Die Geschichte der Derivate Teil 4 Niederlande – Geburtsstunde der Optionsscheine

Gastautor: Dirk Heß
01.11.2019, 14:52  |  2120   |   |   

Derivate sind keine Erfindung der Neuzeit. Ihr Einsatz reicht Tausende von Jahren zurück. Gehen Sie mit uns auf Zeitreise und erkunden Sie in einer mehrteiligen Serie die spannende Geschichte der Derivate. Heute: Wie die Niederländer den Optionsschein erfunden haben und welche wichtigen Meilensteine dafür nötig waren.

Im Jahr 1497 entdeckte der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama den Seeweg nach Indien. Ein epochales Ereignis. Denn damit startete ein Wettrennen der europäischen Kolonialmächte um die besten Plätze beim Handel mit seltenen Gewürzen aus Fernost. Heiß begehrt waren zum Beispiel schwarzer Pfeffer aus Sumatra, Zimt aus Ceylon oder Muskatnüsse aus den Molukken. Waren anfangs noch die Portugiesen die dominierende Seemacht in den fernen Gewässern Asiens, stiegen gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Niederländer zur führenden Handelsnation in dieser Region auf. Dank ihrer technischen und militärischen Überlegenheit errichteten sie an den Küsten des indonesischen Inselreiches zahlreiche Handelsposten wie Batavia (das heutige Jakarta).

 

VOC – die Mutter aller Aktiengesellschaften

Der Gewürzhandel war für die Niederländer hochprofitabel. Aber nicht ungefährlich. Zum einen konnte die wertvolle Ladung durch Piratenangriffe oder Stürme verloren gehen. Zum anderen erwuchs den Holländern mit dem aufstrebenden England ein gefährlicher Konkurrent. Die niederländischen Kaufleute reagierten auf die neue Herausforderung, indem sie sich im Jahr 1602 zu einer gemeinsamen Handelsgesellschaft zusammenschlossen: der Vereenigden Oostindischen Comagnie, kurz VOC. Zur Finanzierung der Niederländischen Ostindien-Kompanie wurden Aktien ausgegeben. Die Emission war ein durchschlagender Erfolg. Die 1.143 Gründungsaktionäre stellten der VOC Eigenkapital in bis dahin noch nie gekannter Höhe zur Verfügung. 6,5 Millionen Gulden wurden eingesammelt. Das entsprach damals dem Gegenwert von 64 Tonnen Gold.

 

Amsterdam wird zum Zentrum des Aktienhandels

Dass sich Geldgeber an Unternehmen beteiligten, war zwar nicht neu. Revolutionär war aber, dass die Anteile an der VOC relativ einfach an Dritte übertragen werden konnten. Die VOC gilt daher bis heute als Urahn der modernen Aktiengesellschaft. Angezogen von der Aussicht auf hohe Kursgewinne und üppige Dividenden entstand in der niederländischen Kapitale Amsterdam schon bald ein lebhafter Handel mit den VOC-Aktien. Zunächst unter freiem Himmel auf einer Brücke in Nähe des Hafens. Dann, ab 1611, in einem vom niederländischen Bildhauer und Architekten Hendrick de Keyser entworfenen Börsenkomplex mit einem riesigen Innenhof. Dort wurden neben VOC-Aktien auch Waren aller Art gehandelt. Platz dafür war genügend vorhanden. Bis zu 5.000 Menschen fasste das neue Börsengelände.

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