Werden die „Big Five“ deutscher Polit-Talkshows über ihre Produktionsfirmen reich?

Gastautor: Dr. Viktor Heese
27.08.2019, 16:06  |  1455   |   |   

Machte vor einigen Monaten das dreiste Framing-Gutachten (https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/geheimpapier-aufgeta ...) zur „Kommunikationsverbesserung“ Negativschlagzeilen, so hört der erstaunte Beitragszahler jetzt vom WDR-Mitarbeiterstreik, wo es wieder ums Geld geht. Heikel ist nicht Frage was ein einfacher Kameramann verdient, sondern die wirklichen Granden des ARD-Konzerns, die anscheinend keiner wirklich kontrolliert. Es ist daher spannend die Big Five des Talk-Betriebes (Will, Illner, Maischberger, Plasberg, Lanz) unter die Lupe zu nehmen. Viel Material hierzu gibt es im Internet nicht. Reich werden die Promis nicht durch die üppigen, uns unbekannten Moderatorengehälter, - so die Indizien - sondern durch die Programmlieferungen aus eigenen Produktionsfirmen.

ARD-Vergütungen ein Reizthema: Wer abhängig ist, sollte das Publizieren über die ARD meiden

Vor Monaten ermittelte der Autor aus amtlichen Zahlen die Arbeitskosten bei der ARD mit 9442 Euro pro Monat Mitarbeiter und wurde als freier Publizist von Heise/Telepolis gefeuert https://www.mmnews.de/vermischtes/109641-heise-telepolis-macht-ard-kri .... Auch Focus, das die Idee anfänglich aufgriff, kniff und löschte den kritischen Artikel. http://prawda24.com/peinlich-focus-loescht-kritischen-artikel-zu-ard-g .... Ver.di warf ihm sogar vor, Stimmung mit „Halbwahrheiten“ zu machen und rückte in die „Nazi-Nähe“, ohne Nachweis auf Arbeitskosten von nur 5.400 Euro monatlich. Auch wenn diese Zahlen, stimmen sollten, wird selbst dem Laien die Differenz von gut 4.000 € - denn die Zahlen oben sind ebenfalls korrekt - schnell klar. Die Gewerkschaft vertritt nur die unteren Einkommenschargen und spricht nicht für die Außertariflichen und die Promis. 

Was Top-Moderatoren verdienen kann nur geahnt werden

Was die Big Five des politischen Talk-Geschäfts mit ihren individuellen Verträgen verdienen, bleibt ein süßes Geheimnis. Die Gage dürfte wohl eher bei der durchschnittlichen monatlichen „Grundvergütung“ (kommt da noch etwas dazu?) eines WDR-Direktors von 18.328 Euro brutto in 2016 als der eines Bereichsleiters (11.456 Euro) liegen. Selbst mit solch hohem Salär kann man sicherlich nicht reich werden. Auch bei 20.000 Euro monatlich, einer Abgabenquote von 50 Prozent, würde sich bei einem monatlichen Sparbeitrag von vielleicht 5000 Euro so schnell kein Millionenvermögen aufbauen lassen. Es sei denn, die Stars hätten viel Glück an der Börse. 

Die Homepage eines seriösen Gehaltsreporters https://gehaltsreporter.de/promi_gehaelter/tv-und-unterhaltung/markus- ... schätzt zum Beispiel für Markus Lanz ein Vermögen von drei bis vier Millionen Euro und ein Jahreseinkommen von 500.000 Euro. Wie kommen angesichts der obigen, noch vertretbaren Zahlen, derartig hohe Mammutbeträge zustande? Sind das nur Fake News?

Moderatoren spielen Unternehmer auf Kosten der Beitragszahler

Vor etwa zehn Jahren hatten Top-Moderatoren (Christiansen, Schmidt, Gottschalk, Jauch) nach dem US-Vorbild eigene Produktionsfirmen ins Leben gerufen, die angeblich eine Win/Win-Situation für den Moderator und für den Sender bringen sollten. Ob alle Willigen „produzieren“ dürfen oder nur die Stars ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad, bleibt nach wie vor offen. Wer Einzelheiten erfahren will, muss im Internet nachgoogeln (Beispiel: http://www.will-media.de/).

Laut dem Lieferkonzept arrangiert der Moderator alles für seine Sendung – hier die Talkshows – in Eigenregie. Das Verfahren sei angeblich billiger und flexibler. Die Mittelzuweisung erfolgt nach „harten Kalkulationsverhandlungen“, - wird behauptet - aber ohne externe Prüfer. Glauben Sie das? Zu dem Umfang der Bestellungen, den Gewinnen der Produktionsfirmen und anderen Details drängt nach außen nichts durch. Betriebsgeheimnis. Ausgewichen wird stattdessen gerne auf die nichtssagenden Produktionskosten pro Minute.

Dienstleistungen für eigenen Arbeitgeber werden in der Wirtschaft nur Scheinselbständige (arme Schlucker!) oder die Bosse großer Firmen (heimlich!) liefern dürfen. Wenn bei Vorständen der Börsengesellschaften etwas über unerlaubte Consulting-Vergaben öffentlich wird, werden die Unglücklichen von den Aktionären in Stücke gerissen. Bei ARD/ZDF sei diese Praxis aber legal.

Transparenz- und Abhängigkeitsbericht nötig

In den sog. Produktionsbericht nennen zwar die Anstalten die Listen ihrer „Zulieferer“ und unterteilen diese in abhängige (mit Senderbeteiligung) und unabhängige (Fremdfirmen). In welchem Umfang, an wen und wie häufig die Produktionsaufträge vergeben werden, erfährt der Leser nichts. https://www.ard.de/download/5169978/ARD_Produzentenbericht_2017.pdf. Daher tut ein echter Transparenz- und Abhängigkeitsbericht Not:

  1. Wer von den ARD/ZDF-Angestellten liefert über direkte und indirekte Beteiligungen an Produktionsfirmen Produkte an seinen Arbeitgeber und in welchem Umfang?
  2. Offenlegung der  Nebeneinkünfte der Angestellten, so wie es bei Bundestagsabgeordneten und Beamten gesetzlich geregelt ist. https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/gehaelter-bei-ard-und- ...
  3. Offenlegung der Kostenkalkulationen der Produktionsfirmen, die von externen Unternehmensberatungen zu prüfen wären – ein gutes Thema für eine Masterarbeit.
  4. Offenlegung der Konkurrenzangebote von Fremdfirmen bei Großaufträgen über X-Millionen Euro, die aus Wettbewerbsgründen zur Ausschreibung gegeben werden müssten. 
  5. Last but not least eine Frage an ver.di: Gehen durch die Auslagerung der Produktion an die Moderatoren-Firmen bei ARD und ZDF Arbeitsplätze verloren?

 

Wo bleibt eine „Deutsche Fernseh-Hilfe“ (DFH)?

Mit Sicherheit bekommt jeder Fragesteller von der ARD zu obigem Katalog ausweichende Antworten. Auch die zahlreichen Internet-Publikationen und Petitionen - so wie gegen Markus Lanz im Falle Sahra Wagenknecht - werden wenig bringen. In der freien Wirtschaft hätte der Top-Mann schlechte Karten. Dennoch muss der Zwangszahler ein Recht auf Wettbewerb haben - in einigen Ländern hat die Opposition auf Sendezeit auf Öffentlich-Rechtlichen Kanälen. 

Wer aber über den Klageerfolg der gerade 347 Mitglieder zählenden Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) staunt, sollte fragen, warum die Millionen GEZler statt die Gebührenboykotteure zu feiern keinen ebenso schlagkräftigen Verein gründen. Die einzuklagenden Auskünfte zu oben wären in diesem Kontext nur der Anfang eines langen Reformprozesses bei der ARD. 

Bei dem Reizthema ARD-Honorare könnte eine solche Bewegung mit breiter Unterstützung der etablierten Medien, der Parteien (FDP, Linke) und nicht zuletzt der ARD-Benachteiligten selbst rechnen. Dann wäre es mit den lockeren Sprüchen wie der „Demokratieabgabe“ (WDR-Chef Tom Buhrow) oder über „populistische“ Beschuldigungen der Rundfunk-Protestler vorbei. https://taz.de/Freie-Mitarbeiter-bei-ARD-und-ZDF/!5565542/

Solange unsere Promis andererseits keinen echten öffentlichen Druck verspüren, werden die Jungs und Mädels munter weiter machen. Es ist ja juristisch alles OK. Lanz bastelt wohl gerade an neuen Ideen, Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers versuchte noch schnell auf den fahrenden Zug aufzuspringen und Günther Jauch – geschätztes Vermögen 50 Millionen Euro! – erkennt womöglich gerade die Zeichen der Zeit und kritisiert plötzlich seine alten Arbeitgeber. https://www.bild.de/unterhaltung/leute/leute/guenther-jauch-talkmaster ...

Und die deutschen Michels müssen zahlen und zahlen und zahlen…

Dr. Viktor Heese – Finanzbuchautor und Analyst; www.finanzer.eu ,www.prawda24.com
 



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