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Zombiefirmen an der Wall Street Unter der Lupe: IPOs von Verlustunternehmen - Blase oder Entwarnung?

10.10.2019, 14:09  |  8929   |   |   

In den USA gehen immer mehr unprofitable Firmen an die Börse. Seit drei Jahren haben sie jährlich deutlich mehr Kapital per IPO eingesammelt als profitable Unternehmen. Doch ganz langsam werden Profite wieder wichtiger, um erfolgreich Kapital akquirieren zu können.

Seit 2017 sammeln unprofitable Unternehmen in den USA jedes Jahr bei Börsengängen mehr Kapital ein als profitable. In den Jahren von 1999 bis 2016 war es genau andersherum: Konzerne, die Gewinne vorweisen konnten, nahmen insgesamt bei IPOs auch mehr Geld ein. Während der Finanzkrise (2008-2009) hatten es unprofitable Unternehmen in den USA dann besonders schwer.

Erst am Montag hatte der US-Unternehmer und Milliardär Charles Schwab vor „den geldvernichtenden Unternehmen, die an die Börse gehen“ gewarnt. Gegenüber CNBC sagte er: „Ich würde nie in ein Unternehmen investieren, das riesige Verluste macht und keine Ahnung hat, wie es einmal Geld verdienen will.“ Und weiter: „Man sollte in Unternehmen investieren, die große Vermögenswerte haben. Das bedeutet zuerst, dass die Umsätze steigen und sie Geld verdienen. Ziemlich einfache Formel und viele dieser Unternehmen verdienen einfach noch kein Geld.“

Schon 2018 erwirtschafteten 83 Prozent der US-Unternehmen, die einen Börsengang wagten, in den zwölf Monaten vor dem IPO keinen Gewinn, so das Handelsblatt. Beim Platzen der Techblase im Jahr 2000 lag der Anteil der IPO-Firmen mit Verlusten bei 81 Prozent. Im laufenden Jahr haben unprofitable IPO-Firmen in den USA sogar mehr Kapital eingenommen als im Gesamtjahr 2000, als die Tech-Blase platze. Droht jetzt eine Dotcom-Blase 2.0?

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, beruhigt Anleger. Auf die Frage, ob eine Dotcom-Blase 2.0 drohe, erklärte er gegenüber wallstreet:online: „Ich denke nicht. Zwar ist der hohe Anteil an unprofitablen IPOs zweifellos eine Parallele zur Dotcom-Blase, doch bereitet mir die aktuelle Entwicklung noch keine schlaflosen Nächte. Denn auch dem Markt sind die Erinnerungen an die geplatzte Spekulationsblase noch sehr präsent. Dies äußert sich neben gescheiterten Börsengängen auch darin, dass die Bewertungen von IPOs derzeit weit unter dem Niveau des Jahres 2000 liegen. Damals wurden Börsengänge gemessen am Verhältnis von Marktwert des Gesamtkapitals zu Umsatz sieben Mal höher als das durchschnittliche S&P 500-Unternehmen bewertet. Heute beträgt der Bewertungsaufschlag von IPO zu Durchschnittsunternehmen nur Faktor zwei.“

Im Gegensatz zu den 1990er Jahren hat heute die Zahl der Börsengänge in den USA deutlich abgenommen. Ulrich Stephan erklärt: „Gleichzeitig sind auch die Anzahl sowie das Volumen der Börsengänge zurückgegangen. Wurden in den späten 1990er rund 400 US-Unternehmen pro Jahr an die Börse gebracht, sind es seitdem nur etwas mehr als 100. Das jährlich eingesammelte Kapital belief sich zum Höhepunkt der Dotcom-Blase auf bis zu 0,9 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500. Derzeit liegen wir bei 0,1 Prozent.“

Und weiter: „Entsprechend kann ich nicht erkennen, dass der Markt gerade wahllos Geld verbrennt. An den Börsen spielt die Profitabilität von IPOs ohnehin nur eine nachrangige Rolle. Eine Untersuchung von knapp 4500 US-Börsengängen der vergangenen 25 Jahre hat ergeben, dass lediglich das Umsatzwachstum Aussagekraft für die zukünftige Kursentwicklung besitzt. Aktien von Unternehmen, die in den ersten drei Jahren ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als 20 Prozent aufweisen, haben eine signifikant größere Chance auf Outperformance.“

Bei US-Amerikanischen Start-Ups werde Profite dennoch langsam wieder wichtiger. Am Dienstag titelte die New York Times (NYT): „Das Silicon Valley probiert ein neues Mantra: Schreibt Gewinne“. Travis VanderZanden, CEO des Scooter-Sharing-Service Bird, erklärte gegenüber der NYT: Es wird zunehmend schwierig für „Unternehmen, die Wachstum um jeden Preis anstreben und hunderte Millionen  von US-Dollar verbrennen... Mittel zu erhalten“. Und weiter: „Das wird ein gesunder Neustart für die Technologiebranche sein.“

Autor: Ferdinand Hammer

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