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Österreichische Schule Kalter Kaffee von vorvorgestern oder Schlüssel zur echten finanziellen Freiheit?

25.11.2019, 16:24  |  1358   |   |   

„Es tut mir Leid, aber die Österreichische Schule ist von vorvorgestern. Die haben leider gar keine Ahnung von Geld“, schrieb der wallstreet:online-User hevo0001 unter unseren Artikel über die Österreichische Schule. Ralf Flierl (Foto), Chefredakteur von Smart Investor, der wallstreet:online-Partnerredaktion, ist anderer Meinung als unser geschätzter Leser hevo0001. Interview mit einem Experten:

wallstreet:online: Lieber Kollege, ich hatte gestern ein Interview mit dem Aktien Instagram-Influencer „Dividente“. Wir erklärt man der „Generation Z“ die „Österreichische Schule“?

Ralf Flierl: Die Österreichische Schule könnte man stundenlang erklären. Da es die Generation Z aber gewohnt ist, es kurz und bündig serviert zu bekommen – das Lesen von Büchern ist bei den jüngeren Menschen ja eher außer Mode gekommen – möchte ich zwei ganz kurze Definitionen geben, die ich vor Jahren auf einem Kongress erhielt. Dort fragte ich zwei renommierte Vertreter dieser Denkrichtung, wie sie die Österreichische Schule mit einem Satz oder sogar mit einem Wort beschreiben würden. Die erste sagte: „Gesunder Menschenverstand“, der zweite: „Die Lehre von den Anreizen“.  Beides trifft den Nagel auf den Kopf.

wallstreet:online: Okay, aber das ist jetzt sehr abstrakt. Was heißt das konkret?

Ralf Flierl: Die Österreichische Schule beschäftigt sich in erster Linie mit dem Handeln der Menschen – man nennt das auch Praxeologie. Daraus werden dann die wirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen Phänomene erklärt, also sozusagen von unten nach oben.

wallstreet:online: Ein Beispiel?

Ralf Flierl: Nehmen wir den Inhaber eines  kleinen Cafés mit drei Angestellten und fünf Teilzeitkräften. Im Gegensatz zu früher muss er heute sehr viel mehr Aufwand für Bürokratie betreiben und zudem einen immer höheren Anteil seines Umsatzes für Steuern, Gebühren und Sozialabgaben berappen. Seine Motivation wird dadurch sinken und die seiner potenziellen Nachfolger, z.B. Kinder, sowieso. Der wirtschaftliche Trend, der sich aus dieser Konstellation ergibt ist, dass die kleinen Cafés bzw. allgemein die kleinen Unternehmen mehr und mehr verschwinden. Das bedeutet, dass die Wirtschaft von immer größeren Unternehmen dominiert wird, in unserem Beispiel sind es die eher unpersönlichen Café-Ketten. Mit allen bekannten Folgen wie z.B. Verringerung des Wettbewerbs,  unpersönlichere Arbeitsplätze, kurzum: Das Unternehmertum verschwindet.

wallstreet:online: Ok, verstanden, aber mal konkret: Inwiefern lohnt es sich für Anleger, die „Österreichische Schule“ in das Denken aufzunehmen?

Ralf Flierl: Das Zentralbank-initiierte heutige Geldsystem beruht darauf, dass die Menge des Geldes sich ständig ausweitet, und zwar viel schneller als die Menge der produzierten Güter. Ein Anleger sollte sich also tunlichst von Investments mit Geldcharakter fernhalten, das wären in erster Linie Anleihen, aber auch Sparbücher. Aktien oder Edelmetalle, vielleicht auch Kryptowährungen, sind dagegen als Investments besser geeignet.  Der deutsche Anleger tut aber genau das Falsche!

wallstreet:online: Wer sind aus Deiner Sicht die drei prominentesten Vertreter der „Österreichischen Schule“, die man als Anleger auf dem Schirm haben sollte?

Ralf Flierl: Es gibt eine Reihe von wichtigen Vertretern der Österreichischen Schule. Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises sind aber sicherlich die namhaftesten. Für den Einsteiger in diese Materie würde ich den Buchautor Roland Baader empfehlen, der diese Thematik sehr einfach und verständlich präsentiert. Sein Bestseller „Über Geld, Gold und Gottspieler“ ist eine sehr lohnende Einstiegslektüre.

wallstreet:online: Smart Investor beschäftigt sich häufig mit Fragen und Antworten der Vertreter der „Österreichischen Schule“. Ist Smart Investor so etwas wie das Haus- und Hof-Medium der „Österreichischen Schule“? Wie steht‘s mit der Berichterstattung über Gegner der „Österreichischen Schule“? Welche sind das eigentlich?

Ralf Flierl: Haus- und Hof-Medium finde ich übertrieben, das wäre eher das Magazin „eigentümlich frei“. In jeder Smart Investor Ausgabe gibt es eine Rubrik „Österreichische Schule“, in welcher wir verschiedenste Themen aus diesem Blickwinkel betrachten. Allerdings zieht sich das „österreichische Gedankengut“ natürlich durch das ganze Heft, z.B. bei der Beurteilung von politischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen.

wallstreet:online: Und zum Schluss, lieber Kollege, bitte ich um Antwort auf eine persönlichere Frage: Wenn Du Redaktionsschluss hast und der neue Smart Investor schon im Druck ist, wohin zieht es Dich dann? Auf die Couch mit einem Schmöker oder wie sieht „richtig Feierabend machen“ bei Dir aus?

Ralf Flierl: Die Schlussredaktionsphase unseres Monatsheftes erstreckt sich über drei volle Tage, in welchen die Anspannung und das Arbeitspensum enorm sind. Wenn alles rum ist, genieße ich die Ruhe zuhause zusammen mit meiner Frau, die in den drei Tagen zuvor nicht wirklich viel von mir hatte.

wallstreet:online: Ralf, danke Dir für das Interview!

Das Interview führte Christoph Morisse.

Kurzvita von Ralf Flierl

Der 1965 bei Regensburg geborene Ralf Flierl studierte an der Münchner Universität Betriebswirtschaftslehre. Nach mehreren Tätigkeiten als Analyst und Research-Leiter gründete er im  Jahr 2003 das Magazin Smart Investor, dessen Chefredakteur er seitdem ist. Smart Investor sieht sich als Magazin für den anspruchsvollen und erfahrenen Investor.  Die immer wiederkehrenden Themen darin sind z. B. Value-Investieren, Small Caps und Österreichische Schule.

Die wallstreet:online-Partnerredaktion Smart Investor blickt auf 20 Jahre Erfahrung der Börsen-Berichterstattung zurück. Die Fachjournalisten liefern exklusive Hintergrund-Analysen und verwalten ein Musterdepot mit weit über plus 200 Prozent - Smart Investor-Informationen sichern und vermehren Ihr Vermögen. Mehr Informationen unter www.smartinvestor.de

 



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