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Experten zu Blockchain-Assets Revolution der Finanzwirtschaft: Mehr Anleger und Entmonopolisierung

27.09.2019, 11:05  |  6472   |   |   

Philipp Sandner, Wissenschaftler, Thomas Heilmann, Blockchain-Experte der CDU/CSU und Julian Hosp, Krypto-Koryphäe, exklusiv für wallstreet:online über die ersten zaghaften Gehversuche der Bundesregierung, den Handel von digitalen Wertpapieren über die Blockchain zu ordnen. Luftnummer oder in die Zukunft weisend?

Philipp Sandner, Wirtschafswissenschaftler und Leiter des Frankfurt School Blockchain Centers (FSBC), begrüßt die Pläne der Bundesregierung. Exklusiv gegenüber wallstreet:online erklärte er: „Das ist die richtige Maßnahme zur richtigen Zeit. Die zentrale Frage ist die Entmaterialisierung von Wertpapieren - ein notwendiger Schritt in einer digitalen Welt, in der eine Unterschrift auf Papier zunehmend altertümlich erscheint. Der Startschuss wurde nun für Schuldverschreibungen gegeben; eine weitere Entmaterialisierung wird - nach ersten Erfahrungen in dieser Klasse von Wertpapieren - dann in den nächsten Jahren Stück für Stück kommen. Bis hin zu Aktien und Anleihen.“

Die sogenannte Tokenisierung, die digitalisierte Abbildung von bestehenden Wertpapieren und die Ermöglichung der Übertragbarkeit, könnte die Finanzwirtschaft revolutionieren. Philipp Sandner schätzt die Bedeutung von Blockchain-basierten Assets für die Finanzwirtschaft wie folgt ein: „Blockchain-Wertpapiere sind an sich weniger besonders als man denkt. Genau genommen bedeutet dies, dass existierende Wertpapierformate (von Genussschein bis Aktie) technisch in einen so genannten Token "verpackt" werden. Ein Blockchain-Wertpapier ist also eine Kreuzung zwischen existierenden Wertpapierformaten mit neuer Technologie. Dies wird sofortiges Settlement ermöglichen, mittelfristig den Anlegerkreis erhöhen, den Wertpapierhandelsprozess auf schlankere Beine stellen und damit den Prozess effizienter gestalten. Investoren werden von schnelleren Prozessen und geringeren Verwaltungskosten profitieren. Der Weg ist vorgezeichnet; an der Blockchain-Technologie führt kein Weg vorbei. Wer sich nicht mit der Thematik beschäftigt, wird mittelfristig vor großen Problemen stehen.

Thomas Heilmann, Blockchain-Experte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte exklusiv gegenüber wallstreet:online: "Wir klären mit der Einführung eines digitalen Wertpapiers im Zivilrecht viele rechtliche Fragen. Damit eröffnen wir privaten Anlegern neue und vor allem schnelle Investitionsmöglichkeiten und umgekehrt ermöglichen wir hunderttausenden nicht börsennotierten Kapitalgesellschaften ganz neue Finanzierungsmöglichkeiten durch einen globalen Investorenkreis. Das bringt für Deutschland einen enormen Standortvorteil. Im Kern wollen wir eine weitgehende Standardisierung einer vielversprechenden Technologie. Wir wollen keine neuen Monopole, sondern, dass alle Akteure faire Zugangschancen erhalten. Das ist gelebte soziale Marktwirtschaft. Mit gesetzlichen Regeln und der Förderung technischer Standards ermöglichen wir kleinen Unternehmen die Blockchain weiterzuentwickeln und einzusetzen. Daher lehnen wir auch Facebooks Libra ab. Währung darf nicht monopolisiert werden. Daneben soll es gerne viele weitere Krypto-Assets wie Bitcoin geben, aber dahinter muss es eine staatliche Basis-Währung als sog. Stable-coin geben."

Julian Hosp, Unternehmer und Blockchain-Experte, begrüßt die Blockchain-Strategie der Bundesregierung grundsätzlich, wünscht sich aber ein noch entschiedeneres Vorgehen. Gegenüber wallstreet:online erklärte er: "Ich sehe Wertpapiere auf der Blockchain als einen wichtigen Fortschritt für die Finanzwirtschaft. Auch wenn dies [die Blockchain-Strategie der Bundesregierung] derzeit eher dem "kleinen Zehen ins Wasser tauchen” entspricht, so zeigt dies, dass die deutsche Bundesregierung offen für diese neue Form der Vertrauensbildung ist. Persönliche hoffe, dass man nicht zu lange wartet, bis “das ganze Bein im Wasser ist”, sondern weiterhin einen risiko-adaptierten Zugang wählt, um Deutschland als Finanz- und Wirtschaftsstandort zu stärken.

Fazit: Die Digitalisierung von bestehenden Vermögenswerten mit Hilfe der Blockchain-Technologie hat das Potenzial, die Finanzwirtschaft zu revolutionieren. Ein Rechtsrahmen für Blockchain-Wertpapiere bietet für Unternehmen Rechtssicherheit und war eigentlich längst überfällig.

Autor: Ferdinand Hammer

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