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CANSLIM-Kandidaten Gewinner des Wandels: Warum New Work, HelloFresh und Adyen Top-Chancen auf Milliardenmärkten haben

07.11.2019, 16:52  |  4225   |   |   

Veränderung wird oftmals als Bedrohung empfunden. Innovative Unternehmen nutzen diese jedoch als Chance. Daraus ergeben sich Top-Chancen für Aktienanleger. Eine feine Auswahl von Smart Investor, der wallstreet:online-Partnerredaktion:

 

 

Schöne neue Arbeitswelt

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Die Zunahme von Home Office, eine andere Work-Life-Balance und der Fachkräftemangel stellen das Verhältnis von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer auf ein neues Fundament. Auch die berufliche Vernetzung über soziale Netzwerke und die digitale Arbeitsplatzsuche gewinnen an Bedeutung. Für das TecDAX-Mitglied New Work, das den meisten noch unter seinem alten Namen Xing bekannt sein dürfte, ergeben sich hieraus vielfältige Wachstumschancen. Das mit rund 17 Mio. Usern größte Karrierenetzwerk im deutschsprachigen Raum ist längst mehr als ein „Business-Facebook“. Tatsächlich schnitt der Geschäftsbereich Xing, der sich aus Premiummitgliedschaften und Werbung finanziert, beim Wachstum zuletzt eher unterdurchschnittlich ab. Deutlich wird dies am Kursverlauf, der die Sorgen vor einer möglichen Zielverfehlung im laufenden Jahr bereits abbildet. Zumindest müsste New Work im zweiten Halbjahr seine Umsatzdynamik noch einmal erhöhen, um am Ende die Konsensschätzungen zu treffen. Immerhin dürfte der Konzern auch mittelfristig relativ sicher zweistellige Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis einfahren.

New Work

Für Fantasie sorgen das Geschäft mit Firmenkunden und neue Angebote wie die im Frühjahr akquirierte IT-Jobplattform Honeypot. Zu New Work gehören außerdem Angebote zum Job-Recruiting und Portale, auf denen Arbeitnehmer ihre Arbeitgeber bewerten können. Erst kürzlich gab das Unternehmen einen Wechsel an der Konzernspitze bekannt. Mit Abschluss der nächsten Hauptversammlung soll Lotto24-Vorstandschefin Petra von Strombeck den seit 2012 amtierenden CEO, Dr. Thomas Vollmoeller, ablösen. Unter dessen Führung versechsfachte sich der Firmenwert. Auch von Strombeck dürfte die Monetarisierung der Millionen Xing-Nutzer vorantreiben und auf gezielte Zukäufe setzen. Die lange Zeit recht teure New-Work-Aktie ist inzwischen auf einem akzeptablen Bewertungsniveau angekommen. Da jedoch eine Senkung der Umsatzziele mit Vorlage der Q3-Zahlen durchaus möglich erscheint, ist ein Einstieg vor diesem Datum nur risikobereiten Anlegern zu empfehlen.

Schöne neue Essenswelt

Die Ansprüche an unser Essen und die Art, wie wir uns ernähren, nehmen weiter zu. Sogar Fast Food muss plötzlich gesund sein. Da vielen aber die Zeit fehlt, auf dem Wochenmarkt einzukaufen, boomt das Geschäft der Kochboxenversender. Diese liefern vorportionierte Lebensmittel inklusive der dazu passenden Rezeptideen nach Hause. Anders als bei Fertiggerichten muss hier aber noch selbst gekocht werden. Die Berliner HelloFresh ist ein Vorreiter auf diesem Gebiet und weltweit der größte Anbieter. Zunächst finanziert vom Startup-Inkubator Rocket Internet, dürfte die Gesellschaft 2019 mehr als 500 Mio. Essen ausliefern. Vor diesem Hintergrund erschienen auch die Jahresziele äußerst konservativ. Mitte Oktober folgte schließlich die nicht ganz überraschende Anhebung der Prognose: HelloFresh peilt demnach im Gesamtjahr ein Umsatzwachstum zwischen 31% und 33% (zuvor: 28% bis 30%) sowie eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen +0,5% und +1,75% (zuvor: -1% bis +1%) an. Letztere lag im zweiten Quartal bereits bei +4,2%, weshalb selbst die neue Vorgabe noch Raum für positive Überraschungen lässt.

HelloFresh

Nach mehreren Übernahmen sind die USA inzwischen der nach Umsatz und Kundenzahl wichtigste Markt für die Berliner. Allerdings drücken gerade dort die laufenden Investitionen noch auf den Gewinn: So hinkt die bereinigte EBITDA-Marge in den USA deutlich hinter der in den übrigen Ländern hinterher (Segment USA: 2,9%; international: 11,5%). Lange lastete die Spekulation über einen Komplettausstieg Rocket Internets auf der Notiz. Im Mai kam es dann zur Platzierung der restlichen Anteile zu einem Kurs von 8 EUR. Mit Vorlage der Halbjahreszahlen gelang der Aktie der Ausbruch aus einer monatelangen Handelsspanne. Kurzfristig wäre nach dem jüngsten Anstieg um fast 50% eine Konsolidierung durchaus gesund – da aber gerade am Jahresende die Topperformer gesucht sind, dürften größere Rückschläge ausbleiben. Eine grundsätzliche Kritik muss sich das Geschäftsmodell allerdings gefallen lassen: Ob es wirklich sinnvoll ist, sich nun auch noch millionenfach Essensboxen und einzeln (!) verpackte Zutaten nach Hause liefern zu lassen, ist zumindest fraglich.

Schöne neue Einkaufswelt

Selbst wer nur gelegentlich im Internet etwas einkauft, dürfte bereits mit der niederländischen Adyen in Kontakt gekommen sein. Die Firma mit Sitz in Amsterdam wickelt nämlich weltweit den Zahlungsverkehr und die Transaktionen von unzähligen Onlineshops, Webseiten und elektronischen Marktplätzen wie Uber, Zalando, eBay oder Etsy ab. Die von Adyen entwickelte Plattform MarketPay akzeptiert nahezu alle gängigen Zahlungsarten und lässt sich darüber hinaus recht einfach in bestehende E-Commerce-Seiten sowie Onlineshops integrieren. Selbst kleine Händler, die ihre Ware z.B. über einen der großen Onlinemarktplätze anbieten, können damit auf Adyens Lösung zugreifen. Inzwischen ist MarketPay sogar in der analogen Welt angekommen und für In-Store-Transaktionen erhältlich. Adyen wächst rasant und profitiert dabei gleich von mehreren Megatrends wie der Digitalisierung der globalen Zahlungsströme, dem Wachstum des Onlinehandels und dem Siegeszug des bargeldlosen Bezahlens. Im Gegensatz zur inzwischen im DAX angekommenen Wirecard blieb man von Skandalen bislang verschont. Der Ruf in der Branche hat noch keine Kratzer abbekommen.

Adyen Parts Sociales

Wie die Zahlen zum ersten Halbjahr unterstreichen, bleibt die Wachstumsdynamik bei allen wichtigen Kennzahlen – vom Außenumsatz (+49%) bis hin zum berichteten EBITDA (+92%) – trotz konjunktureller Störfeuer absolut intakt. Das Geschäftsmodell ist hoch skalierbar, wie die erneute Steigerung der EBITDA-Marge auf nunmehr 57% belegt. Dieses Niveau will der Konzern auch mittelfristig halten bzw. sogar noch ausbauen. Bei den Erlösen peilt Adyen ein jährliches Plus zwischen 25% und 35% an. Die Kehrseite dieser Erfolgsbilanz ist ein stattlicher Börsenwert von fast 18 Mrd. EUR. Wer beim Börsengang im Sommer 2018 Aktien zugeteilt bekam, sitzt noch immer auf einem Buchgewinn von fast 150%. Eine stärkere Korrektur am Gesamtmarkt würde an dem Papier daher nicht spurlos vorübergehen. Im Vergleich zu Wirecard besitzt Adyen gleichwohl das deutlich günstigere Chance-Risiko-Profil.

Fazit
Es mag eine Phrase sein, wenn vom Wandel als Chance gesprochen wird. Für diese CANSLIM-Kandidaten ergeben sich aus den zum Teil fundamentalen Veränderungen in milliardenschweren Märkten jedoch hochattraktive Geschäftsperspektiven. Die Kehrseite dieses robusten Wachstums, das weitgehend von konjunkturellen Schwankungen entkoppelt zu sein scheint, sind allerdings auch entsprechend hohe Börsenwerte.

Autor: Marcus Wessel / Smart Investor

Diese Analysen aus der aktuellen Smart Investor-Ausgabe 11/19 beziehen sich auf Daten, die bis zum 25.10.2019 erfasst wurden.

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Kommentare

Hello Fresh liefert einfach ein schlechtes Produkt.
Die Hälfte des Zeugs braucht man nicht und los kriegt man die aufgrund des negative-option-Modells auch nicht. Für mich eine Abofalle.

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