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Einzelhandel NAHVERSORGUNG – Trend ohne Anglizismus

Gastautor: Manuel Jahn
19.09.2019, 17:50  |  316   |   |   

„Nahversorgungsprodukte stehen bei Investoren hoch im Kurs“. „Nahversorgung bleibt Investor’s Darling“. Während weite Teile des stationären Einzelhandels unter dem Druck des Onlinehandels stöhnen, vergeht in den Medien kaum eine Woche, in der die Nahversorgung nicht als uneinnehmbare Bastion für Aufmerksamkeit sorgt. Das hat Gründe, wie der auf Nahversorgungsimmobilien spezialisierte Investment- und Assetmanager Habona Invest in laufenden Studien nachgewiesen hat.

Foto: AdobeStock
Nüchterner Begriff, heiße Story
Die Geschichte von der Nahversorgungsimmobilie ist deutlich spannender als der formaljuristische Begriff es erahnen lässt. Sie ist eng verknüpft mit eines der größten Dramen, das sich im deutschen Einzelhandel seit geraumer Zeit abspielt. Einerseits lassen sich die Verbraucher nur noch durch ‚billig‘ und ‚premium‘ zum Kauf verleiten und andererseits ist ein nennenswerter Anteil des Einkaufs in das Internet abgewandert - allerdings nur der Nonfoodeinkauf. Der tägliche Routineeinkauf, also Produkte des täglichen Bedarfs, werden weiterhin und ungezügelt im Ladengeschäft getätigt. Dabei ist die tägliche Bedarfsdeckung immer weniger rationalen Überlegungen unterworfen, sondern stark von Gefühlen, guten Vorsätzen und sonstigen Projektionen geleitet. Diese neue Lust äußert sich in überdurchschnittlichen Wachstumsraten, die im übrigen Einzelhandel ihresgleichen suchen.
„Mit Klopapier und Konserven können wir uns nicht profilieren“
erklärte Konzernchef Lionel Souque anlässlich der Präsentation erfolgreicher Rewe-Unternehmenszahlen (Vollsortiment National mit Umsatzplus von 12,3%) im April 2019. Das gleiche gilt für Edeka, Kaufland und Co., die allen Ortens eine Aufwärtsspirale des vormals drögen Lebensmittelhandels in Gang gesetzt haben. Aldi, Lidl, Netto und Penny ziehen nach und haben mit dem Kühlhallenflair der neunziger Jahre nichts mehr gemein. Erweiterte Sortimente, neue Produkte und wachsende Preise treiben so den Einzelhandelsumsatz im Nahversorgungssektor an. „Die Verbraucher sind bereit, für Produkte mit hoher Qualität mehr Geld auszugeben», bestätigt auch GfK-Handelsexperte Robert Kecskes im Zusammenhang mit aktuellen Studienergebnissen seines Hauses zum Lebensmitteleinkauf in Deutschland.
Client Centricity: Noch näher ran an den Kunden
Die Lebensmittelkonzerne sind dabei, trotz ihres ohnehin großen Ladennetzes weiter in die Nähe zum Kunden zu investieren. Rewe will allein in 2019 mehr als eine Milliarde Euro in Deutschland für die Modernisierung und Erweiterung ihrer Supermärkte und Discounter ausgeben. Aber auch neue Formate und neue Filialen, die den Verbraucherinnen auf dem Fuße folgen, zählen zum Programm. Überhaupt scheinen Verbraucherbefragungen mehr denn je zu bescheinigen, dass Wohnortnähe als wichtigster Faktor für die Wahl der Einkaufsstätte gilt, bedeutsamer als die Produktauswahl oder sogar der Preis.
Eintagsfliege oder struktureller Umbruch?
Der Lebensmitteleinzelhandel macht vor, wie die Veränderungen im Konsum erfolgreich gemeistert werden: Wie in keinem anderen Einzelhandelssegment wurden die Filialen entstaubt, Sortimente modernisiert und Wege verkürzt. Erst am 10. Juli 2019 hat das Bundeskabinett ein Eckpunktepapier zur zuletzt intensiv diskutierten Umsetzung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland beschlossen. Es wird anerkannt, dass eine gute Nahversorgung wichtig für die Lebensqualität der Wohnbevölkerung auch außerhalb der Metropolen ist. Ein weiterer Ritterschlag für die Nahversorgungsimmobilie.

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