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Sparen Experte: Alte Sparbücher als Wunderwaffe gegen Strafzinsen-Virus

09.12.2019, 13:53  |  8650   |   |   

Immer mehr Banken und Sparkassen verlangen für die Verwahrung von Spareinlagen Strafzinsen. Ausgerechnet altbackene Sparbücher schützen davor. Verbraucherschützer erklären wieso:

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, erklärte exklusiv gegenüber wallstreet:online: „Alte Sparbücher sind Geldanlagen, hier können Sparer nicht über eine AGB Änderung dazu verpflichtet werden, Entgelte zu bezahlen. Aber auch bei neuen Sparbüchern mit dreimonatiger Kündigungsfrist sind Verwahrentgelte unseres Erachtens klar unzulässig. Sparbuch und entgeltpflichtiger Verwahrvertrag, das sind zwei unterschiedliche Vertragstypen. Die Kündigungsfrist würde hier überdies darauf hinauslaufen, dass der Sparer sogar weitere drei Monate zahlen müsste für die Verwahrung seines Geldes, nachdem er gekündigt hat.“

Banken dürfen nicht nur keine Negativzinsen auf Sparbücher verlegen, sondern in den meisten Bundesländern ist per Gesetz sogar „eine Eins an einer bestimmten Stelle nach dem Komma erforderlich“, erklärte der Sparkassen- und Giroverband gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ). Das ist zwar sehr wenig, aber Plus 0,001 Prozent Zinsen ist in jedem Fall besser als -0,50 Prozent Strafzinsen.

Negativzinsen widersprächen in den meisten Fällen auch den Sparkassengesetzen und -verordnungen der jeweiligen Bundesländer, hatte Finanzwächter Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen bereits im November 2019 gegenüber wallstreet:online erklärt. So heißt es beispielswiese im bayrischen Sparkassengesetz, dass die Sparkassen die Aufgabe haben „der Bevölkerung Gelegenheit zur sicheren und verzinslichen Anlegung von Ersparnissen und anderen Geldern zu geben“.

Das Sparbuch ist noch immer die am meisten genutzte Geldanlageform der Deutschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Statistikportals Statista vom Mai dieses Jahres. Rund 45 Prozent der Befragten gab an, dass sie ein Sparbuch bzw. Spareinlagen zur Geldanlage nutzen. Investmentfonds werden laut der Studie lediglich von 22 Prozent der Befragten als Möglichkeit zur Geldanlage genutzt. Nur 15 Prozent der Befragten gaben an in Aktien zu investieren.

Das Guthaben, das auf deutschen Sparbüchern liegt, habe sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt, berichtet die SZ und beruft sich auf Zahlen der Bundesbank. 2009 seien es nur rund 95 Milliarden Euro gewesen, heute sind es bereits 223 Milliarden. Sondersparformen, die auch zu den Sparbüchern zählten, seien dabei noch nicht eingerechnet. Rechnet man diese noch mit ein, läge der Wert heute sogar bei 542 Milliarden Euro. Das entspricht immerhin fast neun Prozent des gesamten privaten Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland.

Autor: Ferdinand Hammer



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Der P.T. Autor sollte beim Thema Sicherheit aber auch die dreimonatige Kündigungsfrist thematisieren. In einer vielleicht bald kommenden Hyperinflation kann der Kunde möglicherweise erst dann zu seinem Geld, wenn es schon wertlos geworden ist.....

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