Ausblick auf Top-Assetklassen Suche nach Renditebringern wird 2020 so kompliziert, wie die Nadel im Heuhaufen zu finden

30.12.2019, 12:44  |  13652   |   |   

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) schaut in ihrem Jahresausblick „Märkte und Trends 2020“ auf den DAX, Gold und weitere Assetklassen. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin und Leitung Research bei der Helaba, schreibt: „Mit der Entspannung im Handelskrieg sowie einer geordneten, dauerhaften Brexit-Lösung werden sich die wirtschaftlichen Perspektiven weltweit wieder aufhellen.“ Die Probleme für Anleger stecken im Detail.

„Aktien und Renten hatten schon 2019 ihren großen Auftritt. Bei Ihnen ist das Ertragspotenzial 2020 überschaubar. Allerdings kann es zeitweilig zu Übertreibungen bei Aktien kommen, weil der Mangel an Anlagealternativen grundsätzlich anhält“, so Gertrud R. Traud.

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Konkret: „Auf Basis der gängigen Kennziffern sind US-Blue Chips inzwischen hoch bewertet und bewegen sich leicht oberhalb des langfristigen Normalbandes“, so Markus Reinwand, Aktienstratege bei der Helaba. Über den S&P 500 meinte Reinwand: „Für den S&P 500 ergibt sich 2020 ein faires Bewertungsband von 2.500 bis 3.200 Punkten. Somit besteht wenig Aufwärtspotenzial.“

Aktien mit Übertreibungspotenzial

Spannend ist Reinwands DAX-Ausblick: „Etwas Kursspielraum ergibt sich im Jahresverlauf 2020 durch eine Aufhellung der Wachstums- und Gewinnperspektiven.“ Jedoch meint Reinwand, dass Anleger nur mit einem überschaubaren Aufwärtspotenzial rechnen sollten, denn die Aktienkurse hätten die Konjunkturerholung ungewöhnlich früh vorweggenommen. „Im Hauptszenario bewegt sich der DAX überwiegend in der oberen Hälfte des fairen Bewertungsbandes von 10.500 bis 14.000 Punkten“, so Reinwand. Anleger sollten darauf achten, dass bei einem Übertreten der 14.000-Punkte-Marke es zu unvermittelten Kursrücksetzern kommen könnte, so Reinwand. Sein Fazit lautet: „Auf einem DAX-Niveau über 13.000 Punkten sind die Risiken stärker ausgeprägt als die Chancen.“

Immobilien weiterhin geschätzt, aber…

Hohe Aktienkurse und der Mangel an Anlagealternativen würden 2020 dazu führen, dass Immobilien in der Gunst der Anleger weiterhin hoch im Kurs stünden, so Gertrud R. Traud. Dazu führte Patrick Franke, Senior Economist bei der Helaba, aus: „Immobilien bleiben bei extrem niedrigen Zinsen relativ attraktiv. Allerdings könnte die jüngste wirtschaftliche Schwäche dafür sorgen, dass Mieten und Kaufpreise 2020 etwas weniger dynamisch zulegen. Am deutschen Wohnungsmarkt wird sich die Lage nicht entspannen, solange restriktive politische Maßnahmen die Neubautätigkeit belasten.“

Ein weiteres Segment sind Gewerbe- und Büroimmobilien. „Am gewerblichen Vermietungsmarkt könnte sich die jüngste konjunkturelle Schwäche zeitverzögert bemerkbar machen“, so Stefan Mitropoulos, Volkswirt und Immobilienanalyst bei der Helaba. „Für den Büromarkt bedeutet dies eine nachlassende Flächennachfrage, die bei unverändert moderater Bautätigkeit zu einem geringeren Anstieg der Büromieten in guten Lagen führen dürfte“, meint Mitropoulos. Darüber hinaus rechne er mit einem weiteren Rückgang bei den Büroleerstandsraten, während es bei Einzelhandelsimmobilien zunehmend schwerer wird und sich dieser Bereich schlechter als andere Marktsegmente entwickeln dürfte.

Bei der Anlageklasse Immobilienfonds sei mit einer Jahresrendite von durchschnittlich 2,5 Prozent zu rechnen, so der Immobilienanalyst Mitropoulos. Anleger sollten trotzdem eine ruhige Hand bewahren. „Angesichts bereits hoher Marktbewertungen und einem übersichtlichen Angebot an geeigneten Investmentobjekten ist es nicht einfach, ein Portfolio aus- oder aufzubauen“, so Mitropoulos.

Gold klettert auf 1.700 US-Dollar je Feinunze

„Gold glänzt im Rampenlicht. Sowohl Geld- als auch Fiskalpolitik sind die maßgeblichen Akteure, die dem Edelmetall das Revival ins nächste Jahr verlängern“, so Gertrud R. Traud. Rückblickend auf 2019 konstatierte Patrick Franke: „Der weltweite Renditerutsch an den Rentenmärkten sorgte dafür, dass die Opportunitätskosten für Gold gesunken sind. Davon profitiert das Edelmetall auch 2020.“

Franke rechne damit, dass Gold im Jahr 2020 auf 1.700 US-Dollar je Unze steigen könnte. Seine Helaba-Kollegin Claudia Windt wird konkret, denn sie sieht Gold zum Ende des zweiten Quartals 2020 bei 1.650 US-Dollar je Feinunze und erst Ende des vierten Quartals 2020 bei 1.700 US-Dollar je Feinunze.

Worauf sollten Gold-Anleger ebenfalls ein Auge? „In Euro kommt es aufgrund des Wechselkurses zu einer Seitwärtsbewegung entlang des diesjährigen Spitzenpreises von 1.400 Euro je Unze“, so Windt. Sie rechne zum Ende des zweiten Quartals 2020 mit 1.375 Euro je Feinunze und zum Ende des vierten Quartals 2020 mit noch 1.360 Euro je Feinunze.

US-Dollar könnte gegenüber dem Euro abwerten

„2020 dürfte die US-Währung gegenüber dem Euro abwerten“, meint die Helaba-Chefvolkswirtin Traud. Patrick Franke äußerte dazu: „Der US-Dollar hielt sich 2019 vergleichsweise robust – zum Ärger von US-Präsident Trump. In dessen protektionistische Agenda passt eine schwächere US-Währung. Ohnehin ist der US-Dollar deutlich überbewertet.“ Zur Beziehung Euro-Dollar schrieb Franke: „Der politische Gegenwind für den Euro dürfte nachlassen bzw. könnte zu Lasten der US-Währung drehen. Wenn zudem die Eurozone zunehmend konjunkturelle Lebenszeichen gibt, wird der Euro-Dollar-Kurs 2020 steigen.“

Der Helaba-Devisenexperten Christian Apelt konstatierte: „Da langfristig ohnehin einiges gegen den US-Dollar spricht und 2020 der zyklische sowie politische Rückenwind nachlässt, wird die US-Währung wohl nachgeben.“ Konkret schreibt Apelt: „Der Euro-Dollar-Kurs dürfte in Richtung 1,25 steigen.“ Apelt beobachte, dass der US-Dollar schon seit längerem auf Basis von Kaufkraftparitäten oder realer Wechselkursindizes deutlich überbewertet sei.

Fazit

Für die Finanzexperten von der Helaba könnte alles wesentlich schlimmer aber auch deutlich besser kommen. Im Negativszenario heißt es: „Die vorherrschenden Konflikte entwickeln eine Eigendynamik und führen zu einer globalen Rezession.“ Im Alternativszenario überwiegt eine heitere Grundstimmung: „Die Weltwirtschaft nimmt wieder richtig Fahrt auf und die Aktienmärkte applaudieren“, so Gertrud R. Traud.

 

Dr. Carsten Schmidt für wallstreet:online

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