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Lebensart & Kapital Dänemark: Land mit Wohlfühlfaktor - Hyggelig, wie die Dänen sagen

06.12.2019, 20:05  |  965   |   |   

Platz 2 im World Happiness Report 2019 der Vereinten Nationen zur Lebenszufriedenheit, ebenfalls Rang 2 bei der von der OECD ermittelten Work-Life-Balance, Platz 10 mit 60.692 USD unter den Ländern mit dem größten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Jahr 2018 und Rang 8 für die Hauptstadt Kopenhagen bei dem vom Beratungsunternehmen Mercer erstellten Quality of Living City Ranking. Damit erbrachte Dänemark einen starken Leistungsnachweis, was auch deshalb eindrucksvoll ist, weil das Land nur rund 5,8 Mio. Einwohner zählt und flächenmäßig mit 42.920 Quadratkilometern in Skandinavien am kleinsten ist.

Jürgen Büttner, Autor von Smart Investor der wallstreet:online-Partnerredaktion, stellt in unserer losen Artikelreihe über interessante Ziele für Auswanderer, Dänemark vor:

Starke Umfrage- und Studienergebnisse

Unter dem Strich scheinen die genannten Erhebungen fast wie gemacht zu sein für eine dänische Bewerbung als geeignetes Zielland für Auswanderungswillige – zumal die Leistungsdaten auch in anderer Hinsicht stimmen. Die Dänen erreichten beispielsweise den ersten Rang im Corruption Perceptions Index, was ihnen in moralischer Hinsicht eine Top-Note bescheinigt.

Für eine vergleichsweise gut funktionierende Gesellschaft sprechen zudem weiche Daten zur Volkswirtschaft. So hat Dänemark beim "Ease of Doing Business 2019 Index" der Weltbank Rang 3 inne und beim "Global Competitiveness Report 2018" des Weltwirtschaftsforums Platz 10. Wichtig dabei: Die digitalen Fähigkeiten der Bevölkerung sind als sehr gut einzustufen und Niveau wie auch Qualität der Konnektivität als hoch. Jedenfalls gehört das Land mit Platz 8 zu den Top Ten der für das Digitalzeitalter am besten gerüsteten Volkswirtschaften weltweit. Indirekt trug das vermutlich auch zur Entwicklung Dänemarks zu einer bargeldlosen Gesellschaft bei.

Gemütlichkeit wird großgeschrieben

Die Dänen sind aber nicht nur technikaffin, sondern sie verfügen auch über ausgeprägte soziale Kompetenzen. Diese These belegt unter anderem die Existenz des Wortes „Hygge“ (gesprochen Hügge) und dessen große Bedeutung im Alltagsleben. Der Begriff ist inzwischen sogar im Duden enthalten und wird dort als Gemütlichkeit und Heimeligkeit als Lebensprinzip definiert. Zum Ausdruck kommt die damit verbundene Grundhaltung unter anderem darin, sich Zeit für einen kleinen Plausch zu nehmen. Zudem genießen Familie und Freunde einen recht hohen Stellenwert.

Laut psychologischen Erklärungsansätzen spiegelt Hygge die Werte der dänischen Gesellschaft wider: Deren Grundpfeiler stellen ein Gleichheitsdenken und das Wohlergehen aller dar. Vor diesem Hintergrund ist auch ersichtlich, warum die Dänen eine sehr hohe Steuerlast (Einkommensteuersatz von in der Spitze 56%) williger akzeptieren, als das zumeist anderswo der Fall ist. Das wiederum hat mit der Einsicht zu tun, dass der Staat die Steuergelder wieder zurückzahlt – etwa in der Form eines breiten sozialen Netzwerkes (steuerfinanziertes Gesundheitssystem), einer soliden Infrastruktur (unter anderem zählt hierzu ein Radwegenetz von 12.000 Kilometern) sowie eines guten Bildungssystems (kostenloses Studieren).

Relativ homogene Konsensgesellschaft vs. …

Insgesamt ist bei den Dänen ein sehr hohes Maß an Sozialvertrauen zu konstatieren. Die Menschen vertrauen sowohl einander als auch Institutionen wie Regierung, Monarchie, Krankenhäusern und Polizei. Zum weit verbreiteten gesellschaftlichen Konsens zählen zudem der Wille, einer Arbeit nachzugehen, und die Motivation, sich bis ins hohe Alter in irgendeiner Form weiterzubilden. Die Grundidee dahinter ist, dass jeder zur Gemeinschaft beitragen muss und diese sich im Gegenzug im Bedarfsfall um Einzelne kümmert.

Diese gesellschaftlichen Wesenszüge tragen dazu bei, dass die finanzielle Ungleichheit im internationalen Vergleich eher gering ausfällt. Wer als Ausländer einer Arbeit nachgeht, kann die Vorzüge des Sozialstaates ebenfalls genießen. Im Alltagsleben kann aber Hygge dazu führen, dass es Außenstehenden und Neuankömmlingen eventuell nicht leicht fällt, sich wirklich dazugehörig zu fühlen. Beim Überwinden dieser Barriere helfen sicherlich dänische Sprachkenntnisse. Diese zu erwerben ist vermutlich nicht ganz leicht, aber nunmal Pflicht – und Sprachkurse sind staatlich gefördert. Für die Genehmigung des Gratisunterrichts ist übrigens die Existenz der CPR-Identitätsnummer wichtig, ohne die – wie etwa bei der Kontoeröffnung – auch sonst nicht viel geht. Wie in Skandinavien üblich, sind die Dänen ansonsten zwar sprachbegabt und beherrschen zumindest oft sehr gut Englisch, aber für eine gelungene Integration sind Kenntnisse der Landessprache letztlich unerlässlich.

... Skepsis gegenüber Autoritäten und alten Weisheiten

Einstellen müssen sich Zuwanderer auch auf relativ hohe Lebenshaltungskosten. Teuer sind beispielsweise Besitz und Unterhalt eines Autos. Vielleicht nutzen auch deshalb so viele Dänen das Fahrrad als Fortbewegungsmittel. Speziell für Sonnenanbeter dürfte auch das Klima ein Problem sein, denn die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt nur 7,7 Grad. Hinzu kommen häufige und schnelle Wetterwechsel. Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass die Nacht etwa in Kopenhagen im Dezember fast 17 Stunden dauert. Die Dänen selbst hält alles das aber nicht davon ab, Zeit im Freien und in der Natur zu verbringen. Speziell für Wassersportler sind dafür auch die sonstigen Bedingungen sehr gut – schließlich gibt es eine mehr als 7.300 Kilometer lange Küste, über 400 Inseln, zahlreiche Fjorde sowie 600 Seen.

Gefallen an dem Land dürften aber nicht nur Wassersportler finden, sondern beispielsweise auch kritische und unabhängige Freigeister. Denn diese dürften Spaß daran haben, dass die Hierarchien auch im Berufsleben flach sind: Zumeist wird geduzt statt gesiezt und die Dänen bringen in der Regel auch eine sehr positive und lockere Grundeinstellung mit. Außerdem dürften sie mit Freude registrieren, dass die Dänen zur Infragestellung von Autorität und konventionellen Weisheiten erzogen werden. Das fördert das Innovationsdenken und erklärt vermutlich mit, warum das kleine Land führend ist in Bereichen wie Design, Umweltwissenschaften, Pharmazeutika, Biomedizin, Lebensmittel und Landwirtschaft.

Autor: Jürgen Büttner / Smart Investor

(Diese Analyse aus der Smart Investor-Ausgabe 07/19 bezieht sich auf Daten, die bis zum 29.06.2019 erfasst wurden.)

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