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Überflieger und Performancekiller Smart Investors mit Stil: Ehrlicher Rückblick - Was haben Aktien-Tipps 2019 gebracht?

11.12.2019, 16:42  |  14013   |   |   

Im Nebenwertebereich liegen Erfolgsstorys und große Enttäuschungen nah beieinander. Das zeigt auch der schonungslos ehrliche Rückblick auf einige der Smart Investor-Nebenwerte-Empfehlungen des letzten Jahres. Marcus Wessel, Gastautor bei Smart Investor, der Partnerredaktion von wallstreet:online, fasst zusammen:

 

IT-Superstars

Ganz vorne in unserem Nebenwerteranking des Jahres 2019 steht die Aktie des Verkehrslogistikspezialisten IVU (IK). Die IT-Lösungen der Berliner optimieren und steuern große Bus- und Bahnflotten, ÖPNV-Netze und Fahrgastbewegungen. Mit der Software IVU.rail zählt das Unternehmen im Bahnbereich zu den Taktgebern der Branche. Ein 15-Jahres-Auftrag der DB Bahn Fernverkehr gab den Startschuss zu einer eindrucksvollen Kursrally. Hinzu kam die Beteiligung von Daimler Buses, die sich mit rund 5% bei IVU einkauften. Zusammen wollen beide Partner neue Mobilitätslösungen für den ÖPNV entwickeln. Im Zuge der Verkehrswende dürften sich die Auftragsbücher weiter füllen.

IVU Traffic Technologies

Die Digitalisierung lässt sich kaum aufhalten – ebenso wenig wie die Unternehmen, welche die dafür dringend benötigten Produkte anbieten. Fabasoft aus Österreich ist so eines. In den letzten Jahren hat die Gesellschaft ihr gut laufendes Geschäft im Bereich des elektronischen Dokumentenmanagements um innovative Cloudanwendungen erweitert. Diese sind längst Fabasofts Wachstumsmotor (Umsatz: +26% im Geschäftsjahr 2019/20; EBIT: +68%). Mit der Tochter Mindbreeze, die mit ihren Enterprise-Search- und Big-Data-Lösungen große Markterfolge feiert, ist Fabasoft zudem an einem potenziellen Börsenkandidaten mehrheitlich beteiligt.

Ein weiterer Megatrend ist das Outsourcing von IT-Dienstleistungen. Davon profitiert der IT-Spezialist DATAGROUP (IK), dessen Komplettlösung Corbex vor allem mittelständische Unternehmen und Behörden beim Betrieb ihrer IT-Landschaften unterstützt. Hierzu schließen Datagroups Kunden meist lang laufende Serviceverträge ab, welche aufseiten des IT-Dienstleisters zu planbaren, wiederkehrenden Einnahmen führen. Das organische Wachstum baute der Vorstand im Zuge seiner Buy-and-Build-Strategie durch gezielte Zukäufe nochmals aus. Voraussichtlich Ende November dürfte über ein weiteres Rekordjahr berichtet und ein positiver Ausblick gegeben werden.

Auf ein Rekordjahr steuert auch Mensch und Maschine (MuM) zu. Der Spezialist für Computer-Aided Design (CAD) ist einst als Autodesk-Distributor gestartet und inzwischen einer der in Europa führenden Anbieter von CAD-Lösungen. Mithilfe von CAD lassen sich Gebäude planen und neue Produkte entwerfen. Firmenchef Adi Drotleff ist bekannt für seine umsichtige Expansionsstrategie. Die zum Jahreswechsel 2018/19 vollzogene Übernahme des BIM-Anbieters SOFiSTiK war ein cleverer Schachzug. Schon heute stellt Drotleff für das Jahr 2020 deutliche Zuwächse bei allen Kennziffern sowie eine nochmals höhere Dividende in Aussicht.

Maschinen- und Häuslebauer

Die Baubranche zählt nicht nur hierzulande zu den Stützen einer zunehmend schwachen Konjunktur. Entsprechend positiv verlief bislang das Geschäft der in Feldkirchen bei München beheimateten STEICO. Der Spezialist für Holz- und Hanffaserdämmstoffe profitiert darüber hinaus vom Trend zum ökologischen Bauen sowie den in den Vorjahren getätigten Kapazitätserweiterungen. 

So steigt ebenfalls die Nachfrage nach Stegträgern und Furnierschichtholz. Holz ersetzt als Baustoff zunehmend Materialien mit einer schlechteren Ökobilanz. Ein Plus von rund 30% seit Jahresbeginn ist Ausdruck einer mehr als soliden operativen Entwicklung.

LPKF Laser & Electronics

Weiter auf Turnaroundkurs befindet sich der Hightechmaschinenbauer LPKF Laser. Tatsächlich laufen die Geschäfte so gut, dass der Vorstand erst im September gegen den allgemeinen Trend die Prognosen deutlich anhob. Die laserbasierte Technologie der Niedersachsen erlaubt es der Elektronikindustrie, die zunehmend kleineren Bauteile präziser und schneller zu bearbeiten. Dieser Megatrend lässt sich selbst durch Handelskonflikte kaum aufhalten. Auch das dritte Quartal schloss LPKF nun über den Erwartungen ab. Das Ziel einer EBIT-Marge von 14% könnte daher schon im laufenden Jahr erreicht werden.



(Hinweis auf Interessenkonflikt - "IK": Ein im Text oder in der Tabelle oben mit "IK" gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt der Erscheinung der Smart Investor-Ausgabe 12/19 von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.)

Stabilitätsanker

Besser als erwartet laufen die Geschäfte auch bei der Berliner Medios. Auf dem milliardenschweren Healthcare-Markt hat sich das Unternehmen erfolgreich als Händler und Anbieter von sogenannten Specialty-Pharma-Arzneimitteln positioniert. Dahinter verbergen sich individualisierte Medikamente für Patienten mit seltenen oder chronischen Erkrankungen. Medios übernimmt den Großhandel, die Logistik und die Zubereitung der Arzneimittel. Das rasante Wachstum der Konzernumsätze – von 133 Mio. EUR im Jahr 2016 auf über 500 Mio. EUR 2019 – erklärt sich mit der steigenden Zahl der von Medios belieferten Apotheken.

Wortwörtlich wie auf Schienen laufen die Geschäfte beim Logistikinvestor Aves One. Nach mehreren geschickten Übernahmen liefert inzwischen die Vermietung von Güterwaggons den größten Beitrag zu Umsatz, Cashflow und Gewinn. Das Volumen der vom Unternehmen gehaltenen Logistikassets – hauptsächlich Schienenwaggons – dürfte bis Jahresende auf 1 Mrd. EUR anwachsen. Damit wäre die Basis für einen weiteren EBITDA-Anstieg im Jahr 2020 gelegt. Das Geschäft erwies sich im Übrigen auch in früheren Konjunkturzyklen als recht stabil. Aves One schließt über seine Waggonflotte nämlich meist langjährige Mietverträge ab. So liegt die Restlaufzeit derzeit im Durchschnitt bei rund 2,5 Jahren. Das günstige Refinanzierungsumfeld und die Cashflowstärke erlauben zudem weitere Assetkäufe.

Enttäuschungen in Serie

Zur Wahrheit eines Nebenwerteinvestments gehören aber auch Rückschläge und Enttäuschungen. Das zeigt die Entwicklung unserer Goodbye-Besprechungen Manz (Ausgabe 2/2019) und technotrans (Ausgabe 5/2019). Für Erstgenannten brachten die vergangenen Jahre vor allem operative Verluste. Während andere Maschinenbauer glänzend verdienten, blieb bei den Schwaben am Ende nie etwas hängen. Im Sommer folgte dann die fast schon obligatorische Umsatzwarnung infolge weiterer Auftragsverschiebungen. Immerhin ging Ende Oktober schließlich der lang ersehnte Großauftrag im Bereich Energy Storage ein. Manz wird für 20 Mio. EUR neue Anlagen zur Herstellung gewickelter Lithium-Ionen-Batteriezellen liefern – immerhin ein Lichtblick.

technotrans leidet hingegen unter der konjunkturbedingten Abkühlung in vielen wichtigen Kundensegmenten wie der Druck- und Automobilindustrie. Weitere Probleme bereitet die Tochter gwk, wo unerwartete Kapazitätseinschränkungen auftraten. Am Ende musste der Vorstand bereits zum zweiten Mal das Umsatz- und Ergebnisziel für 2019 deutlich zusammenstreichen. Die Erlöse sollen danach auf 205 Mio. EUR (Vj.: 216 Mio. EUR) zurückgehen. Beim EBIT wurde die Messlatte auf eine Spanne von 7,6 Mio. bis 8,4 Mio. EUR gesenkt. Ursprünglich war technotrans hier von einem Wert zwischen 17,5 Mio. und 19,0 Mio. EUR ausgegangen.

Schwierige Kandidaten

Die Lage bei der Kölner Restaurantkette Vapiano hat sich innerhalb eines Jahres dramatisch verschlechtert. Waren es anfangs nur schwache Umsatzzahlen einzelner Restaurants, so kämpft man längst gegen tief greifende strukturelle Probleme, wachsende Schulden und ein Negativimage. Abzulesen ist diese Misere am Aktienkurs, der seit Ende 2017 um satte 80% zurückgekommen ist. Ziel der nun eingeleiteten Sanierung ist es, im Jahr 2021 in die Gewinnzone zurückzukehren. Auf die neue Chefin, Vanessa Hall, wartet noch viel Arbeit.

Weit weniger dramatisch ist die Lage beim Waschanlagenbauer WashTec. Dennoch mussten sich die erfolgsverwöhnten Aktionäre zuletzt eher an schlechte Nachrichten gewöhnen. Ein schwaches Großkundengeschäft veranlasste den Vorstand zu einer erneuten Prognosesenkung. So dürfte die operative Marge von 12% im vergangenen Jahr auf 9% sinken. Immerhin will das Unternehmen seine Umsätze stabil halten. Auch würden die eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen bereits erste Erfolge zeigen, so WashTec. Damit könnte sich die Ertragslage bereits 2020 wieder verbessern.

Fazit

In einem Jahr, das lange Zeit durch wiederkehrende politische Störfeuer und Konjunktursorgen bestimmt war, haben dennoch viele Nebenwerte an die erfreuliche Entwicklung der Vorjahre anknüpfen können. Gleichzeitig häuften sich Umsatz- und Gewinnwarnungen. Der Markt wurde selektiver und damit auch schwieriger. Mit Blick auf 2020 ist zunächst keine Änderung zu erwarten.

Autor: Marcus Wessel / Smart Investor

(Diese Analyse aus der Smart Investor-Ausgabe 12/19 bezieht sich auf Daten, die bis zum 23.11.2019 erfasst wurden.)

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