagen. Auch daran zweifeln immer
weniger.

Und was heißt das für den Markt? Das Rekordfieber-Thermometer
steigt weiter: noch tiefere Renditen, noch stärkere Inversion der
US-Kurven, noch mehr Länder, deren Renditekurven komplett ins Minus
abtauchen. Denn die Anleger gehen in immer längere Laufzeiten, was
die Renditen in diesen Bereichen nach unten treibt. Und auch noch
mehr High-Yielder werden in dieser Gemengelage Negativrenditen
bekommen. Damit nehmen die Verzerrungen zu. Und wenn dann erst die
Zentralbanken wieder als Großeinkäufer bei Bonds auftreten, kommt der
nächste Renditeschub nach unten.

(Börsen-Zeitung, 15.08.2019)

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