Wie gut ist der Phase 1-Handelsdeal für die Aktienmärkte?

Gastautor: Sven Weisenhaus
17.01.2020, 09:34  |  872   |   |   

Laut Angaben der US-Regierung soll der vorgestern beschlossene Handelsdeal das Bruttoinlandsprodukt der USA um 0,5 % jährlich erhöhen. Doch es darf bezweifelt werden, dass diese Berechnung realistisch ist. Binnen zwei Jahren soll China zusätzliche US-Waren im Volumen von fast 200 Milliarden Dollar kaufen. Bei einem US-BIP von rund 20 Billionen Dollar sind dies nur 0,1 % des BIP. Woher die restlichen 0,4 % kommen sollen, ist mir ein Rätsel.

Sollen dies die reduzierten Zölle ausmachen? Schließlich sieht der neue Vertrag immerhin auch vor, US-Zölle in Höhe von 15 % auf chinesische Schuhe, Kleidung und Schmuck auf 7,5 % zu halbieren. Doch selbst damit liegen die Zölle der USA auf chinesische Waren noch bei durchschnittlich 19,3 %. Zuvor waren es laut Berechnungen des Peterson Institute 21 %. Die aktuelle Senkung um nicht einmal 2 Prozentpunkte wird das US-BIP nicht um 0,4 % erhöhen. Und immer noch werden für zwei Drittel der Importe aus China Zölle fällig. Produkte im Wert von rund 370 Milliarden Dollar sind damit belastet. Anfang 2018, bevor der Handelskrieg begann, lagen die durchschnittlichen Zölle laut WELT bei 3 %.

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Die kritischen Themen werden erst in Phase 2 behandelt

Der Vertrag ist daher im Grunde nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und die viel wichtigeren Themen, die einen fairen Wettbewerb mit China verhindern oder ermöglichen, wie zum Beispiel die chinesischen Subventionen und Staatskonzerne oder deren Abschaffung bzw. Privatisierung, werden erst in der Phase 2 der Verhandlungen angegangen. Diese Phase dürfte daher deutlich problematischer werden. Sie hat sogar das Potential, den Phase 1-Deal zu kippen, wenn sich China nicht bereit zeigt, seine Wirtschaftspolitik grundlegend zu verändern.

Chinas Staatsunternehmen wachsen auf 170.000

Manager aus Amerika und Europa beklagen immer wieder, Peking bevorzuge heimische Firmen und verzerre so den Wettbewerb. Und von chinesischen Staatsfirmen gibt es viele. Laut Weltbank stieg die Zahl der staatlichen Unternehmen in der Volksrepublik in den vergangenen Jahren dramatisch an – auf inzwischen rund 170.000. Durch Subventionen erhalten diese im internationalen Wettbewerb einen Vorteil.

Ausländische Firmen werden in China zum Technologietransfer gezwungen

Einen Vorteil erhält China auch dadurch, dass die chinesische Regierung ausländischen Firmen einen  Marktzugang nur gegen Technologietransfer erlaubt. Ausländische Firmen werden dadurch gezwungen, ihr Wissen preiszugeben. Und dies kann natürlich dazu führen, dass plötzlich andere chinesische Unternehmen die gleichen Produkte und Dienstleistungen anbieten. Und werden diese auch noch subventioniert, kann zu günstigeren Preisen produziert werden, womit ausländische Unternehmen wieder aus dem Markt gedrängt werden.

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