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Bundesverfassungsgericht Richterbund-Chef sieht Grenze bei Meinungsfreiheit im Netz erreicht

Nachrichtenagentur: Redaktion dts
09.11.2019, 10:43  |  723   |   |   
Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes (DRB), Jens Gnisa, hat die Frage aufgeworfen, ob die Grenzen der Meinungsfreiheit angesichts von Hass-Postings nicht zu weit gesteckt sind. "Das Bundesverfassungsgericht fasst die Meinungsfreiheit sehr weit, was ich grundsätzlich gut finde. Allerdings frage ich mich, ob wir angesichts des Internets die Grenzen der Meinungsfreiheit inzwischen nicht zu weit gezogen haben", sagte Gnisa dem "Westfalen-Blatt".

Früher habe die Devise gegolten, es sei besser, dass Bürger Dampf ablassen können, als dass sich da irgendetwas aufstaue. "Aber genau das haben wir heute: Die Menschen posten immer schlimmere Beleidigungen und verbale Angriffe in ihren Zirkeln, bekommen dafür Beifall, legen vielleicht nach, und alles schaukelt sich hoch. Wenn der Hass dann in Gewalt umschlägt, bleibt es nicht bei Äußerungen, sondern es kommt zu Taten wie dem Anschlag auf Regierungspräsident Walter Lübcke", so der Richterbund-Chef weiter. Auf die ungesühnten Beleidigungen gegen die Grünen-Politikerin Renate Künast angesprochen sagte Gnisa, der Richterbund habe "reichlich" Reaktionen von Bürgern bekommen. "Ich rate, die Ruhe zu bewahren und den Rechtsweg abzuwarten. Jetzt ist erst mal das Kammergericht als Beschwerdeinstanz gefragt", so Gnisa. Auch er bekomme Hass-Mails: "Nach jeder Talkshow, in der ich auftrete. Einer schrieb, er wünsche sich, dass meine Kinder umgebracht würden und der Täter einen milden Richter finde", so der DRB-Chef weiter. Auf die Frage, ob er so etwas anzeige, antwortete Gnisa: "Wenn ich mich intensiv um jede Zuschrift kümmern würde, bekäme ich meinen Tag nicht mehr organisiert. Letztens hatte ein sogenannter Reichsbürger bei Youtube ein Video eingestellt, in dem er sagte: `Ich liquidiere Gnisa.` Und nach einer Pause kam der Zusatz: `Natürlich nur verbal, im Gerichtssaal.`" Er habe daraufhin "nichts unternommen, und nach zwei Wochen hat der Mann nachgelegt und mich auf Youtube schwerer Straftaten bezichtigt", so der Richterbund-Chef weiter. Da habe er ihn angezeigt. "Aber ich habe mich auch gefragt, ob es zu der Eskalation gekommen wäre, wenn man den Mann schon nach dem ersten Video in die Schranken gewiesen hätte. Insofern ist es gut, dass die Bundesregierung gesetzlich festschreiben will, dass die Staatsanwaltschaft einen Auskunftsanspruch gegenüber Plattformbetreibern bekommt und ihr die Namen der Urheber genannt werden müssen", sagte Gnisa dem "Westfalen-Blatt".
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Kommentare

Naja,machen wir uns nichts vor,die Politiker nutzen das Netz viel zu gerne und lassen hier auch allzu gerne ihre Provokationen ab,es nutzt eben allen!
Man muss ja auch bedenken,wie oft sich die Politik im Netz selbst feiert,gerade,wenn es wieder zu groben Verwüstungen gekommen ist,wird immer wieder gern der "freiheitlich,demokratische Rechtsstaat" von einigen im Netz regelrecht "gefeiert",es erscheint sicher vielen als eine Art "Selbstkastration",wenn man den Bürger nicht bis zur Weißglut verspotten kann,das muss man also vorher bequem abwägen!^^

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