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Geschichte der Derivate Teil 2 Griechenland – die Philosophie des Tradings

Gastautor: Dirk Heß
20.09.2019, 09:00  |  2150   |   |   

Derivate sind keine Erfindung der Neuzeit. Ihr Einsatz reicht Tausende von Jahren zurück. Gehen Sie mit uns auf Zeitreise und erkunden Sie in einer mehrteiligen Serie die spannende Geschichte der Derivate. Heute: Wie die Griechen ungewollt zum Maß aller Dinge wurden.

Das antike Griechenland ist für seine zahlreichen Philosophen und Naturwissenschaftler weltberühmt. Durch Pythagoras wurde zum Beispiel die Mathematik entscheidend vorangetrieben, Demokrit führte die Naturprozesse auf kleinste unteilbare Elemente (Atome) zurück, Aristoteles trug maßgeblich zur Einteilung und Entwicklung unterschiedlicher Naturwissenschaften bei und Archimedes formulierte die ersten Gesetze der Physik. Angesichts solcher epochalen Leistungen überrascht es ein wenig, dass die Hellenen auf dem Gebieten des Handels und dem Einsatz von Derivaten im Vergleich zur Hochkultur Mesopotamiens eher zurückhaltend waren.

 

 

Handel – für Griechen ein niederes Gewerbe

Gewiss, die Drachme mit der berühmten Eule, die ab 600 vor Christus erstmals im Stadtstaat Athen auftauchte, gilt als eine der ersten bedeutenden Münzwährungen überhaupt. Doch für den griechischen Vollbürger war eine Handelstätigkeit keine gesellschaftlich geachtete und akzeptierte Einkommensquelle. Das Handelsgewerbe überließen die alten Griechen weitestgehend politisch degradierten, nichtbürgerlichen Ansiedlern, den sogenannten Metöken. Für tüchtige und risikofreudige Metöken ergaben sich daraus vielfältige Chancen. So stieg zum Beispiel der um etwa 430 vor Christus geborene Pasion zu einem der wohlhabendsten Athener auf und noch heute gilt er laut manchen Experten zufolge als erster Bankier Europas.

 

Kassageschäfte bevorzugt

Waren Terminvereinbarungen zur Finanzierung und Absicherung von Warengeschäften im alten Mesopotamien quasi eine Selbstverständlichkeit, hatten die antiken Griechen eine eher ablehnende Haltung gegenüber solchen Derivaten. Das griechische Recht bevorzugte Kassageschäfte. Allerdings heißt das nicht, dass es keine Verträge für zukünftige Lieferungen gab. Tatsächlich waren die Griechen in kommerziellen Angelegenheiten mitunter recht pragmatisch. So erlaubte der Stadtstaat Athen Forward-ähnliche Verträge für zukünftige Lieferungen im Seehandel, da die Bewohner vom Import von Getreide aus Ägypten abhängig waren. Auch ließ der Makedonier Alexander der Große, der im vierten Jahrhundert vor Christus das Perserreich samt Ägypten eroberte, dass aus Mesopotamien stammende lokale Handels- und Rechtssystem samt deren Termingeschäften weitgehend intakt.

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