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Exklusiv im Interview SUMMIQ: „Ein klimafreundliches und nachhaltiges Investment mit attraktiven Renditechancen“

Nachrichtenquelle: 4investors
14.11.2019, 06:50  |  2181   |   

SUMMIQ, ein Betreiber von Wind- und Solarenergieparks, plant einen Börsengang am m:access in München. Die genauen Details sind bisher noch unbekannt, der Wertpapierprospekt muss noch genehmigt werden. Das Unternehmen hat aber schon deutlich gemacht, dass man über eine Kapitalerhöhung bis zu 100 Millionen Euro hereinholen möchte.

Vorstandschef Torsten Amelung und Finanzvorstand Frank Wolf erläutern im Interview mit unserer Redaktion die Hintergründe des geplanten IPOs. Die künftige Strategie der Manager wird ebenso thematisiert wie die internationale Expansion des Börsenkandidaten. SUMMIQ soll, so die Vorstände, ein verlässlicher Dividendenzahler werden, dessen Portfolio in fünf Jahren eine Größe von 1 GW haben soll.

Mit SUMMIQ kommt ein noch recht junger Betreiber von Solarenergie- und Windparks an die Börse, der bisher kaum jemandem bekannt sein dürfte. Können sie ihr Unternehmen in wenigen Sätzen beschreiben: Was haben sie bereits gemacht und was planen sie in den nächsten Jahren?

Amelung: SUMMIQ ist ein unabhängiger Produzent von Ökostrom in Europa. Wir kaufen, halten und betreiben Stromparks mit neuesten, effizienten Wind- und Solaranlagen und nutzen damit die Gelegenheit, dank günstiger Produktionskosten unabhängig von politischen Förderungen wirtschaftlich profitabel zu sein und in der Zukunft von steigenden Strompreisen profitieren zu können. Wir bedienen damit die steigende Nachfrage aus der Wirtschaft nach Strom aus nachhaltigen Energiequellen. Um unser Potenzial in der Stromvermarktung voll auszuschöpfen, werden wir perspektivisch unsere Parks um digitale Technologien und Speicherlösungen ergänzen.

Mit dem Börsengang gehen direkt die ersten drei Parks über, die auch bereits am Netz sind. Bis Ende 2020 übernehmen wir weitere Parks aus einer gesicherten Pipeline, die Ready-To-Build sind – das heißt, alle wesentlichen Genehmigungen zu Bau und Betrieb liegen vor, so dass wir dann 190 MW Gesamtleistung erreichen. Und wir werden weiter stark expandieren: Bis in fünf Jahren wollen wir auf insgesamt 1 GW Kapazität kommen.

Inwieweit ist die SDAX-notierte Encavis AG, die ja auch Solarenergie- und Windparks betreibt, ein Vorbild für SUMMIQ – auch was die Bewertung zum Börsengang angeht?

Amelung: Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen SUMMIQ und Unternehmen, die mit bereits bestehenden Portfolios an Solar- und Windparks arbeiten. Zentraler Punkt an dieser Stelle ist, dass die Produktionskosten bei den erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen sind. Bei Wind haben sich die Kosten von 2009 bis 2018 um rund 70 Prozent, bei PV sogar um rund 90 Prozent reduziert. SUMMIQ baut nun ein Gigawatt-Portfolio aus modernen Wind- und Solarparks auf. Weil wir mit diesen modernen Anlagen unseren Strom mit sehr geringen Kosten von durchschnittlich 0,05 EUR/kWh produzieren werden, sind wir im Vergleich zu konventionellen Energiequellen wettbewerbsfähig und vermeiden gleichzeitig mögliche Risiken aus politisch motivierten, willkürlichen, rückwirkenden Tarifänderungen oder Änderungen anderer Anreizsysteme. Und mehr noch: Während alte Parks teilweise am freien Markt gar nicht wirtschaftlich betrieben werden können, profitieren wir unmittelbar und in vollem Umfang von jeder Strompreissteigerung, die angesichts der zunehmenden globalen Stromnachfrage zu erwarten ist.

Wir sind damit ein Unternehmen, das von Anfang an den strukturellen Veränderungen auf den Energiemärkten Rechnung trägt und damit zu 100 Prozent zukunftsfähig ist. Aufgrund dieser fundamentalen Unterschiede ist auch der direkte Vergleich zu derlei Unternehmen eher schwierig.

In den letzten Wochen und Monaten gab es diverse schlechte Neuigkeiten aus dem Sektor der Erneuerbaren Energien, allerdings vor allem von Seiten der Anlagenbauer wie Senvion oder Enercon. Das neue Klimapaket der Bundesregierung kam auch nicht gerade gut an. Haben sie keine Bedenken, dass dies das Sentiment für den SUMMIQ-Börsengang zu sehr belasten könnte?

Amelung: Mitnichten! Und das gleich aus mehreren Gründen: Die beiden genannten Unternehmen sind Anlagenbauer im Bereich Windenergie. Sie weisen daher ein komplett anderes Risikoprofil auf als SUMMIQ. Wir kaufen moderne PV- und Wind-Anlagen ohne Entwicklungsrisiken an Bord zu nehmen, um dann Strom zu produzieren und diesen effizient zu vermarkten. Wir sehen natürlich, dass die Herausforderungen für Entwickler von Windkraftanlagen steigen könnten. Das sind wir aber nicht – und wir haben eine gesicherte Pipeline an Projekten von Green City, die bereits in verschiedenen Stadien der Entwicklung sind. Insgesamt sind das knapp 1 GW bis 2024.

Hier kommt auch unser Fokus auf Projekte mit einer Größe von 5 – 50 MW ins Spiel, denn in der Tat wird der Raum für die ganz großen Windprojekte knapp, bei Kapazitäten im mittleren Bereich gibt es aber sehr viel mehr Möglichkeiten. Zum anderen setzen wir perspektivisch einen klaren Schwerpunkt auf Solaranlagen. Das zeigt sich auch in der Struktur unserer Pipeline, die bis Ende 2021 zu drei Viertel aus PV-Kapazitäten besteht.

Insgesamt sehen wir als Unternehmen die Entwicklungen hinsichtlich politischer Unterstützung entspannt, da wir, wie dargestellt, einen fundamentalen Wandel auf dem Energiemarkt erleben, der den Erneuerbaren Energien zugutekommt. Die Erneuerbare Energie steht daher nach unserer Ansicht in Europa erst am Anfang einer dynamischen Entwicklung in den kommenden Jahren. Und zu guter Letzt haben natürlich die Investoren das letzte Wort. Immer mehr institutionelle wie auch private Anleger legen heute großen Wert darauf, dass ihr Investment nicht nur attraktive Renditechancen bietet, sondern auch klimafreundlich und nachhaltig ist. Wir bieten beides!

Sehen Sie die „Erneuerbaren” vor dem Hintergrund der politischen Trends hier in Deutschland hierzulande bedroht?

Amelung: Nein, natürlich nicht. Die Bundesregierung wie auch die Regierungen in unseren anderen Kernmärkten Spanien, Frankreich und Italien hat klargemacht, dass die Stromgewinnung aus Kohle und Atomkraft reduziert bzw. der Anteil aus Erneuerbaren Energien signifikant erhöht werden soll. Unabhängig von der Politik ist der Markt für Erneuerbare Energie in den vergangenen Jahren aber schlichtweg erwachsen geworden. Angesichts der gegebenen Wirtschaftlichkeit wird daher auch die Nachfrage das Angebot bestimmen. Und die Nachfrage wird steigen. Einerseits wird der Strombedarf insgesamt durch die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs und die Digitalisierung steigen. Andererseits, weil immer mehr große Unternehmen zertifizierten Ökostrom einkaufen, um ihren CO2-Fußabdruck zu verringern. Das heißt für uns: Langfristige Abnahmeverträge von 5 bis 10 Jahre, auch wenn es irgendwann keine gesetzlich garantierten Einspeisevergütungen mehr gibt. Damit sind unsere Umsätze langfristig planbar. Gleichzeitig sind die Kosten bei den Parks stabil, weswegen wir auch eine hohe Sicherheit beim Nettogewinn haben.

Wo sehen sie SUMMIQ in fünf Jahren?

Amelung: Dank unserer Kooperation mit Green City, einem deutschen Entwickler von Erneuerbaren Energieanlagen mit fast 20 Jahren Markterfahrung, haben wir Zugriff auf eine umfangreiche Pipeline an Projekten, so dass wir ein hohes Maß an Planungssicherheit bezüglich möglicher Akquisitionen haben. Wir planen bereits, bis Ende 2020 Projekte mit insgesamt 190 MW zu erwerben, die unseren strikten Investitionskriterien entsprechen. Bis in fünf Jahren soll das Portfolio auf etwa 1 GW anwachsen, genug um etwa 600.000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Wie sieht ihre aktuelle Aktionärsstruktur aus und wie viele SUMMIQ-Aktien gibt es derzeit, Stand vor dem IPO?

Wolf: Stand vor dem Börsengang hält die Green City AG alle Anteile der SUMMIQ, das sind 50.000 Aktien. Nach Abschluss des Börsengangs wird die derzeitige Alleingesellschafterin Green City voraussichtlich weniger als 1 Prozent der SUMMIQ-Aktien halten.

Was hat den Ausschlag für die Wahl der Börse München und hier den m:access als zukünftigen Handelsplatz der SUMMIQ-Aktien gegeben?

Wolf: Das war einfach: Zum einen sind wir ein Unternehmen aus München und damit ist die Münchener Börse für uns sehr nahe liegend. Zum anderen war es uns wichtig, dass auch Privatanleger an unserem Börsengang teilnehmen können. m:access bietet uns die Möglichkeit der Zeichnungsfunktionalität.

Sie wollen zum IPO zwischen 7,5 Millionen und 10 Millionen Aktien platzieren, alle aus einer Kapitalerhöhung bei SUMMIQ. Welche Pläne hat ihr Aktionär Green City AG nach dem Börsengang mit der SUMMIQ-Beteiligung, zumal ja eine enge Verbindung mit der Green City AG besteht, aus der SUMMIQ hervorgegangen ist, und zudem eine umfangreiche operative Kooperation geplant ist?

Wolf: Das ist richtig, die platzierten Anteile stammen komplett aus einer Kapitalerhöhung, der Börsengang ist also eine reine Wachstumsfinanzierung. Green City wird im Rahmen des Börsengangs keine neuen Aktien zeichnen. Für die bei Green City verbleibenden Aktien besteht eine Lock-up Vereinbarung über drei Jahre. SUMMIQ wird darüber hinaus bei Projektkäufen von der Green City AG, die im Rahmen der Kooperationsvertrags stattfinden, jeweils 5 Prozent des Preises in eigenen Aktien an die Green City bezahlen. Auch für diese Aktien besteht jeweils eine Lock-up Vereinbarung über drei Jahre ab der jeweiligen Transaktion.

Im Versorgersektor sind Dividenden ein wichtiger Faktor für Anleger. Sie selbst versprechen eine „attraktive Dividendenpolitik”. Was können sich die Anleger hierunter konkreter vorstellen? Werden sich die Dividendenrenditen an der Peer Group orientieren?

Wolf: Eine attraktive Dividendenpolitik heißt für uns, dass wir langfristig etwa die Hälfte des Gewinns als Dividende ausschütten wollen. Unsere Zielsetzung ist eine Rendite (IRR) auf Portfolioebene von ca. 6 Prozent bis 8 Prozent pro Jahr. Nach Kosten der SUMMIQ AG als Holding gehen wir von einer attraktiven Dividende für Investoren aus. Sollten die Preise für Ökostrom stärker steigen als bisher erwartet, etwa weil das Angebotswachstum nachlässt, besteht hier noch zusätzliches Potenzial.

SUMMIQs Wind- und Solarparkportfolio soll mit den erwarteten bis zu 100 Millionen Euro Emissionserlös in der Zeit bis Ende 2021 stark ausgebaut werden. Geplant sind mehr als 700 Megawatt gegenüber aktuell 28 Megawatt. Ist bereits für diese Phase hoher Investitionen mit Dividendenzahlungen zu rechnen, oder ab welchem Geschäftsjahr sollen die Ausschüttungen beginnen?

Wolf: Wir rechnen damit, dass wir bereits für das Geschäftsjahr 2020 eine erste Dividende zahlen können. Zur Finanzierung des Portfoliowachstums in der Anfangsphase planen wir eine Kombination aus Fremdkapital und weiterem Eigenkapital heranzuziehen.

In welchen Ländern und bei welchen Projekten wollen sie hier die Schwerpunkte setzen?

Amelung: Die Kernländer für unsere Investitionskriterien sind Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Diese Länder bieten ein attraktives Umfeld für unser Geschäftsmodell, mit einem stabilen regulatorischen Rahmen, günstigen Wetterbedingungen und attraktiven Vergütungsmöglichkeiten. Mindestens 80 Prozent des Portfolios sollen in onshore-Wind- und PV-Anlagen mittlerer Größe mit einer Kapazität zwischen 5 – 50 MW investiert werden.

Welche Vorteile sehen sie aus der Investition in kleinere und mittlere Kraftwerkparks?

Amelung: Kraftwerkparks mit 5 – 50 MW Kapazität sind zum einen groß genug, um effiziente Wartung und Betrieb zu ermöglichen. Wenn die Anlagen nämlich zu kleinteilig werden, steigen die laufenden Kosten zu sehr an. Zum anderen sind die notwendigen Flächen für Anlagen dieser Größenordnung aber auch verfügbar bzw. lassen sich zu akzeptablen Preisen entwickeln. Für größere Anlagen gibt es einen starken Wettbewerb der Käufer und nur wenig Möglichkeiten, auf denen sich solche Entwicklungen noch realisieren lassen. Daher unser Fokus auf diese Größen-Kategorie, die aus unserer Sicht eine wirtschaftliche Stromproduktion ermöglicht. Neben den Aspekten der Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit spielt aber natürlich auch die regionale und technologische Diversifikation eine zentrale Rolle – mit positiven Effekten auf das Chancen-/Risiko-Profil unseres Portfolios.

Sie wollen nicht nur in Kraftwerke investieren, sondern auch in Technologie. Wo sehen sie hier die besonderen Synergien mit dem eigentlichen Kerngeschäft und welche Vorteile erhoffen sie sich von Investitionen zum Beispiel in Speichertechnologien?

Amelung: Hier gibt es eine Reihe an Möglichkeiten, nicht zuletzt Speichertechnologie oder digitale Technologien wie ein virtuelles Kraftwerk. Das virtuelle Kraftwerk kombiniert verschiedene Stromquellen digital und erlaubt so eine bessere Vermarktung des Stroms. Ähnlich die Speichertechnologie, die es in Zukunft möglich machen könnte, Nachfragespitzen oder Produktionsspitzen bei Erneuerbaren auszugleichen. Damit verbessern wir wiederum unsere Möglichkeiten der Vermarktung des produzierten Stroms. Andere Möglichkeiten sind Technologien zur digitalen Überwachung und Steuerung der Anlagen im Portfolio, um Produktionskosten perspektivisch weiter zu optimieren.

Welche Rolle spielt das Konzept eines „virtuellen Kraftwerks” in ihren Planungen?

Amelung: Strategisch sehen wir das virtuelle Kraftwerk, ebenso wie andere Investitionen in Technologie, als Ergänzung zu unserem Portfolio an effizienten Energieparks. Das Kernportfolio wird auf Basis der Investitionskriterien so aufgebaut, dass es auch ohne die zusätzlichen Investitionen die Zielerträge bringt. Ergänzungen wie das virtuelle Kraftwerk sorgen für zusätzliches Upside-Potenzial.

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