Bis zu 90% sparen! Kostenloser Depotgebühren-Check
030-275 77 6400
DAX+0,33 % EUR/USD+0,09 % Gold+0,15 % Öl (Brent)+1,70 %

Geldpolitiker in der Kritik Helaba: Extrem-Niedrigzinsen wirken bereits negativ, aber die Masse merkt es noch nicht

27.08.2019, 13:23  |  11386   |   |   

In welches Dilemma sich die Geldpolitiker manövriert haben und welche Lösungen infrage kommen, zeigen Gertrud R. Traud, Helaba-Chefvolkswirtin (Foto), und Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, im zweiten Teil unserer Artikelserie "Negativzinsen auf Bankguthaben".

Die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Gertrud R. Traud, zweifelt an der aktuellen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Volkswirtin meint, dass das Mantra der europäischen Zentralbanker, dass die Inflationsrate ansteigen soll, nicht zielführend sei: "Das Argument, dass die Inflation zu niedrig sei und man alles tun müsse, um endlich eine Inflationsrate von zwei Prozent zu erreichen, ist eine nicht sachgemäße Sichtweise. Rein ökonomisch ist jede Inflationsrate von größer als Null ein Kaufkraftverlust. Und solange die Inflation über den Zinsen liegt, muss der Sparer einen realen Kaufkraftverlust hinnehmen. Also auch jetzt schon haben die extrem niedrigen Zinsen negative Effekte für die Massen. Da die meisten Menschen aber eher auf nominale Werte und nicht auf reale Werte schauen, haben sie es bislang nicht gemerkt", erklärte Traud im Gespräch mit der wallstreet:online-Redaktion.

Laut der Helaba-Ökonomin verfehlt die EZB-Politik ihre eigentlichen Ziele: "Die aktuelle Diskussion ist ein gutes Beispiel für die Problematik 'wenn die Lösung das Problem wird'. Die Notenbank möchte mit den negativen Einlagenzinsen eigentlich etwas Gutes tun. Die Effekte sind aber nicht eindeutig positiv. Es ist weder klar, ob damit die Kreditnachfrage angekurbelt wird, noch der Konsum", so die Volkswirtin.

"Die EZB-Politik belastet die Banken", resümiert die Volkswirtin. Stichwort: Negativer Einlagenzins für Geldinstitute. "Früher oder später müssen sie diese Belastung weitergeben oder im schlimmsten Fall ihr Geschäft einstellen. Ob die Banken, die Kosten in Form negativer Zinsen oder über eine Anhebung der Gebühren weiter gehen, hängt sicherlich auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab", führt die Landesbankerin aus. "Die Diskussion um die Negativ-Zinsen zeigt deutlich, dass die aktuelle Geldpolitik erhebliche Risiken und Nebenwirkungen hat. Dies sollte vermehrt in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt werden. Nur dadurch kann man das Problem lösen", meint Traud.

Diesen Artikel teilen
Seite 1 von 2
Mehr zum Thema
Klicken Sie auf eines der Themen und seien Sie stets dazu informiert. Mehr Informationen hier.
MindestreserveKaufkraftverlustHelabaInflationBanken


4 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Was die nette Dame verschweigt ist:

Der Staat entschuldet sich damit langfristig auf Kosten der Bürger, weil die Meisten keine Aktien besitzen sondern die Kohle schön ohne Zinsen gebunkert haben oder ausgeben.
(Die Guthaben der Bürger bei "Negativzinsen" machen die Minus Renditen bei Staatsanleihen erst möglich.

Rechnet doch mal einfach selber nach wo unser Haushaltsüberschuß wäre, wenn wir für Staatsanleihen 2-3% zahlen müßten???

Damit löst der Staat sein jetziges Problem und verschiebt die dadurch gestörte Altersvorsorge in die Zukunft.

Sollen sich doch die Anderen nach uns kümmern.

Thema Wirtschaft:

Wieviele Unternehmen würden denn bei steigenden Zinsen noch ihren Schuldendienst bedienen können???

Und erst die Häuslebauer 100% Finanzierung ohne Eigenkapital???


Da haben die sich schön verarschen lassen, aus der Niedrigzins-Nummer kommen die nicht mehr raus.!!!!

Wer hats vorbereitet 2008 mit der Bankenkrise??? Na die Banken selber und nun noch als Zuckerl die Deregulierung was Aktiengeschäfte betrifft wie in den USA ....

Wer hat die wirkliche Macht und wer strampelt nur an den Fäden???

Schönen Abend :-)
Ja, da bin ich tatsächlich überrascht, dass eine Chefvolkswirtin das so ähnlich sieht, wie ich mit Null-Ahnung vom Bankenwesen. Eigentlich ist ja jedem bei klarem Verstand einleuchtend, dass eine Inflation, und sei sie noch so klein, etwas vernichtet, in diesem Fall die Kaufkraft einer Währung. Da die EZB ein politisches Konstrukt ist, gehören also auch die entsprechenden Politiker in den jeweiligen Regierungen in der EU dazu. Ich nehme mal an, diesen Politikern, die mit vollen Händen das Steuergeld ausgeben, gefällt diese 'Denke' einer Bankerin garnicht. Alle Achtung, Frau Traud, da haben Sie sich wirklich etwas getraut - danke !
Das Modell und Ziel der EZB ist doch ganz einfach:

Ja, die privaten Banken gehen immer schneller zugrunde.
Wenn das System crashed, springt eben die EZB ein, und es gibt nur noch ein einziges, staatliches Bankensystem.
Und damit ist alles unter Kontrolle.
Die Bürger ja schon lange.

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel