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Im Interview Epigenomics: „Gehen davon aus, dass wir ein gutes Platzierungsergebnis erzielen werden”

Nachrichtenquelle: 4investors
30.10.2019, 07:29  |  5889   |   |   

10,8 Millionen Aktien zu einem Ausgabepreis von mindestens 1,05 Euro - das sind die Eckdaten der Kapitalerhöhung, die bei Epigenomics seit dem 24. Oktober läuft. Für das Berliner Biotech-Unternehmen ist der Emissionserlös ein wichtiger Hebel für das US-Geschäft. Man will stark in Marketing und Vertrieb investieren, sobald die Entscheidung des Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) über die Kostenerstattung für den Darmkrebstest Epi proColon gefällt wurde. Epigenomics-Chef Greg Hamilton ist zuversichtlich, dass die Finanzierungspläne funktionieren. „Wir sind optimistisch, dass sich die wesentlichen institutionellen Investoren auch an der Kapitalmaßnahme beteiligen werden”, sagt Hamilton im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Ein „Plan B” existiert ebenfalls.

www.4investors.de: An der Börse kam es zu einem kurzen Kurseinbruch der Epigenomics Aktie, als Sie am 17. Oktober eine Kapitalerhöhung angekündigt haben, die eigentlich niemanden hätte überraschen dürfen. War das eine verständliche Reaktion der Börse?

Hamilton: Grundsätzlich ist es nicht unüblich, dass der Aktienkurs nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung nachgibt. Im Laufe des gleichen Tages hat sich die Volatilität aber wieder stabilisiert und der Aktienkurs deutlich erholt. Wir haben bereits Anfang des Jahres angekündigt, dass wir in der zweiten Jahreshälfte eine Kapitalmaßnahme durchführen werden und daher erwarteten die meisten Investoren die Ankündigung.

www.4investors.de: Einmal abgesehen von der Kursentwicklung: Welche Reaktionen gab es vom Kapitalmarkt auf die geplante Kapitalmaßnahme?

Hamilton: Wie schon gesagt kam die Ankündigung nicht überraschend. Die vorgeschlagene Kapitalmaßnahme hat die Erwartungen der Investoren erfüllt, was sich ja auch an der Kursentwicklung ablesen lässt.

www.4investors.de: Werden Ihre Großaktionäre, unter anderem die Deutsche Balaton, ihre Bezugsrechte ausüben?

Hamilton: Die Gespräche mit unseren institutionellen Investoren waren bislang positiv. Wir sind optimistisch, dass sich die wesentlichen institutionellen Investoren auch an der Kapitalmaßnahme beteiligen werden.

www.4investors.de: Bei einem Mindestpreis von 1,05 Euro je neuer Aktie kann Epigenomics bei einer Vollplatzierung der etwa 10,8 Millionen Aktien etwas mehr als 11 Millionen Euro vor Kosten der Kapitalerhöhung einnehmen. In welche Bereiche sollen die Gelder vor allem investiert werden?

Hamilton: Der Bezugspreis wird wie angekündigt am 31. Oktober veröffentlicht. Die aufgenommenen Mittel werden wir in erster Linie dafür einsetzen, die Erstattungszusage zu erreichen. Darüber hinaus werden wir in die weitere Vermarktung unseres Darmkrebs-Bluttests Epi proColon in den USA investieren. Dazu gehört auch die erforderliche Post-Approval-Studie.

www.4investors.de: Wie weit wäre Epigenomics mit den 11 Millionen Euro durchfinanziert?

Hamilton: Wir erwarten, dass die 11 Mio. Euro das Unternehmen über das Gesamtjahr 2020 finanzieren werden.

www.4investors.de: Ungewöhnlich ist, dass der Ausgabepreis erst mitten in der Bezugsphase festgelegt werden soll. Viel Spielraum für große Bezugsabschläge zum aktuellen Aktienkurs bestehen ja wegen des Mindestpreises von 1,05 Euro nicht. Ist also mit einem Bezugspreis nahe Aktienkurs oder eines Durchschnittspreises der letzten Tage zu rechnen?

Hamilton: Mit dieser Vorgehensweise haben wir auch schon bei der letzten Kapitalerhöhung 2018 gute Erfahrungen gemacht. Sie bewahrt uns einen gewissen Spielraum, sollten während der Bezugsfrist unerwartete Entwicklungen eintreten. Der Bezugspreis wird unter Berücksichtigung des volumengewichteten Durchschnittskurses für eine Aktie im elektronischen Handelssystem XETRA vom Beginn der Bezugsfrist am 24. Oktober 2019 bis zum Handelsschluss am Vortag des 31. Oktober 2019 ermittelt. Dieser Durchschnittspreis wird um einen im Ermessen des Vorstandes stehenden Nachlass von 6 Prozent bis 10 Prozent reduziert. Grundsätzlich ist zu beachten, dass das öffentliche Angebot auf der Grundlage des von der BaFin am 18. Oktober 2019 gebilligten Prospekts durchgeführt wird, der auf unserer Webseite veröffentlicht wurde.

www.4investors.de: Nicht bezogene Aktien sollen im Rahmen einer Privatplatzierung an institutionelle Anleger gehen. Besteht bereits konkretes Interesse oder gibt es Zeichnungszusagen aus dieser Anlegergruppe?

Hamilton: Wir befinden uns mit mehreren institutionellen Investoren in Gesprächen, die uns zuversichtlich stimmen, dass wir auch zunächst nicht bezogene Aktien platzieren können.

www.4investors.de: Gibt es einen „Plan B“ für die Finanzierung, falls die Kapitalerhöhung nicht den gewünschten Zeichnungserfolg einbringt?

Hamilton: Natürlich haben wir uns auch Gedanken für den Fall gemacht, dass die Kapitalerhöhung nicht den gewünschten Erfolg bringt. Es gibt also einen Plan B. Sollte die Kapitalerhöhung nicht einen Nettoerlös von mindestens 7,0 Millionen Euro einbringen, würden wir je nach Höhe der Unterdeckung eine alternative Fremd- oder Wandelanleihefinanzierung anstreben und/oder bestimmte Kosten, einschließlich der Kosten für Forschung und Entwicklung und klinische Studien sowie Personalkosten, senken müssen. Allerdings gehen wir nach den bisherigen Gesprächen davon aus, dass wir ein gutes Platzierungsergebnis erzielen werden.

www.4investors.de: Kommen wir zum operativen Geschäft von Epigenomics. In den USA steht die Entscheidung der Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) über die Kostenerstattung für den Darmkrebstest Epi proColon weiter aus. Die Verzögerungen haben zu einer reduzierten Umsatzerwartung im Ausblick von Epigenomics für 2019 geführt. Was hat sich seit den Halbjahreszahlen getan, wann können Anleger mit einer Entscheidung rechnen?

Hamilton: Die CMS haben unseren Antrag, Epi proColon im Rahmen einer National Coverage Determination (NCD) zu überprüfen, am 3. Mai 2019 akzeptiert. Damals haben sie uns mitgeteilt, dass unser Review-Prozess vor dem Hintergrund der Anzahl der laufenden NCD-Anfragen und des Personalmangels in der Behörde zwar akzeptiert wurde, für eine gewisse Zeit aber noch nicht eröffnet wird. Wir haben von der CMS-Verwaltung bestätigt bekommen, dass andere Unternehmen in der gleichen Warteschleife sind. Das Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass die CMS im Gegensatz zur FDA für die Bearbeitung der Anträge keine "Nutzungsgebühren" erheben. Die FDA kann bei steigendem Antragsvolumen zusätzliches Personal einstellen, um die Nachfrage zu decken. Die CMS haben diese Möglichkeit nicht. Die Verwaltung der CMS ist sich dieses Problems bewusst und wir hoffen, dass der NCD-Prozess so schnell wie möglich eingeleitet wird. Sobald das NCD-Prüfverfahren eröffnet wird, müssen die CMS innerhalb von sechs Monaten einen Entscheidungsvorschlag vorlegen und anschließend eine finale Erstattungsentscheidung innerhalb von weiteren 90 Tagen treffen. Darüber hinaus haben wir nach den Halbjahreszahlen angekündigt, dass auf der 12. European Public Health Conference der European Public Health Association am 21. November 2019 in Marseille (Frankreich) eine Zusammenfassung der Daten des Mikrosimulationsmodells vorgestellt wird. Wir haben bereits früher bekannt gegeben, dass die Daten sowohl positiv für uns sind als auch genau den Anforderungen der CMS und anderen medizinischen Richtliniengesellschaften entsprechen. Im Übrigen ist die Offenlegung von zusammenfassenden Daten durch die Autoren auf einer wissenschaftlichen Konferenz erlaubt und gefährdet nicht die Veröffentlichung des Modells in einem wissenschaftlichen Journal.

www.4investors.de: Welche Auswirkungen hätte eine National Coverage Determination, also eine Erstattungszusage durch die CMS auf ihren Absatz und Umsatz in den USA?

Hamilton: Die Erstattung aufgrund einer NCD hat den Vorteil, dass sie sofort in Kraft tritt. Im Anschluss werden wir stark in unser Marketing und in unseren Vertrieb investieren, um den Bekanntheitsgrad von Epi proColon in den USA weiter zu steigern. Studien haben bereits gezeigt, dass die Teilnahmequoten bei der Darmkrebsvorsorge durch einen Bluttest deutlich gesteigert werden können.

www.4investors.de: Im ersten Halbjahr 2019 sind die Produktumsätze auf niedrigem Niveau mit +84 Prozent deutlich gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Hat sich der Trend im weiteren Jahresverlauf fortgesetzt?

Hamilton: Wir haben noch keine Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlicht. Wir sehen weiterhin Nachfrage nach unserem Produkt. Aber wie bereits angekündigt, erwarten wir keinen signifikanten Nachfrageanstieg, solange wir keine Erstattungszusage erreicht haben.

www.4investors.de: So kurz vor den Neunmonatszahlen, die am 19. November anstehen: Können Sie die Prognose für 2019 mit 2 Millionen Euro bis 4 Millionen Euro Umsatz und einem EBITDA-Verlust zwischen 12,5 Millionen Euro und 14,0 Millionen Euro bestätigen?

Hamilton: Tatsächlich haben wir unsere Prognose im Wertpapierprospekt vom 18. Oktober, der auf unserer Webseite zur Verfügung steht, aktualisiert. Während der EBITDA-Verlust unverändert in einer Bandbreite von -12,5 bis -14,0 Millionen Euro erwartet wird, wurde die Umsatz-Prognose auf die Bandbreite von 1,0 und 1,5 Millionen Euro angepasst.

www.4investors.de: Eine der großen negativen Nachrichten der letzten Monate war, dass in China von der China National Intellectual Property Administration das Septin9-Patent von Epigenomics nur als teilweise gültig erachtet wurde. Sie wollten sich dagegen rechtlich wehren. Wie ist der Stand der Dinge?

Hamilton: Wir haben gegen diese Entscheidung am 10. Oktober 2019 Rechtsmittel eingelegt. Typischerweise dauern diese Einspruchsverfahren Jahre, so dass wir in naher Zukunft kein weiteres Update erwarten.

www.4investors.de: Sind ihre Aktivitäten in China damit bis zu einer endgültigen Entscheidung quasi blockiert?

Hamilton: Ja. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschlossen, unsere Bemühungen zur Vermarktung von Epi proColon in China auf absehbare Zeit einzustellen.

www.4investors.de: Neben dem Darmkrebstest entwickelt Epigenomics auch einen Leberkrebstest, der bei Weitem nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit steht. Wie laufen hier die Entwicklungsarbeiten an dem Projekt?

Hamilton: Die geringere Aufmerksamkeit liegt auch darin begründet, dass wir aktuell mit unserem Leberkrebstest in der Entwicklung noch nicht so weit sind, wie bei Epi proColon. Wir gehen aber davon aus, unsere Querschnittsstudie in den USA noch in diesem Jahr abzuschließen.

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