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Reisebericht aus China „Wir werden die letzten Verteidiger des Kapitalismus sein“

Gastautor: Rainer Zitelmann
27.12.2019, 08:00  |  2654   |   |   

Dr. Dr. Rainer Zitelmann beim Vortrag an der Peking Universität in Shenzhen vor 800 Studenten

Die Provinz Guangdong mit der Hauptstadt Guangzhou ist traditionell Vorreiter bei den marktwirtschaftlichen Reformen in China gewesen. In diesem Gebiet, in dem es das ganze Jahr über warm oder heiß ist, leben 110 Millionen Menschen und hier herrscht ein besonderer unternehmerischer Spirit.

Deng Xiaoping, der Vater der marktwirtschaftlichen Reformen, besuchte im Januar 1992 die Sonderwirtschaftszone Shenzhen und gab Interviews, die überall in China beachtet wurden. Er verbrachte fünf Tage in Shenzhen und war selbst über das Ausmaß des Wandels erstaunt, da er seit 1984 nicht mehr dort gewesen war. Er war beeindruckt von Prachtalleen, gläsernen Hochhäusern, quirligen Einkaufsstraßen und einer schier endlosen Zahl an Fabriken. Die Menschen waren modisch angezogen, besaßen schicke Armbanduhren, Kameras und andere höher wertige Konsumartikel. Das Einkommen lag drei Mal höher als im übrigen China. Dengs demonstrative "Südreise" ging in die Geschichte ein. Sie fand große Beachtung in den chinesischen Medien, denn Deng kritisierte offensiv die Reformgegner. Nach Dengs Rückkehr nach Peking druckte die „Volkszeitung“ einen viel beachteten Leitartikel mit der Überschrift "Seid mutiger mit Reformen".

„Kaum einer glaubt noch an Karl Marx“

Ich besuchte diese Region im Dezember ein zweites Mal, nachdem ich schon im August 2018 da gewesen war. Eingeladen war ich von meinem chinesischen Buchverlag, in dem vier meiner Bücher erschienen sind. Diesmal sprach ich mit Vertretern eines privaten Thinktanks. Der Leiter gehört weder der Kommunistischen Partei noch einer der anderen acht „Parteien“ in China an. „Vielleicht werden wir die letzten Verteidiger des Kapitalismus sein“, meinte einer meiner Gesprächspartner. Dass in Europa und den USA sozialistische Ideen eine Renaissance erfahren ist für ihn ebenso unverständlich wie die Klimahysterie in Deutschland. „Hier in China glaubt kaum noch einer an die Ideen von Karl Marx“. 

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Wenn ein Chinese, der auf den Caiman Island seinen steuerlichen Hauptwohnsitz hat, in Guangdong Waren produziert, die von einer Firma in Luxemburg nach Europa importiert werden und über Amazon verkauft, kann keine mehr kontrollieren, ob MWSt und EKST korrekt abgeführt wurden. Ich finde es gut, wenn es länderübergreifend Wirtschaftszonen gibt und China mit Korea oder Vietnam Handel treibt, aber der europäische Handelsraum sollte vom asiatischen Handelsraum getrennt werden.

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