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Egbert Prior DEWB möchte mit Fintechs punkten

Gastautor: Egbert Prior
16.10.2019, 11:27  |  1143   |   |   

Die ehemalige Venture-Capital-Tochter der Jenoptik  fristet seit Jahren ein Mauerblümchendasein. Aktueller Kurs 1,08 Euro. Börsenwert ganze 18 Millionen. Ein Strategiewechsel könnte der Aktie aber neues Leben einhauchen. Ursprünglich hatte die Beteiligungsgesellschaft ihren Schwerpunkt in der Photonik, seit letztem Jahr liegt der Fokus aber auf Fintech. Die Neuausrichtung mit vorangetrieben hat der Hamburger Vermögensverwalter SPSW Capital, der knapp 25% der Anteile hält. Wir sprechen mit Vorstand Bertram Köhler über die neue Strategie: 2018 ist DEWB bei der börsennotierten Lloyd Fonds AG eingestiegen (akt. Anteil 28,6%). Die Hanseaten, die beispielsweise bekannt geworden waren durch geschlossene Schiffonds, haben sich komplett neu aufgestellt und bieten jetzt offene Publikumsfonds an, mit der Besonderheit eines digitalen Asset Managements. Beispielsweise sollen Portfolio-Algorithmen für mehr Rendite sorgen. Seit dem Einstieg ist der Lloyd-Kurs bereits kräftig gestiegen. Als guter Deal erweist sich auch das Engagement in Decimo. Das Berliner start up betreibt eine Internetplattform für Factoring. Der vollautomatisierte Prozeß ermöglicht schnelle Rechnungsvorfinanzierung auch für Kleinbeträge. Die flotte Tochter wird nun verheiratet mit dem größeren Wettbewerber Aifinyo (vormals Elbe-Finanzgruppe). Das geschieht durch eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage. Den voraussichtlichen Gewinn aus der Transaktion beziffert Unternehmenslenker Köhler auf 3,1 Millionen. DEWB wird an Aifinyo mit ca. 5% beteiligt sein. Beträchtliches Potential steckt in Muetec, der Spezialist für optische Inspektionssysteme für die Halbleiterproduktion – noch ein Überbleibsel aus der „Photonik-Ära“ – soll versilbert werden. Der Gewinn könnte nach unserer Schätzung 10 Millionen übertreffen. Nur noch ein Erinnerungsposten ist aber der Medikamententwickler Noxxon, deren Wirkstoffe beim Einsatz in der Krebsbehandlung getestet werden. Der Aktienkurs hat sich allerdings atomisiert, so daß der Wert der kleinen Beteiligung praktisch gegen null geht. Auch LemnaTec machte keine Freude. Die Pleite der Beteiligung aus der Zeit vor der neuen Strategie belasteten das Ergebnis im ersten Halbjahr mit 1,4 Millionen. Das Portfolio stand per 30.6. mit 24 Millionen in den Büchern, dagegen schlugen Schulden mit 15,7 Millionen zu Buche. Darunter eine Anleihe im Volumen von aktuell 11,5 Millionen (Zinskupon 4%). Der Bargeldbestand lag in der Jahresmitte bei 1,5 Millionen. Unter dem Strich betrug der Verlust im ersten Halbjahr 2,1 Millionen. Eigenkapital 8,9 Millionen. Auf den ersten Blick alles nicht gerade üppig, aber es bestehen stille Reserven. Fazit: Die neue Digitalstrategie sorgt für Phantasie. Das sollte sich früher oder später auch im Aktienkurs niederschlagen.

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