Aktienausblick 2020 – Vorsichtiger Optimismus mit Variablen

Gastautor: Dirk Heß
31.01.2020, 09:00  |  718   |   |   

Mit Kursgewinnen von rund 25 % hat der Deutsche Aktienindex Anlegern im vergangenen Jahr viel Freude bereitet. Für 2020 erwartet das meist optimistisch gestimmte Analystenheer allerdings nur noch sehr begrenzte Zuwächse. Für dieses Szenario eignen sich besonders Discount-Zertifikate.

„Auf das Gewesene gibt der Kaufmann nichts“, wie es so schön heißt. Nach herausragender Entwicklung 2019 und anfänglich gutem Start ins neue Jahr stellt sich deshalb die Frage, was dem DAX in den kommenden elf Monaten noch zuzutrauen ist. Nicht allzu viel, glaubt man den DAX-Prognosen von 24 ausgewählten Banken.

Durchschnittsschätzung bei 13.868 DAX-Punkten

So erwarten die Analysen für Ende 2020 im Mittel einen DAX-Stand von 13.868 Punkten (Stand: 17.01.2020). Die Spanne der Schätzungen reicht dabei von 12.500 bis 14.600 Zählern, wobei eine starke Prognosehäufung im Bereich von 14.000 Punkten festzustellen ist. Bei einem aktuellen Indexwert von ca. 13.200 Zählern ist das Potenzial auf Jahressicht damit doch relativ begrenzt.

Auf der einen Seite dürften bei den Prognosen die Erwartungen weiterhin niedriger Zinsen eine wichtige Rolle gespielt haben. So hat die neue EZB-Chefin Christine Lagarde bereits mehrfach anklingen lassen, dass sie „eine hochgradig konjunkturstützende Geldpolitik“ für längere Zeit für gerechtfertigt halte und die Untergrenze der Schlüsselzinsen noch keinesfalls erreicht sein müsse. Gleichzeitig scheint die globale Wirtschaft wieder Tritt zu fassen (IWF-Schätzungen für 2020 beispielsweise: +3,3%), und im Handelsstreit zwischen China und den USA hat sich die Lage gegenwärtig ebenfalls entspannt. Auch die US-Präsidentschaftswahlen im November sprechen tendenziell eher für steigende Kurse, besteht für amtierende Präsidenten doch stets die Versuchung, die Wählerschaft durch Steuersenkungen, zusätzliche Ausgaben oder Ähnliches bei Laune zu halten. Dank der hohen Korrelation des europäischen mit dem amerikanischen Aktienmarkts dürfte dies letztendlich auch DAX und Co. zugutekommen.

Andererseits aber sind die Gewinne heimischer Unternehmen im vergangenen Jahr deutlich hinter der Börsenentwicklung zurückgeblieben, wodurch sich das Bewertungsniveau signifikant erhöht hat. Gleichzeitig bestehen nach wie vor erhebliche Risiken für die Kapitalmärkte. So könnte sich Donald Trump nach der Teileinigung mit China demnächst wieder den Handelsbeziehungen mit Europa widmen. Dabei sind US-Strafzölle auf Autos noch lange nicht vom Tisch, wie sich seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum unschwer entnehmen ließ. An die Stelle der Brexit-Auseinandersetzungen werden ab dem 31. Januar Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien treten, und auch die Konflikte im Nahen Osten dürften immer wieder für Unruhe an den Aktienmärkten sorgen.

Seitwärts-Märkte nicht unwahrscheinlich

Betrachtet man die Analystenprognosen sowie das relativ ausgewogene Für und Wider zum Jahresauftakt, bietet sich für Aktienanleger damit der Rückgriff auf Produkte an, die ihre Stärken insbesondere in Märkten mit stagnierenden, leicht fallenden oder auch leicht steigenden Kursen ausspielen. Hierzu zählen u.a. Discount-Zertifikate mit einem Cap auf Höhe des zum Jahresende erwarteten Indexniveaus.

Ein Beispiel: Wer sich am Mittelwert der Analystenschätzungen orientiert und heute ein Discount-Zertifikat mit Cap bei 13.900 Punkten und Fälligkeit Ende 2020 erwirbt, zahlt dafür bei einem Bezugsverhältnis von 100:1 ca. 130 Euro. Sollte die besagte Marke Ende des Jahres tatsächlich erreicht oder überschritten sein, wird der Discounter zu 139 Euro zurückgezahlt, woraus sich eine Rendite von immerhin ca. 7 % ergibt. Um mit einem DAX-ETF oder einem entsprechenden Index-Zertifikat dieselbe Performance zu erzielen, müsste das Marktbarometer in den kommenden elf Monaten auf mindestens 14.432 Punkte ansteigen. Eine derart positive Entwicklung trauen dem DAX gerade einmal zwei der insgesamt 24 erfassten Analysten zu.

Stand: 31.01.2020

Autor: Dirk Heß, Co-Head EMEA Public Listed Products Sales & Distribution bei Citigroup Global Markets Europe AG

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