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ROUNDUP 4 Neue Thyssenkrupp-Chefin zieht die Zügel an - Sanierung trifft alle

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
21.11.2019, 15:51  |  361   |   |   

(neu: Aktualisiert mit Zahlung für Kerkhoff im 5. Absatz.)

ESSEN (dpa-AFX) - Hohe Verluste, keine Dividende und möglicherweise ein stärkerer Personalabbau als geplant: Bei Thyssenkrupp wird es unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Martina Merz ungemütlich. "So wie bisher kann es nicht weitergehen", kündigte Merz am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz des angeschlagenen Stahl- und Industriekonzerns an. Thyssenkrupp habe sich in der Vergangenheit "durchgewurschtelt", statt die Probleme "konsequent und ernsthaft anzugehen". Treffen wird der neue Kurs alle: Mitarbeiter, Manager, Aktionäre.

Zwei bis drei Jahre veranschlagt Merz für die Sanierung des Traditionsunternehmens mit seinen weltweit mehr als 160 000 Mitarbeitern. Doch das kostet zunächst einmal, einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag hat der Konzern für den Umbau reserviert. Für eine erwartete Kartellstrafe sind 370 Millionen Euro zurückgelegt. Da auch der konjunkturelle Rückenwind fehlt, wird der Konzern im neuen Geschäftsjahr 2019/20 noch tiefer in die Verlustzone rutschen. Im abgelaufenen Jahr hatte Thyssenkrupp unter dem Strich ein Minus von 304 Millionen Euro eingefahren.

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Die Aktie brach am Donnerstag zwischenzeitlich um mehr als 14 Prozent ein, zuletzt lag sie noch knapp 13 Prozent im Minus. Der Industriekonzern bleibe in schwierigem Fahrwasser und stehe vor harten Zeiten, schrieb Analyst Christian Obst von der Baader Bank in einer ersten Reaktion. Der Ton des Industriekonzerns sei mit Blick auf eine beschleunigte Restrukturierung deutlich strenger gewesen als zuvor, kommentierte Jefferies-Analyst Alan Spence.

Merz hatte erst am 1. Oktober das Ruder in Essen übernommen - nach turbulenten Jahren für Thyssenkrupp mit Chefwechseln, dem Verbot der Stahlfusion mit dem Konkurrenten Tata durch die EU, der abgesagten Konzernteilung und schließlich dem Abstieg aus dem Dax . Bei ihrem ersten Auftritt auf großer Bühne zog die Ingenieurin eine vernichtende Schlussbilanz der Arbeit ihrer Vorgänger. "Nicht zufriedenstellend", "viel zu wenig in der Umsetzung", "weit hinter den Ansprüchen zurück", "Zeit mit anderen Themen verbracht" - Merz hängte Kritikpunkt an Kritikpunkt.

Bei ihrem Vorgänger Guido Kerkhoff, den Merz als Aufsichtsratsvorsitzende kontrolliert hatte, klang die Kritik am eigenen Unternehmen ähnlich. Kerkhoff, dessen Vertrag vier Jahr vor Ablauf aufgelöst worden war, hat eine Ausgleichszahlung von knapp 6,4 Millionen Euro sowie weitere Zahlungen von 580 000 Euro erhalten, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht.

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