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Fondsmanager über die Schulter geschaut Stefan Blum verrät Top-Titel in Medtech und Digital Health: Oder kannten Sie Intutitive Surgical, Dexcom oder Teladoc?

08.01.2020, 15:57  |  5175   |   |   

„Wer sein Geld in einen aktiv gemanagten Fonds investiert, will auch Rendite sehen. Das können wir liefern“, ist eine der selbstbewussten Ansagen von Stefan Blum, Fondsmanager der beiden Fonds BB Adamant Medtech & Services und BB Adamant Digital Health. Börsianer wissen längst, dass Medtech eines der großen Investment-Themen des neuen Jahrzehnts ist. Grassierende Zivilisationskrankheiten und die demografische Entwicklung untermauern den Trend. Umso interessanter, Blum beim Stockpicking über die Schulter zu schauen:

wallstreet:online: Herr Blum, Fondsmanager sprechen nicht gerne über Einzelaktien, um nicht zu viel von ihren Erfolgsrezepten zu verraten. Lassen Sie uns das bitte trotzdem versuchen. Welche sind Ihre besten Pferde im BB Adamant Medtech & Services und im BB Adamant Digital Health? Und: Wie haben Sie diese gefunden?

Stefan Blum: Als Stockpicker sind wir immer auf der Suche nach unentdeckten Perlen mit Wachstumspotenzial. Schon seit einigen Jahren sind wir in Intutitive Surgical investiert, die in beiden Fonds zu den Top-10-Positionen gehört. Das Unternehmen ist der Innovationsführer bei roboterunterstützter Chirurgie. Seine Operationsroboter werden 2019 weltweit 1,2 Millionen Mal eingesetzt, und das Potenzial ist noch immer riesig. Allein in den USA werden jährlich 3,8 Millionen allgemeinchirurgische, 3,3 Millionen Kardiothorax und 2,.5 Millionen uro- und gynäkologische Operationen durchgeführt, bei denen der Roboter zum Einsatz kommen könnte. Aktuell arbeitet Intuitive Surgical an der Markteinführung eines Biopsie-Roboters, der im Lungenbiopsie-Markt ein Marktpotenzial von sechs Milliarden USD hat.

Das Unternehmen Dexcom ist ein Beispiel für das Zukunftsthema Digital Health. Sein Produkt Dexcom G6 ist das beste System zur kontinuierlichen Blutglukoseüberwachung bei Diabetespatienten. Auch dieser Markt ist riesig: Mehr als 425 Millionen Menschen leiden heute an Diabetes, das entspricht fast einer Verdreifachung gegenüber 2014. Somit ist einer von elf Menschen weltweit an Diabetes erkrankt. Produkte wie der Dexcom G6 adressieren einen Markt, dessen Marktvolumen nach unserer Einschätzung bis 2023 zehn Milliarden USD überschreiten wird. Die kontinuierlichen Glukosesensoren werden dabei im Zeitraum 2017 bis 2023 mit jährlichen Wachstumsraten von 23% sieben Milliarden USD die etwas grössere Dynamik bei deutlich höheren Umsatzvolumina im Vergleich zu den Insulinpumpen aufweisen.

wallstreet:online: Sie vergleichen Ihre beiden Fonds mit zwei Autotypen. Einer ist ein Ferrari. Wir würden gerne mitfahren!

Stefan Blum: Tatsächlich könnte man den Medtech & Services Fonds mit einem SUV vergleichen, er fährt schnell auf der Autobahn (gute Aktienmärkte), überwindet aber auch unwegsames Gelände (schwierige Aktienmärkte) elegant. Der Digital Health Fonds ist hingegen der Ferrari mit vielen PS und hoher Geschwindigkeit, braucht aber gute Straßenverhältnisse. Der Medtech & Services Fonds ist gekennzeichnet durch einen defensiven Charakter mit Outperformance-Potenzial. Er ist der sichere Hafen für Investoren, das zeigt sich auch in seinem Large Cap Anteil von 80%.

Der Digital Health Fonds hingegen setzt sich zu über 80% aus Small und Mid Caps zusammen. Dadurch weist er aber auch ein Umsatzwachstum von 26% aus, verglichen mit knapp 10% im Medtech & Services-Fonds. Dies heißt aber wiederum nicht, dass Digital Health eine tickende Risikozeitbombe ist. Der Bereich ist stark reguliert, Sicherheit und klinischer Nutzen müssen mit aufwändigen klinischen Studien belegt werden. Dies schafft Eintrittsbarrieren für potenzielle Konkurrenten und macht das Technologierisiko berechenbarer. Das Vertrauen in den Sektor belegen auch die 36 Milliarden USD, die Risikokapitalgeber seit 2001 in 1.300 Digital Health Unternehmen in den USA investiert haben.

wallstreet:online: Anleger beginnen oft mit einer Art „Top-Down-Analyse“ und setzen diese Kritikpunkte: Medizintechnik-Fonds tragen das Branchenrisiko mit sich. Medizintechnik riecht nach vielen fehlschlagenden Innovationen und hoher Volatilität. Und: Nur wenige Branchen- oder Themenfonds schlagen die Performance von ETFs. Was sind Ihre Gegenargumente?

Stefan Blum: Das Gegenteil ist der Fall. Der Bereich der Medtech & Services umfasst das gesamte Gesundheitssystem, aber ohne die Medikamentenhersteller, die unter Patentabläufen, hohen Entwicklungsrisiken und Preisdiskussionen leiden, und ist darum um einiges defensiver positioniert. Das attraktive Risiko-Ertragsprofil belegen auch die Zahlen: Mit einem annualisierten Ertrag über die letzten fünf Jahre von über 15% bei einer Volatilität von unter 17% schneidet der Medtech & Services Fonds hier deutlich besser ab, als beispielsweise der MSCI World Healthcare, der bei einer Volatilität von 15% einen Ertrag von rund 10% ausweist. Bei den breiteren Aktienmärkten, wie etwa MSCI World, SPI oder Euro Stoxx 50 ist zwar die Volatilität geringer, jedoch sind auch die Erträge in EUR nicht höher als 11%.

Wer sein Geld in einen aktiv gemanagten Fonds investiert, will auch Rendite sehen. Das können wir liefern. Vor einigen Jahren haben wir dem Thema Medtech auch die Services, also Dienstleister aus dem Gesundheitsbereich beigemischt und so einen neuartigen und vollwertigen Healthcare-Fonds geschaffen. Einen ETF mit dieser Ausrichtung gibt es unseres Wissens nicht.

wallstreet:online: Sie haben jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet Medizintechnik. Geht die Rechnung „viele Innovationen gleich wirtschaftlicher Erfolg“ eigentlich auf? Unabhängig davon, wie Ihre Antwort ausfällt: Welche Firmen haben Sie auf dem Gebiet Innovationen stark beeindruckt?

Stefan Blum: Innovation zahlt sich aus, aber nicht um jeden Preis. Sie lohnt sich dann, wenn ein ungedeckter medizinischer Bedarf adressiert wird und zur Kostenreduktion im Gesundheitswesen beiträgt. In diesen Fällen wird die Innovation durch die Behörden stark gefördert, etwa durch effiziente Zulassungsprozesse und die schnelle Übernahme der Kostenrückerstattung.

Ein Beispiel aus unserem Portfolio ist die amerikanische Teladoc Health. Das Unternehmen ist der größte Telemedizin-Anbieter in den USA. Zu seinen Kunden gehören vorwiegend große Unternehmen, Krankenversicherungen und Krankenhäuser. Durch seine Dienstleistungen können einerseits Kosten für Hausarztbesuche um bis zu 75% reduziert werden und andererseits gelingt es Krankenhäusern, die Rehospitalisierungsrate von Patienten zu vermindern. Der Patient erspart sich Transport- und Wartezeiten. Also eine Win-Win-Situation für Gesundheitswesen und Patient.

wallstreet:online: Welche Investoren-Gruppen zeichnen Ihre beiden Fonds BB Adamant Medtech & Services und BB Adamant Digital Health? Welche Strategie, in dem Ihre Fonds eingebaut werden könnten, empfehlen Sie Privatanlegern?

Stefan Blum: Wie für Aktienfonds üblich, empfehlen auch wir einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren, da die Produkte naturgemäß Schwankungen ausgesetzt sind. Ruhiger schlafen kann man sicherlich mit Medtech & Services, und die 15% jährliche Wertentwicklung über die letzten fünf Jahre kann sich auch sehen lassen, bei einer Volatilität von unter 17%. Wer etwas mehr Volatilität hinnehmen kann, für den eignet sich als Beimischung zum Portfolio auch der Digital Health Fonds.

wallstreet:online: Sind die Unternehmen im BB Adamant Medtech & Services und im BB Adamant Digital Health nicht eigentlich Tech-Unternehmen, die vielleicht irgendwann von den Big Techs geschluckt werden könnten?

Stefan Blum: Es handelt sich hier klar um Healthcare-Unternehmen. Es ist keine Gadget-Industrie, hier geht es um die Gesundheit von Menschen, oft sogar um deren Leben. Wie bereits erwähnt, ist der Bereich stark reguliert, Sicherheit und klinischer Nutzen müssen mit aufwändigen klinischen Studien belegt werden. Dies schafft Eintrittsbarrieren für potenzielle Konkurrenten und macht das Technologierisiko berechen­barer. Es ist aber schon so, dass bei Digital Health Silicon Valley auf das Gesundheitswesen trifft, und es dadurch immer wieder zu Kooperationen kommt. Wenn das Marktpotential und das klinische Knowhow von den Techgiganten als besonders attraktiv eingeschätzt wird, sind Übernahmen nicht auszuschließen. Digital Health ist ja grundsätzlich die Adaption von neuen Technologien auf das Gesundheitswesen.

wallstreet:online: Herr Blum, bitte erlauben Sie zum Schluss eine privatere Frage: Welches persönliche Ziel haben Sie sich für 2020 gesetzt?

Stefan Blum: Ich wünsche mir in einer Gesellschaft leben zu dürfen, die auf gegenseitigem Respekt aufbaut. Ansonsten habe ich das Glück, dass meine Arbeit gleichzeitig mein größtes und liebstes Hobby ist. Mein Kollege Marcel Fritsch und ich werden weiterhin alles daransetzen, dass unser differenzierter Investmentansatz – ein vollwertiger Healthcare Fonds ohne Medikamentenhersteller – weiterhin erfolgreich ist.

wallstreet:online: Herr Blum, vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Christoph Morisse.

Kurzlebenslauf von Stefan Blum
Stefan Blum trat 2008 bei Bellevue Asset Management ein und ist Portfolio Manager der beiden Fonds BB Adamant Medtech & Services und BB Adamant Digital Health. Neben den Kernthemen Medizintechnik und Diagnostik spezialisiert sich Stefan Blum auf neue disruptive Technologien wie Big Data, Robotik und Gensequenzierung und deren Einfluss auf das Gesundheitswesen. Vor seinem Eintritt bei Bellevue Asset Management war er vier Jahre lang verantwortlich für die Betreuung der Investoren beim weltgrößten Hörgerätehersteller Sonova. Bei der Bank Sarasin war Stefan Blum von 1996 bis 2000 als Finanzanalyst tätig und betreute den Medizinaltechnik- und Hightech-Sektor. Außerdem leitete er die Finanzabteilung von Obtree Technologies Inc. und beriet Schweizer börsennotierte Unternehmen in strategischen Investor-Relations-Fragen. Stefan Blum schloss sein Studium in Wirtschaftswissenschaften an der Universität St. Gallen ab und ist Absolvent der AZEK.

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