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Forex-Report Fed: Das Pfeifen im Walde – Ignoranz des Faktischen nicht hilfreich! 

Gastautor: Folker Hellmeyer
14.11.2019, 11:19  |  840   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0997 (07:10 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0995 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108.72. In der Folge notiert EUR-JPY bei 119.55. EUR-CHF oszilliert bei 1.0887.    

Bevor wir uns heute mit Fakten befassen, ist eine Frage zu erörtern:

Die Eurozone wächst im laufenden Jahr voraussichtlich mit 1,2% (aktuelle IWF-Prognose). Das entspricht in etwa dem Potentialwachstumspfad laut EZB. Das Potentialwachstum ist das Wachstum, das ein Wirtschaftsraum langfristig ohne Verwerfungen erreichen kann. 

Laut dem IWF (Fiscal Monitor Oktober 2019) wird die Eurozone ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,9% des BIP in diesem Jahr ausweisen. 

Das BIP-Wachstum soll sich laut IWF in den USA 2019 auf 2,4% (IWF WEO 10/2019) stellen. Wo stünde wohl das Wachstum der Eurozone, wenn es hier wie in den USA ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,6% des BIP (IWF FM 10/2019) gäbe? 

Damit will ich deutlich machen, dass der qualitative Aspekt in einer komplexen Betrachtung massiv gegen die USA und für die Eurozone spricht. Das gilt noch mehr, wenn man die Konsum- und Unternehmensverschuldungsdynamiken in den USA mit in Betrachtung zieht.

Fakt ist bei einer realistischen Betrachtung, dass die selbsttragenden Kräfte in der US-Wirtschaft unausgeprägt sind. Die sind in der Eurozone ungleich stärker. Das Ausblenden dieses Aspekts in Politik und an Märkten lindert dieses Problem nicht ansatzweise.  Das Ausblenden ist aber fraglos unsere unprofessionelle Realität.

Im Gegenteil wird durch die asymmetrische politische Wahrnehmung und mangelnde Diskontierung an Märkten das Problem und die Form der Anpassung durch Neubewertungen im Zeitverlauf verschärft, denn es wird kein Handlungsdruck aufgebaut, dieses strukturelle Problem in den USA auszuräumen.

Warum thematisieren wir das heute? Es ist erforderlich, da wir von der Federal Reserve das „Pfeifen im Walde“ vernehmen. Bekanntlich ist diese Übung nicht notwendig Ausdruck einer souveränen Position der Stärke, sondern im Gegenteil ein Ausdruck von Schwäche. Wir kennen das aus der jüngeren Geschichte der Federal Reserve mit dem Missbrauch des Themas neuer Paradigmen oder der steilen These vor 2007/2008 „The crisis is contained“. 

Fakt ist, dass die Märkte aus den Erfahrungen mit der Federal Reserve im neuen Jahrtausend nicht gelernt haben oder nicht lernen wollen oder gar nicht lernen sollen.  
Gestern gab es Gerüchte, dass die Handelsgespräche zwischen Peking und Washington stocken sollen. Dieser Handelskonflikt tut allen Beteiligten weh. Hinsichtlich der qualitativen Lage der US-Wirtschaft sind die perspektivischen Risiken für die USA nach unserer Analyse ungleich größer als die für China.

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